Infineons neue Märkte: Elektroautos in China, Smartphones in den USA

In der Autobranche und bei ihren Zulieferern werden Entwicklungs-Plattformen immer beliebter. Jetzt gehen der Halbleiterhersteller Infineon und der chinesische Autobauer SAIC zusammen. Auch bei Gesichtserkennung in Smartphones mischt Infineon mit.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon will mit dem chinesischen Autohersteller SAIC bei Elektrofahrzeugen zusammenarbeiten. Die beiden Firmen gründeten ein Joint Venture mit Hauptsitz in Shanghai, wie Infineon kürzlich mitgeteilt hat. SAIC halte 51 Prozent, Infineon 49 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen SIAPM biete Leistungshalbleiter-Lösungen für Elektrofahrzeuge in China.

Entwicklungs-Plattformen werden in der Autobranche immer beliebter

Ziel sei es, alle Kunden, die in China produzierten, zu beliefern. Außerhalb Chinas trete Infineon alleine auf. Der Konzern aus Neubiberg bei München macht einen Gutteil seines Geschäfts mit der Autoindustrie. Im Jänner hatte Infineon angekündigt, sich beim autonomen Fahren mit dem chinesischen Suchmaschinenbetreiber Baidu zusammengetan zu haben.

In Österreich beschäftigt Infineon mit Hauptsitz in Villach in Kärnten rund 3.500 Mitarbeiter in Produktion, Forschung und Entwicklung.

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Entwicklungs-Plattformen sind inzwischen in der Autobranche beliebt, um aufwendige technologische Neuerungen voranzutreiben. Alle großen Fahrzeughersteller und ihre Lieferanten arbeiten mit Hochdruck an Systemen für selbstfahrende Autos und Mobilitätsdienste; Allianzen mit Technologieunternehmen sind dabei an der Tagesordnung.

China als größter Pkw-Markt der Welt gilt dabei als besonders wichtig, weil das Land die Größe des heimischen Marktes auch dafür nutzt, Technologie-Trends zu bestimmen.

Infineon will auch Gesichtserkennung für Android-Smartphones liefern

Infineon will Hersteller von Android-Smartphones mit ausgefeilter Technik zur Gesichtserkennung in der Liga von Apples iPhone X beliefern. Das Unternehmen zeigte zuletzt auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona den Prototypen eines Systems, das mit Hilfe von Laserstrahlen ein 3D-Abbild des Nutzers erstellt. Die Produktion der Systeme soll Ende des Jahres anlaufen, sie könnten damit 2019 in Smartphones auftauchen.

Auch diverse bisherige Telefone mit dem Google-Betriebssystem Android lassen sich per Gesichtserkennung entsperren. Sie setzen aber in vielen Fällen auf einfache Bilderkennung und konnten zum Teil mit Fotos ausgetrickst werden. Apple ersetzte bei seinem aktuellen Top-Smartphone iPhone X die vorherige Entsperrung per Fingerabdruck durch eine komplexe Gesichtserkennung mit Infrarot-Strahlen und Lasern. Das System füllt die Aussparung am oberen Bildschirmrand des iPhone X aus.

Laser und Infrarotstrahlen ins Gesicht des Nutzers

In Barcelona zeigen viele asiatische Smartphone-Anbieter bereits Telefone mit einer ähnlichen Bildschirm-Lücke, obwohl in ihr nur die üblichen Frontkamera und Lautsprecher stecken. Android-Telefone seien "ganz klar unser Zielmarkt", sagte Infineon-Manager Martin Gotschlich auf der Messe. Im Vergleich zu Apples Face-ID-Lösung sei das Infineon-Modul dank einer etwas anderen verwendeten Technologie kompakter und funktioniere robuster im grellen Sonnenlicht. Die "3D-Punktwolke" könne auch genauso wie bei Apple dafür verwendet werden, Avatare oder Emoji mit der Mimik des Nutzers zu animieren.

Geschäft mit Lautsprechern im Visier

Infineon will auch stärker ins Geschäft mit Anbietern vernetzter Lautsprecher kommen. Der Konzern will sie mit Radar-Sensoren beliefern, die die Position von Nutzern im Raum bestimmen können. "Wir sind in intensiven Gesprächen mit großen Herstellern smarter Lautsprecher", sagte Infineon-Manager Andreas Urschitz. Im nächsten Schritt soll die Technik auch Personen identifizieren können, das seien Entwicklungsstufen für die kommenden zwei, drei Jahre.

Die Radarsensoren können aus dem Inneren des Gehäuses heraus funktionieren. Bei einer bestimmten Anordnung der Antennen könne auch ein einzelner nach oben strahlender Chip einen Umkreis von 360 Grad abdecken. Von Infineon kämen schon heute die Mikrofone vieler vernetzter Lautsprecher. Der Konzern zeigt in Barcelona auch einen Radar-Sensor an einem Spiegel, mit dem der Herzschlag gemessen werden kann.

(reuters/dpa/apa/red)

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