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IV-Veranstaltung "Salzburg Summit" fordert mehr Innovationen

Europa müsse technologisch dringend aufholen, so der Tenor beim "Salzburg Summit" der Industriellenvereinigung, der heuer erstmals veranstaltet und von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein eröffnet wurde. Der Staatenverbund müsse sich dringend gegen heutige Innovationsführer behaupten. Dazu zählen die Referenten neben den USA nun auch China.

Industriellenvereinigung Standort Österreich Sebastian Kurz Georg Kapsch

Der heuer erstmals ausgetragene und von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein eröffnete "Salzburg Summit" der Industriellenvereinigung (IV) hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Europa in Zukunft technologisch - und damit wirtschaftlich - gegen die Innovationsführer USA und China behaupten kann.
Großer Handlungsbedarf, großes Kulturprogramm

Der "Salzburg Summit" endete für mehr als 120 geladenen Teilnehmer mit einem umfangreichen Kulturprogramm. Bevor es jedoch soweit war, orteten die Referenten und Diskutanten dringenden Handlungsbedarf. "Die EU muss sehr vorsichtig sein, nicht von anderen Weltregionen überholt zu werden", betonte IV-Präsident Georg Kapsch vor den geladenen Teilnehmern. "Wir müssen an Stärke und Dynamik gewinnen, sonst werden wir in Europa zwischen dem neoliberalem US-Modell und dem Staatsmodell Chinas zerrieben." Derzeit würden die EU-Mitgliedsstaaten aber versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. "Damit gefährden sie das große gemeinsame Ziel."

Kapsch will dabei klar am sozial-liberalen Modell Europas festhalten. "Dazu brauchte es jedoch mehr Innovationskraft, mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung und endlich den gemeinsamen Binnenmarkt. Die Politik muss Menschen und Unternehmen ermutigen, innovativ zu sein - ohne störende Regulierungen." Nur dann sei die Voraussetzung für Beschäftigung und Wohlstand gegeben.

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Sebastian Kurz: Drei Handlungsfelder

Auch Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz fürchtete beim Gipfel in Salzburg, dass die liberalen rechtsstaatlichen Demokratien Europas als politische Modelle an Bedeutung verlieren. "Wir können unser politisches System nur dann in die Welt exportieren, solange es mit wirtschaftlichem Erfolg und bescheidenem Wohlstand für die Menschen verbunden ist." Kurz ortete dabei drei Handlungsfelder: Die Suche nach qualifizierten Technikern und IT-Kräften, die Notwendigkeit nach mehr Risikokapital, um neuen Ideen zu Rückenwind zu verhelfen, und die in der Politik vorherrschende Lust am Regulieren. Ein Problem, auf das heute auch eine Vielzahl anderer Diskussionsteilnehmer verwiesen. Nach wie vor würden für die verschiedenen Märkte in Europa unterschiedliche Regulatorien herrschen. Das mache es für europäische Start-Ups sehr schwierig.

Die Digitalisierung habe die traditionellen Industrien stark unter Druck gebracht, so der Tenor. Die Liste der weltweit nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen würden heute von Internetkonzernen in den USA angeführt: Microsoft, Amazon, Apple, Alphabet und Facebook.

"Wir verlieren klassische politische Einflussfelder an diese Technologiegiganten", ortete der frühere deutsche Minister und heutige Unternehmensberater Karl-Theodor zu Guttenberg. Diese würden die Regierungen mittlerweile vor sich hertreiben - Stichwort: Facebook-Kryptowährung Libra.

"Wir kämpfen in Europa zusätzlich mit einer Mentalitätsfrage: Wir schaffen wir es, dass Innovation insgesamt als etwas Positives begriffen wird?", fragte zu Guttenberg. "Wir sollten positiv mit dem Begriff des Scheiterns und des Risikos umgehen. Doch wenn ich hierzulande einmal an die Wand gefahren bin, brauche ich nicht auf einen erneuten Kredit zu hoffen - und habe noch die Schadenfreude jener, die einem ohnehin keinen Erfolg gönnten." Zwar sei Europa in manchen Bereichen durchaus wettbewerbsfähig. "Aber wir müssen unsere Risikobereitschaft wieder entdecken", betonte zu Guttenberg. (apa/red)