Energiemonitoring

Infineon, GW St. Pölten, Franz Haas Waffelmaschinen: Wie Unternehmen ihre Energiebilanz aufmöbeln

In einem Großprojekt simulierten Infneon, Haas Waffelmaschinen und GW St. Pölten ihre Material- und Energieflüsse. Die erzielten Effizienzgewinne sind erstaunlich.

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Infineon-Projektinitiator Andreas Wittmann mit Kollegen* vor einer Kälteanlage am Standort Villach.
*mit Karsten Buchholz, Patrick Richter und Josef Obiltschnig

18 Projektpartner, fünfeinhalb  Millionen Euro Budget: Mit 150 Leuten, peilt Benjamin Mörzinger über den Daumen, hat er in den vergangenen Monaten am Projekt BaMa zusammengearbeitet. Recht intensiv, darf man behaupten. „Direkt nach dem Studium ins Projekt einzusteigen war sportlich“, sagt er. Mörzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik der TU Wien und kann auf ansehnliche Erfolge im Projekt verweisen. „Simulatoren gibt es tausende“, so der Forscher. Im Projekt aber „simulierten wir parallel die Energie- als auch die Materialfluss-Seite und studierten erstmals die Wechselwirkungen“, so Mörzinger. Auch wenn es wirtlichere Plätze gibt, um Messpunkte zu installieren: Mörzinger musste einen solchen etwa auch in einem Industriekühler – Temperatur: minus 40 Grad – anbringen.

Simulation als Basis

Rund 8000 Megawattstunden Jahresenergieverbrauch wurden im Projektkonsortium – mit an Bord waren unter anderem Infineon Österreich, Berndorf Band, Haas Waffelmaschinen und GW St.Pölten – dank selbstentwickelter Optimierungssoftware eingespart. Daraus lässt sich eine schöne Story für weitere potentielle Einsatzfälle der Tools in der Industrie ableiten: „Die Einsatzszenarien bei den Projektpartnern stehen stellvertretend für viele ihrer jeweiligen Branchen“, so Mörzinger. Die so entstandenen Softwarebausteine – maßgeblich entwickelt von der Grazer Softwareschmiede AutomationX und Siemens – ließen sich gut auf andere umlegen, so der Techniker. Wer angesichts notorisch niedriger Energiepreise abwinkt, sollte bedenken: Auch ansehnliche Outputsteigerungen bei Bestandsanlagen und Verbesserungen der Arbeitseffzienz wurden erzielt. Die Ergebnisse im Detail.

Infineon: Kältemaschinen auf den Zahn gefühlt

Man mag es Intuition nennen: Dass es zu einem restlos effzienten Betrieb der Kältemaschinen am Infineon-Standort Villach noch etwas Luft nach oben gibt, hat sich Andreas Wittmann, Gebäudetechnikspezialist am Standort, schon gedacht. Die Klimatisierung der Reinräume bietet so seine Möglichkeiten. Mit einem im Projekt entwickelten Optialgorithmus gelang ein großer Schritt: Um 13 Prozent, so Wittmann, konnte durch den effizienteren Betrieb der Kältemaschinen der  Energieverbrauch sinken. „Das Projekt bot uns dank eines frischen Blicks von außen die Gelegenheit, unser Facility Management energietechnisch so nachhaltig wie möglich zu gestalten“, sagt Wittmann. Positiver Nebeneffekt: Es half den Villachern auch bei der Verfeinerung ihres Big-Data-Ansatzes: „Das im Projekt Gelernte wollen wir nun in unseren Forecast-Modellen und Simulationen zur Anwendung bringen“, sagt Infineon-Östereich-Energiemanager Josef Obiltschnig.

White Paper zum Thema

Haas Waffelmaschinen: Abschaltoptimierung von Maschinen

Simulationssoftware, die das Verhalten einer Maschine und ihre idealen Betriebszustände beschreibt: Das machte den Projektpartner Franz Haas Waffelmaschinen hellhörig. Denn natürlich: Jeder Euro an Energiekosten, der eingespart werden kann, ist hochwillkommen. Im Projekt zeigte sich dann folgendes Faktum, mit dem sich arbeiten lässt: Ein optimales Abschalten der Anlage bringt nicht nur signifikante Energieeinsparungen über Nacht. "Die Anlagen können morgens dann im noch warmen Zustand ohne große Anlaufverluste gestartet werden", heißt es bei Haas. Statt wie früher nach Schichtende zwecks Kühlung alle Türen aufzureißen, macht man jetzt das Gegenteil: Man hält die Maschine über Nacht möglichst dicht. Diese Maßnahmen reduzieren nicht nur den Verbrauch. Der Zeitgewinn wird auch mit einer höheren Tagesproduktion belohnt. "Das hat uns überrascht", sagt F&E-Mitarbeiter Thomas Palatin bei Haas.

GW St. Pölten: Wissen über untypische Stillstände

Produktive Zeiten unproduktiven simulatorisch gegenüberzustellen - so lautete das Projektziel beim Fertigungsdienstleister GW St. Pölten. Auf Basis der durch die Software aufgezeichneten Daten konnten Maschinenauslastungen ermittelt, untypisch lange Stillstandszeiten registriert und Ursachen analysiert werden. "Durch da Projekt konnten wir viele neue Erkenntnisse gewinnen", sagt der Energiebeauftragte des Unternehmens, Erik Krall. Erste positive Auswirkungen für das Unternehmen: Eine bessere Maschinennutzung und weniger Energieverbrauch. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Krall.

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