Spionage von Huawei: Einfache Kampagne oder ernste Gefahr?

Sieben von zehn Industriebetrieben geben an, in zuletzt Angriffe auf digitale Netze, Daten und Kenntnisse registriert zu haben, so der Fachverband Bitkom. Am stärksten betroffen sind demnach die Branchen Chemie, Pharma, Automotive und Zulieferer. Aus den USA richten sich schwere Anklagen gegen den chinesischen Telekomriesen Huawei.

Die Deutsche Telekom hält die Spionage-Vorwürfe aus den USA aktuell für weitgehend unbegründet. Trotz intensiven Austauschs mit den zuständigen Behörden lägen "keine belastbaren Hinweise auf sicherheitskritische Eigenschaften von Komponenten einzelner Zulieferer vor", sagt Deutsche-Telekom-Manager Thomas Tschersich.

Auch beim geplanten Ausbau setze die Telekom wie ehedem auf "eine gute Mischung an Herstellern", zudem würden alle Komponenten intensiv geprüft und im laufenden Betrieb analysiert. Leistungsstarke Zulieferer auszuschließen, könne man sich gerade in Deutschland nur schwer leisten, sagt Tschersich.

Vertrauen genießt Huawei in Deutschland aber selbst bei ausgewiesenen Sicherheitsspezialisten. Erst Mitte November eröffnete das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI gemeinsam mit dem Unternehmen ein "Security Lab" in Bonn. Das Labor soll auch eng mit deutschen Regierungs- und Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten. Ausdrücklich will das BSI auch beim Aufbau des 5G-Netzes mit dem chinesischen Hersteller zusammenarbeiten. BSI-Präsident Arne Schönbohm begrüßte die Zusammenarbeit ausdrücklich, "um die zukünftigen Herausforderungen der Cybersicherheit anzugehen".

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Chinesen: Vorwürfe der USA politisch motiviert

Vor diesem Hintergrund steht der Verdacht im Raum, dass die Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump nur als Teil des Handelskriegs mit China lanciert wurden. Aus Sicht von Huawei sind die amerikanischen Vorwürfe jedenfalls haltlos. Die von den USA auferlegten Handelsbeschränkungen sieht der Vorstandsvorsitzende von Huawei Technologies, Eric Xu, eindeutig als "politisch motiviert" an - und warnt vor negativen Folgen für Wettbewerb und Verbraucher. Ohne Huaweis Technologie-Know-how würden die USA wohl kaum "die Nummer eins der Welt in Sachen 5G werden können".

Dabei sei die 5G-Technologie schon vom Design her sicherer als ihr Vorgänger 4G, betont Xu. "Die Daten sind zum Beispiel so sicher verschlüsselt, dass Hacker einen Quantencomputer benötigen würden, um sich unerlaubt Zugriff zu verschaffen." Eine Einmischung der chinesischen Regierung schloss Xu aus.

Deutsche Opposition: Regierung blendet Gefahr komplett aus

Die Opposition im deutschen Bundestag überzeugen diese Argumente nicht: Die Regierung blende das "potenziell bestehende Gefährdungspotenzial" bisher "komplett" aus, sagt von Notz vergangene Woche dem "Tagesspiegel". Sie halte nicht einmal eine Prüfung für nötig und müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, "die Sicherheit unserer digitalen Infrastrukturen bewusst zu gefährden".

Kritiker wie von Notz verweisen auf das in China geltende Recht. Das im Sommer 2017 in Kraft getretene Geheimdienstgesetz sieht unter anderem eine Auskunftspflicht für Unternehmen und Bürger gegenüber den Geheimdiensten vor. Ähnliche Befugnisse hätten allerdings auch die Geheimdienste in den USA, wendet Sicherheitsexperte Fischer ein.

Ein letzter Tipp

Wie lässt sich das Spionage-Risiko also am besten minimieren? Jetzt auf Router "Made in Europe" zu setzen, hält Fischer nicht für einen gangbaren Weg. Das Abhören durch Nachrichtendienste werde sich kaum vollständig verhindern lassen. "Man kann letztlich nur zur konsequenten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation raten", sagt Fischer. (dpa/apa/red)

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