Ansichtssache

Industrie am Pranger

Spektakuläre Falle von Unternehmen, die ins Fadenkreuz der Moralwächter gerieten.

Eine Fotostrecke zur Coverstory der September-Ausgabe "Die CSR-Lüge. Warum gute Unternehmen nicht besser sind" zeigt einige Fehltritte heimischer Unternehmen. Dazu hat Chefredakteur Rudolf Loidl auch einen Kommentar geschrieben und analysiert, dass sich Unternehmen an Gesetze halten und Gewinn machen müssen, und darüber hinaus die CSR-Industrie will, dass diese auch noch die Welt retten. Kann das funktionieren? 

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© INDUSTRIEMAGAZIN Verlag GmbH

Die Todes-Kräne

 

Betroffenes UnternehmenPalfinger AG 

 

Produkt: Kräne im Iran


Gegner: Verein "Stop the Bomb"


Vorwurf: Mit Palfinger-Kränen werden Hinrichtungen im Iran durchgeführt.

 

Was geschah: In den Sog geopolitischer Auseinandersetzungen ist der Kranbauer Palfinger AG im August gekommen. Nach einer Aussage der Palfinger-Geschäftsführung, wonach man sich nach Aufhebung der internationalen Sanktionen mit dem Iran Geschäftschancen erwarte, veröffentlichte eine Aktivistengruppe Bilder einer Hinrichtung, die 2011 mit einem Kran des Unternehmens im Iran durchgeführt wurde. Titel der über soziale Medien und Presseagenturen verbreiteten Aussendung: "Palfinger schielt auf iranischen Hinrichtungsmarkt". Das Betätigungsfeld der NGO mit dem Namen "Stop the Bomb" erschöpft sich darin, ein sich anbahnendes Atom-Abkommen zwischen der Weltgemeinschaft und dem Iran zu torpedieren und die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen zu verhindern. Palfinger betont, dass gegenständlicher Kran vor rund 25 Jahren im Iran produziert wurde und kritisiert die politisch motivierte "Stimmungsmache". Mehr dazu auch im Kommentar zum Thema Corporate Social Responsibility

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Die Todes-Kräne

 

Betroffenes UnternehmenPalfinger AG 

 

Produkt: Kräne im Iran


Gegner: Verein "Stop the Bomb"


Vorwurf: Mit Palfinger-Kränen werden Hinrichtungen im Iran durchgeführt.

 

Was geschah: In den Sog geopolitischer Auseinandersetzungen ist der Kranbauer Palfinger AG im August gekommen. Nach einer Aussage der Palfinger-Geschäftsführung, wonach man sich nach Aufhebung der internationalen Sanktionen mit dem Iran Geschäftschancen erwarte, veröffentlichte eine Aktivistengruppe Bilder einer Hinrichtung, die 2011 mit einem Kran des Unternehmens im Iran durchgeführt wurde. Titel der über soziale Medien und Presseagenturen verbreiteten Aussendung: "Palfinger schielt auf iranischen Hinrichtungsmarkt". Das Betätigungsfeld der NGO mit dem Namen "Stop the Bomb" erschöpft sich darin, ein sich anbahnendes Atom-Abkommen zwischen der Weltgemeinschaft und dem Iran zu torpedieren und die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen zu verhindern. Palfinger betont, dass gegenständlicher Kran vor rund 25 Jahren im Iran produziert wurde und kritisiert die politisch motivierte "Stimmungsmache". Mehr dazu auch im Kommentar zum Thema Corporate Social Responsibility

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Die bedrohte Adria

 

Betroffenes UnternehmenOMV 

 

Produkt: Erdöl aus der Adria


Gegner: Global 2000


Vorwurf: Die OMV hat sich eine Lizenz für Erdölbohrungen in der Adria gesichert, ohne die rechtlich vorgeschriebene strategische Umweltprüfung abzuwarten

 

Was geschah: Die OMV sicherte sich gemeinsam mit ihrem Partner Marathon Oil sieben der insgesamt zehn Bohr-Lizenzen. Eine gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung wartete man nicht ab. Das sei üblich, versichert man bei der OMV. Man hätte sich an die Ergebnisse einer etwaigen Umweltprüfung ohnehin halten müssen. Im Juli stieg das Unternehmen aus dem Adria- Projekt allerdings aus, konkret soll es um die nach wie vor ungeklärte Grenzziehung zwischen Kroatien und Montenegro im zukünftigen Fördergebiet gegangen sein. Unternehmensintern räumt man ein, dass die Entscheidung, auf das Adria-Unterfangen zu verzichten, dem Image des Unternehmens "nicht geschadet" hätte.

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Der Belo-Monte-Staudamm

 

Betroffenes UnternehmenAndritz AG 

 

Produkt: Turbinen für den Belo Monte Staudamm


Gegner: Netzwerk Soziale Verantwortung


Vorwurf: Der Bau des Belo-Monte-Staudamms richtet gewaltige ökologische Schäden an, 20.000 Menschen, vornehmlich indigener Herkunft, müssten umgesiedelt werden.

 

Was geschah: Kritik an dem Projekt wurde bereits seit den späten 80er-Jahren laut, als die Steirer längst noch nicht involviert waren. Als Mitglied in einem Konsortium, das nur einen kleinen Teil der Turbinen und Generatoren für das Wasserkraftwerk liefert, sieht man sich unfairer Behandlung ausgesetzt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung deutlich verkleinert, ein Großteil der Reservate der indigenen Völker bewahrt und die von der Umsiedelung betroffenen Bewohner mit modernen Häusern entschädigt. Der derzeitige Baustopp zeige zudem, dass das Rechtssystem in Brasilien funktioniere, so Andritz. Eine Kampagne wie diese sei damit nicht gerechtfertigt.
 

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Die Giftschlacke

 

Betroffenes Unternehmen: Voestalpine

 

Produkt: LD-Schlacke


Gegner: Umweltdachverband


Vorwurf: LD-Schlacke, die im Straßenbau Verwendung findet, setzt Schwermetalle in die Umwelt frei.

 

Was geschah: LD-Schlacke, die bei der Stahlproduktion anfällt, wird seit den 70er-Jahren in Oberösterreich zur Gesteinskörnung im Straßenbau verwendet. Das Verfahren war in einer Reihe von Normen geregelt. Im Zuge der Verdopplung der Produktionskapazitäten in Linz "expandierte" der Stahlkonzern Anfang der 2010er-Jahre in benachbarte Bundesländer – und zog sich dabei die Aufmerksamkeit der im Mitbewerb stehenden Schotterbetriebe zu. Auf deren Behauptung, bei der Verwendung der Schlacke würden Schwermetalle in die Umwelt gelangen, sprang der Umweltdachverband auf. Obwohl selbst die renommierte Umweltorganisation Greenpeace (kein Dachverbandsmitglied) sich inhaltlich nach Recherchen hinter die Agrumentation der Voestalpine stellte, kam der Einsatz der Schlacke im Straßenbau  jahrelang völlig zum erliegen – bis deren Erlaubnis Anfang 2015 neu geregelt wurde. Die Voestalpine bezeichnete die Vorgänge als "beispiellose und mutmaßlich interessenpolitisch motivierte Kampagne fernab jeglicher Sachlichkeit und Seriosität."

 

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Greenpeace (wie auch Global 2000) Mitglieder des Dachverbandes sind - und diese die Vorwürfe mitgetragen hätten. Dies ist nicht korrekt und wurde geändert.