Insolvenz

HTI: Zum Scheitern verurteilt

Der Druckgusskonzern HTI ist am Ende, das Unternehmen wird nun geschlossen und liquidiert. Die Idee vom Mischkonzern war von Anfang an keine gute.

Einst schien der Druckgusskonzern HTI in die Liga der wirklich großen Unternehmen Österreichs vorzudringen. Mit 1.704 Mitarbeitern und einem Umsatz von 170 Millionen Euro schien das Unternehmen mit Sitz im oberösterreichischen St. Marien zum ernstzunehmenden europäischen Player im Druck- und Spritzgussbereich für die Automobilindustrie zu avancieren. Heute beschäftigt der Konzern nur noch etwas mehr als 200 Menschen, und selbst deren Zukunft ist unsicher: Nach der Eröffnung des Sanierungsverfahrens gegen die einzige noch operative Konzerntochter Gruber & Kaja ist seit 29. August auch die Holding-Gesellschaft insolvent. Das Landesgericht hat auch die Schließung der HTI High Tech Industries angeordnet. 

Große Pläne

Die einst großen Pläne der drei Gründungsaktionäre Kurt Helletzgruber, Claus Kretz und Peter Glatzmeier, durch Zukauf von Mittelstandsunternehmen mit Nachfolgeproblemen einen Mischkonzern mit 500 Millionen Euro Umsatz zu formen, sind gescheitert.

Nukleus der HTI waren die Unternehmen von Helletzgruber (der ehemalige Neuson-Chef hat 2007 den Kunststoffteile-Erzeuger HTP eingebracht), Kretz (Proregio) und Glatzmeier (der Ex-Verstaatlichtenmanager hat sein Baugerätegeschäft der BBG in die HTI integriert). Später wurden die Spritzgussfertiger Technoplast und Hitzinger dazugekauft. Doch die Auswirkungen der Finanzkrise 2008 auf den Absatzmarkt im Automobilbereich machten die Pläne der drei Gründungsaktionäre schon in der Startphase obsolet. Ein dickes Absatzminus im Autobereich hat schon den Jahresabschluss 2008 verzögert. Seither (und damit seit über zehn Jahren) konnte das Unternehmen keine einzige Geschäftsperiode mit einem positiven EGT abschließen.

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Finanzinvestoren

Eine Umschuldung 2009 brachte zwar kurzfristig eine Verschnaufpause – änderte jedoch nichts am Grundproblem des Konzerns: Der hohe Grad an Fremdfinanzierung machte das Management manövrierunfähig und Synergien waren in der Firmengruppe eigentlich nicht zu heben. Letztlich handelte sich bei der HTI um einen Zusammenschluss von ähnlich operierenden Unternehmen, die allerdings an durchaus unterschiedlichen Krankheiten litten. 2013 wurde die Reißleine gezogen – und der größte Teil der Gruppe an ein Konsortium internationaler Finanzinvestoren verkauft. Diese taten, was Finanzinvestoren so tun: Sie verkauften, was werthaltig und nicht synergetisch war, zuletzt 2018 das ganze Kunststoffspritzgussgeschäft.

Das letzte operative Unternehmen der Gruppe, Gruber & Kaja, ist Opfer der lahmenden Autokonjunktur (der Insolvenzantrag zitierte die „Dieselkrise“) geworden, Kurzarbeit wurde eingeführt, die Augustlöhne konnten nicht mehr ausgezahlt werden. Ein trauriges Ende für eine einst hochgradig bekannte Marke: Die Anfänge der Gruber & Kaja reichen zurück bis ins Jahr 1950. Die Firma erlangte vor allem durch Druckkochtöpfe der Marke „Kelomat“ Bekanntheit. Ab Mitte der Sechzigerjahre spezialisierte man sich als Produzent von einbaufertigen Druckgusskomponenten aus Aluminium vornehmlich auf die Autoindustrie, bis man 2007 zur HTI-Gruppe kam.

Erste Interessenten

Nun läuft die Investorensuche für HTI offenbar auf Hochtouren. Dabei könnten die Verlustvorträge helfen, die laut Masseverwalter Thomas Kurz "weit über 100 Mio. Euro" betragen. Es gebe derzeit drei Interessenten, eine Entscheidung müsse bis Ende September getroffen werden. Die Sanierung der HTI bzw. ihrer Tochter Gruber & Kaja könnte aufgrund der hohen Verlustvorträge für Investoren attraktiv sein, so Medienberichte - offiziell handle es sich um weit mehr als 100 Mio. Euro.

Sollte jemand HTI und Gruber & Kaja sanieren wollen, könnten die hohen Verlustvorträge steuerliche Vorteile bringen, der Käufer könnte sich damit mehrere Jahre lang Ertragssteuern sparen. Jeder Interessent müsse für sich entscheiden, ob er diese Vorteile nutzen könne, so Kurz. Davon dürfte wohl auch abhängen, ob es ihm gelingt die gesamte Gruppe zu verkaufen oder nur deren Filetstück Gruber & Kaja.

Der Masseverwalter spricht von drei Interessenten - zwei aus dem Inland, einer aus dem Ausland. Zumindest einer sei "ganz ernsthaft" interessiert. Die Tagsatzung zur Verhandlung und Beschlussfassung über den Sanierungsplanantrag der Gruber & Kaja ist für 26. November anberaumt, jene für die gesamte HTI am 29. November. Bis dahin könne man aber nicht warten, so Kurz. Er will bis Ende September die Weichen gestellt sehen - zumindest einen "Letter of Intent", also eine Willenserklärung, brauche man bis dahin.