Industriekonjunktur

Industrie: Produktion über Vorkrisenniveau - Beschäftigung darunter

Die Industrie hat in fast allen Bundesländern wieder das Vorkrisenniveau erreicht, doch der Personalstand leidet weiterhin unter den aktuellen Bedingungen.

Walter Pudschedl Bank Austria Industrie Industriekonjunktur

UniCredit BankAustria Ökonom Walter Pudschedl

Die gesamte Produktionsleistung liegt schon um 3,2 Prozent höher, der Personalstand 1 Prozent tiefer. Die Erholung bringt heuer einen Anstieg der Industrieproduktion um 8,5 Prozent, wie die UniCredit Bank Austria errechnete. Der Aufholprozess ist demnach in Kärnten, Wien, Tirol und Vorarlberg überdurchschnittlich. Die Industrie im Burgenland liegt noch unter dem Vorkrisenniveau.

Die Industrieproduktion war aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie im Frühjahr 2020 in allen Bundesländern stark eingebrochen. Die Produktionsleistung lag am Tiefpunkt im April 2020 im Österreich-Durchschnitt um 25 Prozent unter jener aus 2019. Mit einem Rückgang von mehr als 30 Prozent waren das Burgenland, Oberösterreich, Salzburg und die Steiermark besonders stark betroffen.

Erholung in allen Bundesländern

"Die Erholung der Industrie seit dem Sommer 2020 setzte sich trotz erneuter Verschärfung der Infektionslage und wirtschaftlicher Beschränkungen in Österreich auch über den Winter fort und erfasste alle Bundesländer", so UniCredit BankAustria Ökonom Walter Pudschedl. "Das Erholungstempo ist in den einzelnen Bundesländern jedoch sehr unterschiedlich. Während in Kärnten Mitte 2021 die Produktionsleistung in der Sachgüterindustrie bereits um 17 Prozent über dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie liegt, hat die burgenländische Industrie als einzige das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht." Neben dem südlichsten Bundesland hat auch die Industrie in Wien, Tirol und Vorarlberg den Österreichschnitt von 3,2 Prozent über dem Vorkrisenniveau übertroffen.

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Wermutstropfen Personal

Die Beschäftigung in der Industrie übersteigt nur in zwei Bundesländern das Vorkrisenniveau. Nach durchschnittlich 629.000 Beschäftigten in ganz Österreich im Jahr 2019 in der Herstellung von Waren, sank die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten um bis zu 13.000 im Frühjahr 2020. "Seit dem Tiefstand nach Ausbruch der Pandemie ist in der heimischen Industrie der saisonbereinigte Personalstand um rund 7.000 Beschäftigte angestiegen. Damit liegt die Beschäftigung jedoch noch um rund ein 1 Prozent unter dem Vorkrisenstand", so Pudschedl. Nur in Kärnten und in der Steiermark übertrifft die Beschäftigung bereits den Jahresdurchschnitt 2019. "In Wien und in Salzburg ist der Rückstand mit mehr als 2 Prozent dagegen am höchsten", so der Ökonom.

"Die Steigerung der Produktivität in der österreichischen Industrie hat sich seit der Pandemie tendenziell beschleunigt", sagt Pudschedl. Die stärkste Verbesserung zeige sich wiederum in Kärnten - mit einem aktuellen Produktionsvolumen von gut 17 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019 bei einem nur leichten Anstieg der Beschäftigung von ein 1 Prozent im gleichen Zeitraum. "Dem gegenüber steht die Performance im Burgenland mit der einzigen Verschlechterung der Produktivität aller Bundesländer", so Pudschedl. Die Produktionsleistung liegt im östlichsten Bundesland noch um 5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, während die Beschäftigung um 3,5 Prozent darunter liegt.

Die unterschiedliche Entwicklung der Industrie in den einzelnen Bundesländern ist vor allem auf eine stark unterschiedliche Branchenentwicklung und eine unterschiedliche Branchenausrichtung zurückzuführen. Die wirtschaftliche Erholung hat bisher nicht alle Industriezweige in gleichem Ausmaß erfasst.

Die beste Entwicklung auf gesamtösterreichischer Ebene verzeichnete bisher die Herstellung von Metallerzeugnissen, deren Produktionsleistung bereits über 20 Prozent über dem Vorkrisenniveau liegt. Auch die Herstellung von Holzwaren (15,4 Prozent über dem Jahresdurchschnitt 2019), der sonstige Fahrzeugbau (13,5 Prozent), die Elektronikindustrie (12,7 Prozent), die chemische Industrie (12,3 Prozent) und die Elektroindustrie (11,1 Prozent) haben eine außergewöhnlich gute Entwicklung genommen. Dem gegenüber stehen einige Branchen, die das in der Pandemie verlorene Terrain noch nicht aufholen konnten. Dazu zählen vor allem konsumnahe Branchen, wie die Herstellung von Bekleidung und Schuhen, die Drucker, die Mineralölverarbeitung, die Getränkeindustrie und die Kfz-Industrie.

Im Euroraum, vor allem in Deutschland, lag die Produktionsleistung im Sommer 2021 noch unter dem Niveau von 2019. Selbst der österreichische Nachzügler Burgenland verbuchte zur Jahresmitte 2021 mit knapp 5 Prozent einen geringeren Rückstand zum Vorkrisenniveau als die deutsche Industrie mit 7 Prozent, so die Bank Austria. (apa)