Studie

Industrie-Standort Wien unter Druck

Eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer Wien ergibt ein bekanntes Bild: Der Industrie-Standort leidet vor allem unter Bürokratie, Betriebs- und Lohnkosten. Nur noch 17 Prozent der Wiener Wirtschaft gehören in den Bereich Produktion.

Walter Ruck Stefan Ehrlich-Adám

„Es ist eine Fiktion zu glauben, eine Millionenstadt wie Wien könnte wie ein reiner Dienstleistungsbetrieb geführt werden.“

Den meisten Ärger verursachen bürokratische Hürden. 72 Prozent der von Karmasin befragten Wiener Industriellen beklagen den überbordenden bürokratischen Aufwand. Knapp dahinter: die hohen Betriebsosten und Abgaben sowie die Lohnkosten.

„Rund ein Viertel der Betriebe musste die Produktion in den vergangenen Monaten zurückfahren“, berichtet WKW-Präsident Walter Ruck. „Es ist aber eine Fiktion zu glauben, eine Millionenstadt wie Wien könnte wie ein reiner Dienstleistungsbetrieb geführt werden.“

Laut Wirtschaftskammer Wien bieten die Produktionsbetriebe der Bundeshauptstadt rund 140.000 Arbeitsplätze, sichern indirekt weitere 400.000 Stellen und generieren eine direkte Wertschöpfung von 11,7 Milliarden Euro. Und die Firmen sehen durchaus auch Standortvorteile: Vor allem die Flughafen-Nähe, die hohe Lebensqualität sowie die Nähe zu den EU-Mitgliedsstaaten in Mittelosteuropa sprechen laut der Umfrage für Wien.

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„Betriebsgebiets-Fraß“

Doch der Druck scheint zu steigen, und die Wirtschaftskammer exemplifiziert dies an der Frage der Betriebsflächen. „Es gibt in Wien so etwas wie einen schleichenden Betriebsgebiets-Fraß“, sagt Walter Ruck, „immer mehr Betriebsgebiete werden zu Mischgebieten umgewidmet, um schließlich komplett zu Wohngebieten zu werden.“ Dass Wien auf den aktuellen und prognostizierten Bevölkerungs-Zuwachs reagieren müsse, sei klar, konzediert Ruck, doch dürfe die Industrie deshalb nicht unter die Räder kommen. Konkrete Forderungen der WK Wien sind daher ein kompletter Umwidmungs-Stopp in Betriebsgebieten, die Flächensicherung von Betriebsgebieten für „nicht mischfähige Betriebe“, eine Beschränkung der Einzelhandelsflächen in Betriebsgebieten oder auch die Verbesserung der Anbindung an den Öffentlichen Verkehr.

One-Stop-Shops

Industrie-Spartenobmann Stefan Ehrlich-Adám will aber auch die Fortschritte würdigen. So werden etwa ab Herbst 2014 alle Agenden rund um die Betriebsansiedelung in vier Magistratischen Bezirksämtern gebündelt – „One-Stop-Shops“ also, die den bürokratischen Aufwand zumindest in diesem Fall stark vermindern sollten.

Was aber nur der Beginn sein könne: In den vergangenen Jahren verlagerten 16 Prozent der Wiener Industrieunternehmen Betriebsteile an einen anderen Standort – viele davon nach Niederösterreich. 18 Prozent der Betriebe geben derzeit an, darüber nachzudenken. „Alarmierende Fakten, so Ehrlich-Adám, die nach neuen standortpolitischen Rahmenbedingungen riefen. Manche Problemfelder, etwa die hohen Lohnkosten, adressieren natürlich den Bund, „aber hohen Lohnkosten kann man durchaus etwa über Flexibilisierung der Arbeitszeit gegensteuern“. (bf)