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IM-Expertenpool: Innovation

Innovativ wirtschaften im Jahr 2017: Dem Wachstum gewachsen sein

Technologiefortschritt und Innovationswille prägen neue Geschäftsstrategien und erfordern den Mut, Unternehmensbereiche neu zu definieren bzw. zu strukturieren. Innovationsbestreben ist jedoch ein langer Prozess.

Gerade vor diesem langen Prozess schrecken viele Unternehmen zurück. Häufig zu Unrecht, denn meist hindern nur die fehlenden Zeitressourcen Unternehmen daran, herauszufinden, welches Potenzial bereits in ihrem Betrieb steckt. Deshalb gilt: Wer einzelne Komponenten richtig aufeinander abstimmt und die richtigen Schritte setzt, kann schon mit wenig Aufwand innovativ und wertschöpfender handeln. 

Schritt 1: Organisationskultur neu denken

Schlagworte wie „Digital Transformation“ sind in aller Munde und stellen neue Ansprüche an traditionelle Organisationsstrukturen. Neue Herausforderungen bringen auch neue Chancen für Unternehmen: Integration neuer Geschäftsfelder, Flexibilisierung der Prozesse oder auch Entbürokratisierung sind nur drei Vorteile, von denen Unternehmen mit einer innovativen Organisationskultur profitieren. Dabei ist wichtig, dass sich sowohl die Managementebene als auch die MitarbeiterInnen auf die Veränderung und neue Leitgedanken einlassen. 

Schritt 2: CFO mit einbinden

Der EY-Report „Die DNA des CFO“ bestätigt, dass gerade der Finanzbereich in alle Abteilungen des Unternehmens hineinspielt. Der CFO weiß über die Performance des Gesamtunternehmens Bescheid und ist gleichzeitig mit allen Wertschöpfungsbereichen bestens vertraut. Somit ist es durchaus sinnvoll, strategische Überlegungen auch beim CFO zu platzieren und ihn in den Innovationsprozess miteinzubeziehen. Die starke Einbindung ins Tagesgeschäft und fehlende Zeitressourcen machen es dem CFO jedoch oft schwer, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Viele Unternehmen greifen daher auf externe Partner zurück, die dabei helfen, einzelne Komponenten der unternehmenseigenen Wertschöpfungskette und des umgebenden Wertschöpfungsnetzwerkes optimal aufeinander abzustimmen.

Schritt 3: Ausbau des Wertschöpfungsnetzwerkes

Neben Faktoren der Produktion, externer wie auch interner Logistik und Distribution wird der Wertschöpfungsprozess auch von Personalwirtschaft, Technologieentwicklung, Beschaffung und Unternehmensinfrastruktur geprägt. Das richtige Zusammenspiel dieser Komponenten pflastert hier den Weg zum Erfolg. So werden Bereiche identifiziert, die noch ausgebaut werden und positiv zum Wachstum beitragen können. Ein Blick in die Praxis zeigt: Ein metallverarbeitender Betrieb benötigt zur Produktherstellung viel Vormaterial. Hier ist es hilfreich, mit den Lieferanten Art und Anzahl der Bestellungen zu evaluieren, um häufig bestelltes Material herauszufiltern. Im Sinne eines Wertschöpfungsnetzwerkes tritt nun folgendes Szenario in Kraft: Der Betrieb kann den Lieferanten die Möglichkeit bieten, größere Mengen auf einmal zu liefern und diese kostenfrei im Unternehmen zu lagern. Die Vorteile des Betriebes äußern sich in günstigeren Einkaufspreisen, Einsparungen von Zeitressourcen im Bestellwesen und einer Rechnungsstellung, die erst erfolgt, wenn das Material auch verwendet wurde. Im Kundenmanagement kann der Betrieb Montageerfordernisse neu abstimmen. Das kann bereits bei der Fertigung erfolgen, indem dort Arbeitsschritte erledigt werden, die die Montage erleichtern. Eine richtig getimte Lieferung wie auch eine baustellenspezifische Kommissionierung steigern den Wert der produzierten Waren noch einmal enorm. So wird aus einem Produkt eine wertschöpfende Gesamtlösung für alle Beteiligten.

Schritt 4: Kontaktaufnahme mit Investoren für langfristiges Kapital 

Der Entschluss zu innovativem Wachstum darf keinesfalls zu waghalsigen Investitionen führen. Innovativ wirtschaften bedeutet nämlich auch, überlegt zu handeln. Um Investoren zu überzeugen, ist eine zusammenhängende Darstellung der Unternehmensstrategie, der finanzwirtschaftlichen Performance, des Risikomanagements und der operativen Effektivität notwendig. Hier ist oft sinnvoll, einen Partner an Bord zu holen, der als „Dolmetscher“ agiert und Chancen und Visionen, Umsetzungshorizonte und notwendige Budgets für Unternehmen und Kapitalgeber verständlich darstellt. 

Schritt 5: Wissenskapital im Unternehmen nutzen

Oft liegt das Gute so nah: Mit der Bewertung des Wissenskapitals ergibt sich die Möglichkeit, mit den bereits vorhandenen personellen Ressourcen Innovation voranzutreiben. Um die eigenen Potentiale im Unternehmen sinnvoll nutzen zu können, gilt es, Hierarchieebenen abzubauen und Plattformen zum Innovationsaustausch zu schaffen. Darüber hinaus kann das vorhandene Mitarbeiterwissen in der Bilanz sichtbar gemacht werden und so zu einer erheblichen Bonitätssteigerung des Unternehmens beitragen. 

Innovation muss somit nicht erst eingekauft werden, denn jedes Unternehmen verfügt bereits über ein breites Wertschöpfungsnetzwerk. Wer die richtigen Schritte für innovatives Wirtschaften setzt, ermöglicht langfristige Planungen, erzielt einen nachhaltigen Geschäftserfolg und kann den Herausforderungen in dem sich wandelnden Marktgefüge ohne Angst entgegen schreiten.

Günther Voitl ist Geschäftsführer von Quality Finance.