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Industrieverband BDI zum Coronavirus: Risiko für Rezession steigt

Die Folgen der Epidemie belasten die deutsche Industrie enorm - der Branchenverband fordert jetzt die Regierung zum Handeln auf. Das Land dürfe nicht "sehenden Auges in eine Rezession abgleiten." Die Chancen für eine Erholung der Weltwirtschaft hätten sich "dramatisch reduziert".

Die deutsche Industrie sieht die Gefahr einer Rezession des österreichischen Haupthandelspartners angesichts massiver Folgen für die Wirtschaft durch den neuartigen Coronavirus erheblich gestiegen. "Das wirtschaftliche Wachstum droht fast zum Erliegen zu kommen", heißt es im neuen Quartalsbericht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dieser liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Komme es nicht zu einer wirtschaftlichen Normalisierung in den von der Corona-Epidemie betroffenen Ländern im zweiten Quartal, erwartet der BDI für Deutschland für das Gesamtjahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Es wäre die erste Rezession der lange Jahre von Wachstum verwöhnten deutschen Wirtschaft seit 2009. Damals waren alle wichtigen Volkswirtschaften in der Folge der globalen Finanzkrise massiv eingebrochen.

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Der BDI hatte bisher ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland von 0,5 Prozent erwartet. Dies liegt aber auch daran, dass das Jahr mehr Arbeitstage hat. 2019 war die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen, das war deutlich weniger als in den beiden Vorjahren.

Industrieverband: Berlin soll etwas tun

Der Industrieverband forderte die deutsche Regierung zum Handeln auf. Es müssten rasch wirtschaftspolitische Maßnahmen in der Koalition verabredet und möglichst noch vor Ostern beschlossen werden. Es biete sich an, ohne weitere Verzögerungen die Regelungen für eine erleichterte Kurzarbeit wie in den Jahren der Finanzkrise 2008/2009 in Kraft zu setzen. "Deutschland darf nicht sehenden Auges in eine Rezession abgleiten."

Die Regierung sollte sowohl gezielte Stützungsmaßnahmen als auch langfristige Wachstumsmaßnahmen prüfen. Es gebe ohnehin einen massiven Investitionsstau in Deutschland, so der BDI. Erforderlich seien Investitionen in die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, in Bildung, Forschung und Klimaschutz. "Notwendig ist ein auf mindestens zehn Jahre angelegtes, verlässliches Investitionspaket, mit ersten Maßnahmen noch in diesem Jahr."

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Der BDI spricht sich auch dafür aus, die Politik der "schwarzen Null" zu lockern - einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung. "Es wäre fatal, die Zukunftsinvestitionen an einer schwarzen Null scheitern zu lassen. Sie darf kein Dogma sein", heißt es. Dagegen stehe die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse nicht zur Disposition. Um private Investitionen anzukurbeln, bekräftigt der BDI Forderungen nach einer Reform der Unternehmenssteuern.

Chancen für eine Erholung der Weltwirtschaft "dramatisch reduziert"

Vergangene Woche hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern. Der Plan sieht vor, notfalls bestehende Instrumente wie Kreditprogramme für angeschlagene Firmen auszuweiten und finanziell aufzustocken. In einer letzten Stufe wären demnach "weitergehende strukturelle und konjunkturelle Maßnahmen" denkbar. Dies könnten milliardenschwere Konjunkturprogramme sein.

Aus Sicht des BDI hat das Coronavirus die Chancen für eine bis vor kurzem noch erhoffte Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr dramatisch reduziert. Vor allem die exportstarke deutsche Industrie befand sich schon vor dem Ausbruch des Virus in einer schwierigen Lage. Die Industrieproduktion ist gesunken, Firmen halten sich mit Investitionen zurück.

Auswirkungen schon jetzt "gravierend"

Die wirtschaftlichen Folgen von zeitweiligen Produktions- und Transportunterbrechungen vor allem in China und in anderen Weltteilen seien bereits jetzt "gravierend", heißt es im BDI-Bericht. Das Virus dürfte schon jetzt gut einen halben Prozentpunkt an Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr kosten. Sollte sich die Epidemie auch in Europa und anderen Weltregionen stärker ausbreiten und erst mittelfristig unter Kontrolle gebracht werden, sei mit noch kräftigeren Rückgängen der Weltwirtschaft zu rechnen.

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Besonders Deutschland und Italien gefährdet

 

In Europa seien Italien aufgrund der Epidemie und Deutschland aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtung mit Asien und Italien "in besonderem Maße einem Rezessionsrisiko" ausgesetzt. Beide Länder gehören zu den fünf wichtigsten Handelspartnern Österreichs.

Die Folgen der weltwirtschaftlichen Schwäche für Deutschland seien absehbar, so der BDI. "Gesamtwirtschaftliche Produktion, Ausfuhr und Ausrüstungsinvestitionen werden erheblich leiden und das Wachstum stark beeinträchtigen. Wir erwarten einen Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen sowie deutlich gedrosselte Ausfuhren und nahezu stagnierende Einfuhren." (dpa/apa/red)

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