Baustiffindustrie

Im Streit um die Übernahme von Sika zeichnet sich ein Urteil ab

Im milliardenschweren Übernahmestreit um den Schweizer Bauchemiekonzern Sika hat ein Schweizer Gericht ein vorentscheidendes Urteil gefällt - das am heutigen Freitagabend veröffentlicht werden soll.

Sika Saint-Gobain Baustoffindustrie Schweiz Übernahmen

Im milliardenschweren Übernahmestreit um den Schweizer Bauchemiekonzern Sika hat ein Schweizer Gericht ein vorentscheidendes Urteil gefällt. Ob die Richter die Maßnahmen Sikas zur Abwehr des französischen Baustoffriesen Saint-Gobain guthießen oder nicht, war zunächst nicht bekannt.

Das Kantonsgericht Zug stellte aber für Freitagabend um 20.00 Uhr die Veröffentlichung des Entscheids in Aussicht, wie Sika mitteilte. An der Börse gaben die Sika-Aktien nach der Ankündigung etwas nach.

Die Sika-Gründerfamilie Burkard hatte im Dezember 2014 entschieden, ihren Anteil an die Franzosen zu verkaufen. Dank zweier Aktienkategorien hält die Familie mit nur 16 Prozent des Kapitals 53 Prozent der Stimmrechte an dem Bauchemie-Unternehmen. Saint-Gobain bietet den Burkards 2,75 Mrd. Franken (2,5 Mrd. Euro) für ihren Anteil an der über 100-jährigen Firma. Die Prämie zum damaligen Aktienkurs beläuft sich auf 80 Prozent, die übrigen Aktionäre sollen leer ausgehen. Die meisten Publikumsaktionäre, darunter auch ein Anlagevehikel von Microsoft-Gründer Bill Gates, protestierten gegen dieses Vorgehen.

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Um einen Machtwechsel zu vereiteln, zog der Sika-Verwaltungsrat ein in der Schweiz verbreitetes Abwehrinstrument aus dem Hut. Auf der Aktionärsversammlung beschnitt Sika die Stimmrechte der Burkards auf fünf Prozent. Damit gelang es der Familie nicht, die Mehrheit im Verwaltungsrat zu erlangen. Genau dies ist aber eine Voraussetzung, damit die Transaktion über die Bühne gehen kann.

Gegen die Stimmrechtsbeschränkung klagte die Familie. Die drei Richter am Kantonsgericht Zug mussten nun die Frage klären, ob dies zulässig war. Die Familie hat klar gemacht, dass sie bei einer Niederlage in Berufung gehen und den Fall an das Zuger Obergericht und später sogar ans Schweizer Bundesgericht bringen würde. Bis zu einem letztgültigen Entscheid könnten nach Einschätzung von Anwälten nochmals rund zwei Jahre verstreichen.

Weniger eindeutig ist, ob die Firma gleich viel Ausdauer aufbringen wird. Denn für den Verwaltungsrat würden die Haftungsrisiken nach einer Niederlage vor Gericht deutlich zunehmen. Die Sika-Spitze hat für Freitagabend ebenfalls um 20.00 Uhr eine Pressekonferenz in Aussicht gestellt. (Reuters/apa/red)