Energiewende

IG Windkraft: Ohne Erneuerbare wäre Strom noch viel teurer

In Deutschland - wie auch in Österreich - müssen Konsumenten einen heftigen Zuschlag zum Strompreis zahlen. Doch ohne die Erneuerbaren hätte die Stromknappheit zu noch höheren Preisen geführt, sagen Interessensvertreter der Ökostromerzeuger.

In Deutschland - wie auch in Österreich - müssen Konsumenten einen heftigen Zuschlag zum Strompreis zahlen, um Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu finanzieren. Dadurch wird Strom teuer. Ohne diese geförderten alternativen Energiequellen wäre Strom in Deutschland aber noch teurer gewesen, sagt ein Diskussionspapier aus 2014, das am Donnerstag in Wien von der IG Windkraft vorgestellt wurde.

Stromüberfluss statt der drohenden Stromknappheit

Das von Siemens finanzierte Diskussionspapier von Jürgen Karl von der Universität Erlangen ist davon ausgegangen, dass Deutschland wegen Widerstands in der Bevölkerung kaum neue Kraftwerke bauen kann und zugleich nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima den Ausstieg aus der Atomkraft durchzieht.

Hätte es in diesem Szenario keine alternativen Energiequellen gegeben, dann wäre Strom knapp und damit sehr teuer geworden, so die Argumentation des Papiers. Und zwar noch teurer, als in der Realität mit dem Förderzuschlag ("EEG-Zuschlag"). In diesem Sinn habe die Förderung der alternativen Energien den deutschen Verbrauchern Geld gespart. Untersucht wurden die Jahre 2011 bis 2013.

Universität Erlangen: Konsumenten zahlen weniger, als wenn sie ohne Energiewende zahlen würden

Die Förderung alternativer Energiequellen hat zu einem Überangebot an Elektrizität und damit zu fallenden Preisen geführt. Nach der Rechnung der Universität Erlangen haben die deutschen Stromkonsumenten 2013 mit Ökozuschlag 11 Mrd. Euro weniger für Strom ausgegeben, als wenn es keine Förderungen und damit auch keine alternativen Anbieter gegeben hätte und statt dessen die Preise angestiegen wären. Allerdings haben sich weder Haushalte noch gewerbliche Stromkunden (rechnerisch) nennenswerte Beträge erspart. Die von der EEG-Umlage befreiten stromintensiven Betriebe hätten aber doppelt so hohe Stromkosten gehabt.

Endgültig veröffentlicht wurde das Papier erst Anfang 2015. Denn davor habe es eine intensive Diskussion gegeben, ob es in Deutschland ohne Ausbau der Erneuerbaren Energiequellen auch zum Investitionsstau beim Neubau großer Kraftwerke gekommen wäre, schreiben die Autoren selber. Sie halten aber im Gegensatz zur Meinung "vieler Kollegen" daran fest, dass Deutschland so oder so Probleme gehabt hätte, ausreichend zusätzliche konventionelle Kraftwerke zu bauen, heißt es in dem Papier. Und: "Aus unserer Sicht ist es in erster Linie den Erneuerbaren Energien zu verdanken, dass der Liberalisierung der Strommärkte nach der "Kalifornischen Energiekrise" in den USA nicht auch eine europäische Energiekrise folgte."

IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl erinnert daran, dass angesichts des gemeinsamen Strommarkts von Deutschland und Österreich alle energiepolitischen Entscheidungen in Deutschland auch in Österreich spürbar sind. "Das bedeutet auch, dass ohne erneuerbare Energien der österreichische Stromkunde mit höheren Kosten rechnen hätte müssen", meint Moidl. (apa/red)

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