Gerätebedienung

Industrielles Schweißen 4.0

Schweißen erfordert hohe Präzision und in der Regel den Einsatz beider Hände zur Brennerführung. Somit ist die Einstellung verschiedener Parameter wie Schweißstrom oder Zusatzwerkstoff nicht bzw. nur schwer ohne Unterbrechung des Vorgangs möglich. In einem Projekt der FH OÖ Campus Hagenberg werden in Zusammenarbeit mit Fronius International GmbH und LIFEtool gemeinnützige GmbH neue Wege erforscht, wie mit dem Schweißgerät kommuniziert werden kann ohne dafür ausschließlich die Hände einzusetzen.

Schweißtechnologie FH Oberösterreich High-Tech-Produktion

Im kürzlich gestarteten Forschungsprojekt WIFI (Welding Interaction in Future Industry) arbeiten Experten unterschiedlicher Domänen wie beispielsweise Interaktionsdesign, Hard- und Softwareentwicklung oder assistierender Technologieninterdisziplinär zusammen um neue, innovative Interaktionsmethoden im Bereich des industriellen Schweißens zu konzipieren, prototypisch zu entwickeln und zu evaluieren.

Projektleiterin Dr. Mirjam Augstein, Forscherin und Lehrende am FH OÖ-Studiengang Kommunikation, Wissen, Medien, sagt: „Die besondere Herausforderung bei der Interaktion mit dem Schweißgerät ist der hochpräzise Vorgang der Brennerführung, der häufig beide Hände erfordert. Diese sind somit nicht für andere Tätigkeiten einsetzbar, die auch beim Schweißen erforderlich sind. Wir versuchen deswegen, neue multi-modale Wege der Kommunikation mit dem Schweißgerät zu erforschen."

Konkret bedeutet dies, dass mit verschiedenen innovativen Gerätebedienungsformen wie zum Beispiel der Steuerung durch die Sprache, den Mund oder durch Gesten experimentiert wird.

White Paper zum Thema

Chancen auch für Menschen mit Beeinträchtigung

Die besonderen Interaktionsvoraussetzungen mit denen sich das Projekt WIFI auseinandersetzt, sind nicht nur im Bereich des industriellen Schweißens vorzufinden. Auch Menschen mit bestimmten Beeinträchtigungen, vor allem jene mit einer Lähmung vom Hals abwärts bzw. mit einer Lähmung der Arme und Beine, sind mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Somit kann die Forschung im Rahmen des Projekts WIFI nicht nur dazu beitragen, den Prozess des industriellen Schweißens effizienter zu gestalten. Die Ergebnisse sollen auch Menschen mit Beeinträchtigung im Umgang mit Computer-basierten Geräten helfen.

„Es ist hier ein besonders wertvoller Domänentransfer möglich. Unsere Forschungsarbeit hilft nicht nur, einen industriellen Prozess zu verbessern, sondern auch Menschen mit Beeinträchtigung dabei, besser mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Vielleicht ergibt sich für sie dadurch später auch eine Öffnung neuer Berufsfelder", sagt Mirjam Augstein. Es werden somit gezielt Interaktionslösungen entwickelt, die für beide Domänen Potential bieten. Beide Zielgruppen, industrielle Schweißer sowie Menschen mit Beeinträchtigung, werden bereits in der Konzeptionsphase intensiv eingebunden.

Das Projekt Welding Interaction in Future Industry wird von der FFG im Rahmen des BRIDGE1 Programms gefördert.

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