Fotostrecke

Im Bild: Alpine und Doka erobern Norwegen

Die Bilder zum österreichischen Bau der nördlichsten Schrägseilbrücke der Welt und zu einem großen Straßenbauprojekt im Süden Norwegens. Dazu Eckdaten zu einem spannenden Markt - und einige Randnotizen zu einem sehr besonderen Landstrich Europas.

Von
Bild 1 von 53
© Peter Martens

Das erste, was Mitteleuropäern in Norwegen auffällt, ist das Wetter. Im Winter senkt sich im Norden eine durchgehende Nacht auf das Land – im Sommer geht dafür die Sonne gar nicht unter. Kühl bleibt es trotzdem. Im Bild: Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Norwegens und eine der wichtigsten für ganz Skandinavien, die E6. Ganz links oben im Bild: Die Großbaustelle Dovrebanen, eines von drei aktuellen Projekte von Alpine und Doka in dem Land.

Text und Fotos: Peter Martens / SOLID

Tipp: Benutzen Sie die linke bzw. rechte Pfeil-Taste Ihrer Tastatur um durch die Fotostrecke zu navigieren.
© Peter Martens

Das erste, was Mitteleuropäern in Norwegen auffällt, ist das Wetter. Im Winter senkt sich im Norden eine durchgehende Nacht auf das Land – im Sommer geht dafür die Sonne gar nicht unter. Kühl bleibt es trotzdem. Im Bild: Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Norwegens und eine der wichtigsten für ganz Skandinavien, die E6. Ganz links oben im Bild: Die Großbaustelle Dovrebanen, eines von drei aktuellen Projekte von Alpine und Doka in dem Land.

Text und Fotos: Peter Martens / SOLID

© Peter Martens
Das Land im äußersten Nordwesten Europas verfügt über eine 2.650 km lange und zerklüftete Küste. Mit Fjorden misst die Küstenlinie sogar 21.465 km. Dank des Golfstroms bleiben die Häfen im Winter eisfrei.
© Peter Martens
Für Baufirmen wird Norwegen bald vor allem deshalb so interessant, weil die Regierung ein milliardenschweres langfristiges Programm zum Ausbau der Infrastruktur gestartet hat – und weil sich hier, anders als in Polen, noch nicht Mitbewerber aus ganz Europa plus China tummeln. Im Bild: Die Hauptstadt Oslo.
© Peter Martens

Es gibt einige Gemeinsamkeiten zu Österreich. Zum Beispiel leben die fünf Millionen Norweger in einem Land voller Berge und Wasserkraftwerke. Doch es gibt auch Unterschiede. Beim Bauen zum Beispiel gilt nur "Norwegian Standard" - EU-Normen fehlen völlig.

© Peter Martens
Und wer sich nicht an diese Standards hält, fliegt raus – ganz einfach, und ohne langes Wehklagen.
© Peter Martens
Zu den großen Unterschieden zu Österreich zählt auch der Umgang mit den Mitarbeitern. Anders als hierzulande, wo alle paar Wochen ein Klagelied über Dumpinglöhne angestimmt wird, ist die Einhaltung von Sozialstandards in Norwegen sehr streng. Auf dem Bau sind Überstunden und freie Tage genauestens geregelt.
© Peter Martens

Der Mindestlohn für einen Facharbeiter beginnt ab 24 Euro pro Stunde. Wer norwegische Facharbeiter beschäftigen will, muss das Doppelte auf den Tisch legen.

Eine weitere Besonderheit: Ab einem gewissen Arbeitsumfang der Baustelle ist die Baufirma verpflichtet, ihren Arbeitern mehrmals am Tag warmes Essen direkt auf der Baustelle anzubieten.

© Peter Martens

Einige wenige österreichische Konzerne haben trotz der "Norwegian Standards" den Sprung auf den fremden Markt gewagt. Doka zum Beispiel ist seit vielen Jahren vor Ort und beliefert mit Spezialschalungen Baustellen zwischen Ostsee und Nordpolarmeer. Einer der jüngsten Aufträge an Doka kam von Landsleuten: Schalungen für die nördlichste Schrägseilbrücke der Welt zu stellen.

© Peter Martens

Der Ort des Geschehens: Die Baustelle der "Kåfjordbrua" in der Umgebung des Städtchens Alta, 400 Kilometer nördlich des Nordpolarkreises. Auch Alta liegt auf der Verbindung E6.

Die Zahlen auf dem hier zu sehenden Wegweiser sind Luftlinien - über Landstraße kommen noch hunderte Kilometer hinzu.

© Peter Martens

Bei diesem Projekt geht es um eine neue Brücke über einen Fjord.

Läuft alles nach Plan, sind ab Frühjahr 2013 die beiden Ufer des Kåfjords mit der "Kåfjordbrua" verbunden. Im Bild der A-Pylon kurz vor Fertigstellung.

© Peter Martens

"Wenn bei minus 27 Grad das Auto zum Flughafen nicht anspringt, vergeht jede Romantik": Baustellenleiter Marcello Gebhardt (links) neben seinem Kollegen Stefan Ebenbauer, beide von der Firma Alpine.

© Peter Martens
Der A-Pylon misst 72,5 m Höhe. Für die Versorgung sorgt ein 85-Meter-Kran. Im Bild der Personenlift auf der Nordseite.
© Peter Martens

Die Pylonfüße stehen auf einem Fundament mit einem vier Meter hohen, 30 Meter langen Fundament mit einem Umfang von 2400 Kubikmetern. Das Fundament ruht auf 48 Stahlrahmenpfählen.

© Peter Martens

Für das Gleichgewicht der asymmetrischen Konstruktion sorgt ein wuchtiger Ballastkasten, der mit besonders schwerem Olivin-Gestein befüllt und mit der Pylonspitze verbunden wird. Im Einsatz die Doka-Trägerschalung Top 50.

© Peter Martens

Die Stahlbauteile müssen millimetergenau platziert werden - später hängen an ihnen die Stahlkabel. Eine Abweichung von etwa einem Zentimeter oben ergibt unten einen Fehler von einem Meter.

© Peter Martens

Von der Selbstkletterschalung aus sind gute Aussichten auf den Kåfjord garantiert.

© Peter Martens

Eigentlich könnte der Kafjord ein schöner Badesee sein - wäre es kein Fjord.

© Peter Martens
Fast alle Bauarbeiter kommen aus Ungarn. Im Bild (v.l.n.r.): Istvan Volf, Alpine-Baustellenleiter Stefan Ebenbauer, Doka-Projektleiter Andreas Heimberger.
© Peter Martens

Welches Schalungsmaterial benötigt wird, muss exakt bestimmt werden - weil alles von sehr weit her angeliefert werden muss. Gute 1.400 Kilometer sind es über Landstraße bis Trondheim, der nächsten Niederlassung von Doka - angesichts der Lage der Baustelle sei das trotzdem "um die Ecke", sagen die Bauleute vor Ort.

© Peter Martens
Im Einsatz ist die Selbstkletterschalung SKE 50plus von Doka - hier der Personenlift auf Ebene -2.
© Peter Martens
Der Personenlift zur Schalungssystem von Doka. Im Bild zu sehen ist der Pylon wenige Wochen vor Fertigstellung.
© Peter Martens

Kurz die Eckdaten dieses Bauprojekts:

Ausführung: Alpine Bau GmbH
Stahlarbeiten: DSD Brückenbau, Rokenes AS
Post Tensioning: Dywidag Norge AS

© Peter Martens

Zur Bautechnik: Einhüftige Schrägseilbrücke, Länge: 270 m; ...

© Peter Martens

Bauherr: Statens Vegvesen; ...

© Peter Martens

Höhe A-Pylon: 72,5 m; ..

© Peter Martens

Bauzeit: Frühjahr 2011 bis Frühjahr 2013; ...

© Peter Martens

Auftragsvolumen Kåfjordbrua: 17 Millione Euro.

© Peter Martens
Um ein anderes Großprojekt von Alpine und Doka zu sehen, muss man den hohen Norden verlassen und sich mehr als 1600 Kilometer nach Süden begeben - allerdings wieder an die E6, die hier am Ufer des Mjøsa-Sees entlang führt.
© Peter Martens

Sehr viele Kilometer weiter südlich liegt eine andere Großbaustelle der Österreicher in Norwegen. Hier geht es um den Ausbau der E6, der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung Norwegens und einer der wichtigsten Straßen für ganz Skandinavien.

Im Bild: Mit der friedlichen Stille am Ufer des paradiesischen Mjøsa-Sees ist es jetzt für immer vorbei - heute röhrt hier schweres Gerät, bald rollen die Lkw.

© Peter Martens

"Achtung, in Kürze wird gesprengt!" - 1,5 Millionen Kubikmeter beträgt allein der Sprengabtrag beim Bau der E6 am Ufer des Mjøsa-Sees.

© Peter Martens

BAUHERR: Statens Vegvesen und Jernbaneverket

BAUZEIT: Sommer 2012-Herbst 2014 (gesamt bis Ende 2016)

AUFTRAGSVOLUMEN: 170 Mio. Euro

© Peter Martens

Umfangleistung Alpine:

5,7 km vierspurige Autobahn im Freiland;
4,7 zweigleisige Eisenbahn im Freiland,
680 m zweiröhriger Autobahntunnel (85 m2 Tunnelquerschnitt)
580 m einröhriger Eisenbahntunnel (125 m2 Tunnelquerschnitt)
16,7 km Sekundärwege und Radweg
Überführungen, Unterführungen, Technikgebäude
1,5 Mio. m3 Sprengabtrag, 180.000 m3 Tunnelausbruch, 300.000 m3 Erdabtrag.

© Peter Martens

So weit zu dem großen Straßenbauprojekt im Süden Norwegens. Ab hier wieder einige Impressionen zur besonderen Baustelle der Kåfjordbrua im hohen Norden.

© Peter Martens
Noch einmal kurz die Stahlbauteile, ....
© Peter Martens
... an denen später die Stahlkabel platziert werden.
© Peter Martens
Jedes Stahlbauteil nimmt je nach Ausrichtung eine eigene Position ein (hier links im Bild).
© Peter Martens
Millimeterarbeit ist gefragt - eine Abweichung von etwa einem cm ergibt bei der Verbindung nach unten einen Fehler von einem Meter.
© Peter Martens

Der Blick vom A-Pylon hinunter zum Ballastkasten, der später mit dem besonders schweren Gestein Olivin gefüllt wird.

© Peter Martens
Ein paar Angaben zur Schalungstechnik von Doka: Holzschalungsträger H20, Stahlwandriegel WS10,
© Peter Martens
Selbstkletterschalung SKE50 plus, Traggerüst Staxo 100,
© Peter Martens
Rahmenschalung Framax, Gesimskonsole T,
© Peter Martens

sowie ein Staxo Treppenturm.

© Peter Martens
Im Bild: Baustellenleiter Marcello Gebhardt (links) neben Stefan Ebenbauer, beide Alpine.
© Peter Martens

Und schließlich der Kafjörd, der mit der neuen Fernstraße am Ufer seine unschuldige Stille bald genauso verlieren wird wie der Mjøsa-See.

© Peter Martens

Sie haben bis hierher durchgehalten? Glückwunsch! Ganz zum Schluss ein paar "hidden tracks" zu diesem besonderen Landstrich...

© Peter Martens

Die Entfernung zwischen Alta und Oslo ist größer als die Entfernung zwischen Oslo und Wien.

© Peter Martens

Keine Gefahr sich zu verirren - der nördlichste "Großflughafen" Norwegens in Alta.

© Peter Martens
© Peter Martens

Der Himmel hängt stets sehr tief über dem Land. Einheimische empfinden einen Tag wie diesen trotzdem als bestes Wetter: Ab Ende November wird es praktisch durchgehend und ab Dezember ununterbrochen dunkel. Dafür zeigt sich nahezu täglich das Nordpolarlicht. Erst ab März kommt die Sonne wieder für wenige Minuten am Tag hervor. Dafür bleibt es dann im Sommer durchgehend hell.

© Peter Martens

"We have ten months of winter and two months of bad skiing conditions", scherzen die Bewohner des nördlichen Norwegens. Ein Witz, in dem die Begeisterung der Skandinavier für das Skifahren und alle Arten von Wintersport anklingt. Österreicher erzählen, dass sie mehrmals im Monat nach Hause fliegen müssen, weil sie es sonst bei dem Lichtmangel und den Temperaturen einfach nicht aushalten würden. Spricht man dagegen mit den Einheimischen, ist ihre Liebe zu diesem Landstrich nur zu deutlich spürbar.

© Peter Martens
Die urzeitlich anmutende Landschaft um das Örtchen Alta verfügt über bedeutende Schiefervorkommen.
© Peter Martens
Der Schiefer lässt sich mit einem einfachen Hammer und einem Meißel bestens in metergroße, aber nur wenige Millimeter dicke Scheiben spalten - eine Qualität, die Schiefergestein in anderen Weltgegenden nur sehr selten aufweist.
© Peter Martens

In einem Bericht über den Norden Skandinaviens darf der eigentliche Ureinwohner, das Rentier, natürlich genau so wenig fehlen wie im berühmten Märchen "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen. Ein mutiges Mädchen reist in diesem Märchen in den bedrohlichen äußersten Norden und damit ans Ende der Welt - ins Reich der Schneekönigin.

Gut möglich, dass der große Märchenerzähler Andersen die Gegend um Alta gemeint hat - einen kleinen Ort 400 Kilometer nördlich des Polarkreises.  ///

Der Baubericht zu den genannten Projekten ist zuerst erschienen in: SOLID 11- 2012.