Industrieproduktion

Industrie freut sich über billige Energie

Allen Klageliedern von Lobbyisten zum Trotz geht der Preis für Energieträger immer weiter zurück. Große Industriestandorte in Europa können davon massiv profitieren. Besonders schlecht ist der Preisverfall für den Klimawandel - besonders gut für die rohstoffverarbeitende Industrie.

Kohle Erdgas Erdöl Industrieproduktion Standort Strompreis

Der Preisverfall bei den Rohstoffen hat Europas Industriestandorte im vergangenen Jahr stark begünstigt. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Situationsbericht der deutschen Bundesanstalt für Rohstoffe (BGR) in Hannover hervor. Während mengenmäßig die Importe mineralischer Rohstoffe und Energierohstoffe gegenüber dem Vorjahr um gut 4 Prozent von 336,1 auf 322,3 Millionen Tonnen zurückgingen, sanken sie wertmäßig um knapp 15 Prozent von 144,4 auf 123,1 Mrd. Euro. Energierohstoffe machen 67 Prozent dieser Importe aus.

Ausgaben für Rohstoffimporte gehen zurück

 

In anderen Worten: Die Ausgaben für Rohstoffe gehen deutlich zurück. "Damit profitiert die Rohstoff verarbeitende Industrie stark von den derzeit niedrigen Rohstoffpreisen", so die Autoren.

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Allerdings hängen gerade Europas Industrienationen weiter stark von Importen bei der Rohstoffsicherung ab, schreiben die Autoren mit Hinblick auf den Standort Deutschland. Denn der Wert der deutschen Rohstoffproduktion sank gegenüber dem Vorjahr um knapp neun Prozent auf 13,5 Mrd. Euro. Mengenmäßig lag die Produktion der heimischen Energierohstoffe 2014 bei 188,2 Millionen Tonnen Braunkohle, Steinkohle und Erdöl sowie insgesamt 10,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

In ihrer vergangenen Rohstoffbilanz hatte die BGR bereits betont, dass Deutschland im Jahr 2013 erstmals seit mehr als zehn Jahren weniger für seine Rohstoffimporte zahlte als im Vorjahr. Die Finanzkrise 2009 blieb in dieser Betrachtung als Ausnahme außen vor.

Anteile an recyceltem Material steigen

Eine zunehmende Rolle in der deutschen Rohstoffsituation spielt auch das Recycling, heißt es in der Studie. "In der deutschen Raffinade- und Rohstahlproduktion stammten mehr als 53 Prozent des Aluminiums, etwa 42 Prozent des Kupfers sowie rund 45 Prozent des Rohstahls aus sekundären Rohstoffen", schreiben die Experten der Bundesanstalt. Dabei spielen auch Importe von Schrott und anderen Abfällen aus der Europäischen Union eine wichtige Rolle.

Im Vorjahr förderte Deutschland insgesamt rund 565 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe. Dabei handelt es sich vor allem um Sand, Kies, Kali- und Steinsalz sowie weitere Industrieminerale. (dpa/apa/red)