Volkswirtschaft

Industrieanteil in Deutschland sinkt

Zum ersten Mal seit Jahren ist bei Österreichs wichtigstem Handelspartner der Industrieanteil an der gesamten Wertschöpfung gesunken, und zwar auf einen weiterhin vergleichsweise sehr hohen Anteil von 23 Prozent. Dies sei jedoch kein Grund für Alarmismus, heißt es bei der DIHK.

Erstmals seit Jahren ist der Industrieanteil an der Wertschöpfung in Deutschland gesunken und entfernte sich damit von dem von Wirtschaftsminister Peter Altmaier ausgegebenen Zielwert. 2018 fiel er auf 23,2 Prozent, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. In den beiden Jahren davor war er konstant bei 23,4 Prozent gelegen.

Einen Rückgang gab es zuletzt 2013. Altmaier strebt mit seiner "Nationalen Industriestrategie 2030" eine Erhöhung des Industrieanteils an der Bruttowertschöpfung auf 25 Prozent an. Diese gibt der Wert der erzeugten Waren und Dienstleistungen an, abzüglich der Vorleistungen.

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"Alarmismus ist sicherlich fehl am Platze", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, zum sinkenden Industrieanteil. "Aber man muss das im Blick behalten." Hauptgründe für die negative Entwicklung seien zum einen die schwächere weltweite Nachfrage nach deutschen Waren, zum anderen aber auch die Probleme der Autoindustrie mit der Umstellung auf den neuen Abgasmesszyklus. Zudem bremste wochenlang das Niedrigwasser auf wichtigen Flüssen wie dem Rhein, wodurch Lieferketten unterbrochen wurden. Das alles führte in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu einer Industrierezession.

Um den Industrieanteil zu erhöhen, müsse die Politik die Rahmenbedingungen verbessern. "Industriestrom ist EU-weit für mittelständische Unternehmen nirgendwo teurer als in Deutschland", sagte Treier. "Das ist ein klarer Standortnachteil." Auch müsse Forschung steuerlich besser gefördert werden. Investitionen in die digitale Infrastruktur und in die Bildung seien ebenso notwendig, um die Industrie zu stärken. "Wenn der Staat etwas tun will, dann hier."

Ähnlich schätzt das der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ein. "Es ist höchste Zeit für ein industriepolitisches Gesamtkonzept der Bundesregierung", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Angesichts der massiven Herausforderungen im internationalen Wettbewerb darf die Koalition keine weitere Zeit verlieren, um die deutsche Industrie mit mehr als acht Millionen Arbeitsplätzen im In- und Ausland wetterfest zu machen." (reuters/apa/red)

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