Industrieproduktion

Industrieanteil in Deutschland sinkt auf das Niveau des Krisenjahres 2009

Beim wichtigsten Handelspartner Österreichs ist der Anteil der verarbeitenden Industrie an der Bruttowertschöpfung zuletzt von knapp 23 auf 21,5 Prozent gesunken. Grund dafür sind vor allem Rückgänge bei Exporteuren, die Handelskonflikte sowie den Brexit zu spüren bekommen.

Die Bedeutung der Industrie für die deutsche Wirtschaft ist so gering wie seit der weltweiten Finanzkrise vor rund zehn Jahren nicht mehr. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung fiel von 22,6 Prozent 2018 auf 21,5 Prozent, wie aus Berechnungen des Statistischen Bundesamts hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters  vorlagen.

Einen niedrigeren Wert gab es zuletzt 2009 mit 19,7 Prozent, als die exportabhängige Wirtschaftsnation Deutschland wegen der globalen Finanzkrise in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit rutschte. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier strebt in seiner "Industriestrategie 2030" einen Anteil von 25 Prozent als "Leitwert" an. Die Bruttowertschöpfung gibt den Wert der erzeugten Waren und Dienstleistungen an, abzüglich der Vorleistungen.

Der Rückgang ist mit der Rezession der exportlastigen Industrie zu erklären, die 2019 unter Handelskonflikten, schwächerer Weltkonjunktur und dem Brexit-Chaos litt. Zudem trug insbesondere die schwache Produktion in der Automobilindustrie dazu bei: Diese schrumpfte dem Ifo-Institut zufolge im vergangenen Jahr um rund neun Prozent. Der Branche machten erst der Dieselskandal und dann neue Prüfverfahren zu schaffen, schließlich belastet auch der Wandel hin zu Elektrofahrzeugen.

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Zweifel an den Plänen der Regierung Merkel

Regierungsberater zweifeln, ob Altmaier mit seiner 25-Prozent-Leitmarke auf dem richtigen Weg ist. "Es erscheint mir überhaupt nicht sinnvoll, einen bestimmten Wertschöpfungsanteil für einen Teilbereich der Wirtschaft als Zielgröße der Wirtschaftspolitik zu wählen", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, zu Reuters. "Anzustreben ist doch vielmehr, dass die Volkswirtschaft insgesamt eine nachhaltig hohe Leistungs- und Innovationsfähigkeit aufweist."

In Deutschland sei die Industrie zwar vergleichsweise bedeutsam. "Aber dieser Anteil würde auch dadurch steigen, dass der Rest der Volkswirtschaft in der Leistungsfähigkeit nachließe", sagte Schmidt. "Die Steigerung alleine kann daher aus meiner Sicht keine sinnvolle wirtschaftspolitische Zielgröße sein." Besser wäre es, nachhaltig hohe Steigerungen der Arbeitsproduktivität innerhalb und außerhalb der Industrie bei gleichzeitig hohem Beschäftigungsstand anzustreben. (reuters/apa/red)

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