Interview

IV-Steiermark-Präsident Georg Knill: "Ich möchte mitgestalten“

Der neue IV-Steiermark-Präsident Georg Knill über Unternehmerverantwortung, Optimismus und wie er seinen Töchtern erklärt, was er eigentlich macht.

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Maschinenbau Knill Georg Knill Industrie

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Knill, bitte zuerst eine Bestandsaufnahme. Wie geht’s der steirischen Industrie und worauf können Ihre IV-Kollegen aus den anderen Bundesländern neidisch auf die Steiermark neidisch blicken?

Georg Knill: Es geht ihr seit einiger Zeit gesamt gesehen relativ gut, aber mit keinen großen Sprüngen nach oben oder unten. Differenziert nach Branchen, gibt es überall Ausreißer. Neid – das ist für mich kein Ansatz. Doch wenn wir es auf Landesebene sehen, hat sicher die ehemalige Reformpartnerschaft und heutige Zukunftspartnerschaft einen politischen Stil vorgezeigt, der nachahmenswert ist.

Auch in Richtung Wertschätzung der Industrie?

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Knill: Sie ist in den letzten Jahren viel stärker ins Bewusstsein der Landespolitik gekommen. Auch im Sinne, dass wir gemeinsam Dinge weiterbewegen und die Industrie nicht als Feindbild, sondern als Partner und Freund gesehen wird. Das war ein intensiver Prozess, den mein Präsidenten-Vorgänger sehr stark forciert hat. Das hat Früchte getragen.

Am Ende Ihrer Funktionsperiode soll sich was geändert haben?

Knill: Mit mehr Optimismus, mit mehr Mut in die Zukunft blicken. Klarere Visionen für unser Land, wohin wir gehen wollen, und über Dinge nicht nur reden, sondern umsetzen.

Ihr Bruder ist Obmann des FMMI. Woher kommt dieses Engagement abseits des eigenen Unternehmens?

Knill: Einen Mitgrund liegt in unserer Familiengeschichte, mit einer Firmentradition von über 300 Jahren in zwölf Generationen. Es war ein Selbstverständnis meiner Vorfahren, Unternehmertum immer mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. Auch ich bin nicht derjenige, der aus der zweiten Reihe ruft, was alles schlecht geht. Ich möchte mitgestalten.

Das wurde Ihnen sozusagen schon als Kind mitgegeben?

Knill: Nachdem ich meine Hausaufgaben oft am Schreibtisch meines Vaters gemacht habe, war Familie–Schule–Beruf immer eins. Natürlich war der Vater viel unterwegs und ich durfte manchmal mitfahren, das war etwas ganz Normales. Wir durften reinschnuppern, das war uns freigestellt, doch das Eine hat zum Anderen geführt. Ich merke auch wie schwierig es ist, meinen Töchtern nahezubringen, was eigentlich mein Beruf ist. Ein Bäcker, ein Friseur, das ist in der Tätigkeit selbstsprechend. Doch was macht ein Unternehmer, ein Manager? Wir haben damals immer gelästert beim Vater: Du liest eh nur den ganzen Tag Zeitung! Meine Töchter sagen vielleicht, du liest den ganzen Tag eh nur E-Mails …

Wie alt sind ihre Töchter und was sagen Sie ihnen?

Knill: 10 und 7. Ich sage, ich bin verantwortlich für 2000 Beschäftigte, ich schaffe Arbeitsplätze, als Unternehmer bin mit meinem gesamten Team mitverantwortlich, dass wir Materialien kaufen, Personal bezahlen, Produkte herstellen und uns der Kunde dafür Geld gibt. Und der Wohlstand, den wir zuhause haben, kommt eben aus diesem Kreislauf. Und auch ich nehme sie punktuell mit ins Ausland, zu Kunden, und natürlich gehen wir regelmäßig durch die Fertigung, um Industrieluft zu schnuppern.

Familiengeführte Unternehmen ticken anders, heißt es immer. Sehen Sie das auch so?

Knill: Wir haben letzthin auf einer Klausur mit Führungskräften gesagt, mein Bruder und ich werden in 30 oder 35 Jahren in Pension gehen, was wollen wir bis dahin erreichen?

Schlagzeile: Georg Knill denkt bereits an Pension!

Knill: Zählt schon die Jahre! (Lacht herzhaft). Nein, im Ernst, das ist ein Teil des langfristigen Denkens. Wir kennen alle diese Beispiele, wo der Junior nicht voll durchstarten kann, weil der Vater auch noch voll im Geschäft ist … Darum: Auch eine Übergabe muss geplant sein.

Die IV Steiermark weist aus, dass die Industrie jährlich 129 Mio. bzw. pro Gemeinde durchschnittlich 450.000 Euro Kommunalsteuern bezahlt. Ist die Kommunalpolitik ein Feld, das noch intensiver zu beackern ist?

Knill: Es gibt viele Gemeinden, die sehr wohl wissen, nicht nur aufgrund der Kommunalsteuer, wie wichtig ein Industriebetrieb ist. Wo wir schon immer wieder aufpassen müssen, sind die Fälle mit Betrieben, die seit Jahrzehnten an bestimmten Standorten sind und alle Auflagen erfüllen – und früher oder später ist ein Wohnhaus an der Grundstücksgrenze. Dann kommen die ganzen Konflikte auf, aufgrund einer eigentlich verfehlten Flächenwidmungsplanung. Die ist vielfach passiert, keine Frage. Das erschwert ungemein, neue Infrastruktur-Korridore zu definieren, dabei auch Industriegründe auszuweisen und zu erhalten. Hier gibt’s Verständnis und Initiativen: LHStv. Schickhofer hat gerade 30 Mio. m2 Industriegründe mit einer Art Vor-UVP ausgewiesen, die im Prinzip als gewidmet dargestellt werden. Interview: Arno Miller

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