Förderungen

Im Förderolymp

Jedes Jahr fließen Millionenbeträge an Fördergeldern aus der EU-Hauptstadt nach Österreich. Fast jeder fünfte Förderantrag erhält einen positiven Bescheid. Ein neuer Investitionsfonds soll die EU-weiten Investitionen jetzt zusätzlich ankurbeln.

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1,5 Milliarden Euro Fördermittel werden aus dem EU-Programm Horizon 2020 nach Österreich fließen.

Die folgende Geschichte könnte gut und gerne einem kitschigen Groschenroman entsprungen sein – sie hat aber tatsächlich so stattgefunden: Ein Installateur aus dem italienischen Trentino entschied sich, als Missionar nach Afrika zu gehen. Dort stieß er auf primitive Sonnenöfen, die die Strahlen der Sonne bündeln und etwa zum Kochen verwendet werden. Er entwickelt die Idee weiter und ergänzte sie um sein Wissen aus dem Bereich Photovoltaik. Dabei kam ein Gerät heraus, das beide Konzepte hocheffizient vereint, also gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Er überließ seine Erfindung dem Unternehmen Greenetica. Dafür wollte er kein Geld nehmen, sondern nur die Zusage, bei Marktreife ein Gerät für seine Missionsstation zu bekommen. 

Dieser letzte Schritt zum Happy-End fehlt noch. Die Chance, dass Greenetica mit dem "EOS1" genannten Mini-Kraftwerk bald den Markteintritt schafft, stehen aber sehr gut, denn seit Kurzem wird das Projekt durch die Europäische Union gefördert. Konkret finanziert Brüssel aktuell eine Feasibility-Study zum Einsatz des EOS1. "Da geht es um Projekte in Spanien und in Holland", erklärt Daniele Cozzi, Geschäftsführer von Greenetica. "Vielleicht kommt auch noch eine Käserei aus der Südsteiermark hinzu."

1,5 Milliarden fließen nach Österreich

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Das Unternehmen wurde ursprünglich in Italien gegründet und ist seit März 2013 im Impulszentrum Graz-West ansässig. Greenetica, Mitglied der Ecoworld Styria, startet gerade seine Roll-out-Phase und hat bereits ausreichend Aufträge für Installationen erhalten. Die Förderung aus Brüssel kommt zur richtigen Zeit und verschafft den notwendigen Schub in Richtung Markteintritt. Die Bedeutung des europäischen Geldregens ist groß, meint Cozzi: "Auf einer Skala von null bis zehn würde ich sagen neun. Und natürlich ist diese Förderung eine Bühne für uns. Da geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, unser Unternehmen zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen."

Das Geld für Greenetica kommt aus dem EU-Rahmenprogramm Horizon 2020. In diesem werden zwischen 2014 und 2020 knapp 80 Milliarden Euro für Forschungs- und Innovationsförderung aufgewendet. Österreich profitiert dabei überproportional. Trotz der Kleinheit des Landes werden rund 1,5 Milliarden Euro dieser Gelder in die Alpenrepublik fließen. Und aus dem letzten Rahmenprogramm weiß man, dass Österreich für jeden in den EU-Fördertopf eingezahlten Euro 1,25 Euro zurückbekommt.

Positiver Trend

Recht gut ist auch die Erfolgsrate, wenn man die positiven Förderbescheide den gestellten Anträgen gegenüberstellt. Hier liegt Österreich bei einem Wert von 16,4 Prozent – deutlich über dem länderübergreifenden Durchschnitt von 13,9 Prozent. Diese Zahl zeigt aber auch, dass nicht mit der Gießkanne ausgeteilt wird, sondern die eingereichten Projekte sehr genau überprüft und mit einem objektiven Schlüssel bewertet werden. Wer einen Förderzuschlag aus Brüssel erhält, kann mit Fug und Recht behaupten, an einem wirklich heißen Thema dran zu sein. 

"Das macht mich wirklich stolz", meint auch Cozzi: "Tausende Unternehmen haben sich beworben und wir wurden ausgewählt." Für das Verfahren selber, Auswahl des Programms, Erledigung der Einreichung etc., empfiehlt Cozzi, sich von einem Profi aus dem Bereich Förderberatung unterstützen zu lassen. Das spezielle Know-how im eigenen Unternehmen aufzubauen ist schwierig und die Übersicht über alle Förderprogramme zu behalten unmöglich.

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