Industriekonjunktur

Ifo-Umfrage der Industrie: Gelassenheit trotz Eskalation im Handelskonflikt

Der Ifo-Index ist zuletzt nur leicht gesunken. Trotzdem sagt Ifo-Chef Fuest, die Unsicherheit für Unternehmen steige, und zwar vor allem wegen des Handelsstreits, des Brexit und der Situation in Italien.

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China treibt deutschen Top-Managern momentan keine weiteren Schweißperlen auf die Stirn. Dank einer starken Binnenkonjunktur mit Bauboom und kauffreudigen Verbrauchern trübte sich das Geschäftsklima im September nur leicht ein. Das Ifo-Barometer fiel um 0,2 auf 103,7 Punkte, das ist aber der zweitbeste Wert des vergangenen halben Jahres.

Dies ermittelte das Münchner Ifo-Institut bei seiner monatlichen Umfrage unter 9.000 Managern. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich stabil, auch wenn die Unsicherheit steigt", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Ökonomen hatten wegen des Handelsstreits einen kräftigeren Rückgang auf 103,2 Zähler erwartet. Die Führungskräfte schätzten sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden Monate etwas schlechter als zuvor ein.

Der leichte Rückgang des wichtigsten Frühindikators für die deutsche Konjunktur geht allein auf die Kappe der exportabhängigen Industrie, die unter dem von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikten leidet. In der Industrie trübte sich das Klima erneut ein. Dabei bewerteten die Manager die Lage merklich schlechter, die Aussichten aber so gut wie seit sieben Monaten nicht mehr. Bei den Dienstleistern und im Handel zeigte das Stimmungsbarometer nach oben, in der Baubranche erreichte es sogar ein Rekordniveau. "Die starke Binnenkonjunktur überdeckt die Delle in der exportlastigen Industrie fast komplett", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

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Experten geben allerdings noch keine Entwarnung für die Industrie, hat doch der Handelskonflikt zwischen den USA und China gerade erst eine neue Eskalationsstufe erreicht. Montagfrüh traten neue Zölle der USA auf Waren aus der Volksrepublik im Umfang von 200 Mrd. Dollar (170,1 Mrd. Euro) in Kraft. Zugleich wurden Gegenmaßnahmen der Regierung in Peking wirksam.

Die Eskalation sei vermutlich für das Gros der vom Ifo-Institut befragten Manager zu spät gekommen, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Letztlich können sich die deutschen Unternehmen in diesem Handelsstreit nicht zurücklehnen." Zum einen seien die deutschen Töchter in den USA und China von den Streitigkeiten betroffen, zum anderen trübten sich die globalen Exportperspektiven mit jeder Eskalationsstufe ein oder würden zumindest ungewisser. Beides dürfte perspektivisch die Investition dämpfen.

Der Streit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften ist aber nicht die einzige Sorge der deutschen Manager. Auch ein möglicher Chaos-Brexit und die Haushaltspläne der italienischen Regierung spielten eine Rolle: "Trotz guter Stimmung macht sich bei den Unternehmen allmählich Unsicherheit breit", erklärte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Währungskrise in der Türkei hält er für die deutsche Wirtschaft für verkraftbar - wenn sie auf das Land beschränkt bliebe und keinen Dominoeffekt auf andere Schwellenländer auslöse.

Das Ifo-Institut hatte zuletzt angesichts des starken Konsums und der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft leicht angehoben. Für dieses und nächstes Jahr wird jeweils ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent erwartet. 2020 soll es zu 1,7 Prozent reichen. (reuters/apa/red)

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