Zulieferindustrie

HTI: Sanierungsverfahren über Firmentochter Gruber & Kaja eröffnet

Über die Firmentochter des oberösterreichischen Zulieferers HTI ist ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverantwortung eröffnet worden. Betroffen sind 201 Mitarbeiter. Die weitere Entwicklung bei HTI selbst bleibe abzuwarten, hieß es.

Für die HTI-Tochter Gruber & Kaja in St. Marien im Bezirk Linz-Land ist beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverantwortung eröffnet worden. Das berichteten die Gläubigerschutzverbände und die Arbeiterkammer in Presseaussendungen. Die Überschuldung beträgt 17,7 Mio. Euro. 201 Mitarbeiter sind betroffen. Die weitere Entwicklung bei der Mutter bleibe abzuwarten.

Die Insolvenz ist die heuer bisher zweitgrößte in Oberösterreich. Die größte war jene der Brüder Bernhard und Thomas Braunsberger mit Gesamtpassiva von 31 Mio. Euro.

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Entwicklung bei HTI bleibt abzuwarten

Der KSV vermutet, dass das nunmehr eröffnete Insolvenzverfahren auch Auswirkungen auf die Liquidität des Mutterunternehmens HTI haben dürfte. Er verweist auf Medienberichte, wonach von der Konzernspitzengesellschaft angekündigt wurde, zeitversetzt ebenfalls einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung zu stellen. Die weitere Entwicklung bleibe aus heutiger Sicht abzuwarten.

Die Anfänge von Gruber & Kaja reichen zurück bis ins Jahr 1950. Die Firma erlangte Bekanntheit vor allem durch Druckkochtöpfe der Marke "Kelomat". Ab Mitte der Sechzigerjahre spezialisierte man sich als Produzent von einbaufertigen Druckgusskomponenten aus Aluminium vornehmlich für die Autoindustrie. Gruber & Kaja gehört seit 2007 zur HTI-Gruppe. Der Antrag auf Insolvenzeröffnung wird mit einem anstehenden erhöhten Investitionsbedarf sowie einem zuletzt merklichen Auftragsrückgang durch die sogenannte "Dieselkrise" begründet.

Gemeldet werden Passiva von 27,1 Mio. Euro, denen Aktiva von 9,4 Mio. Euro zu Buchwerten gegenüberstehen. 201 Dienstnehmer - 65 Angestellte, 127 Arbeiter und 9 Lehrlinge - sind von der Zahlungsunfähigkeit betroffen, ebenso rund 242 Gläubiger. Laut Arbeiterkammer Oberösterreich haben die Arbeiter den Lohn für Juli nicht mehr bekommen. Sie wird am kommenden Donnerstag eine Betriebsversammlung abhalten, in der das Team des Insolvenz-Rechtsschutzes die Belegschaft informieren und beraten wird.

Im Insolvenzantrag wurde den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes geboten. Zum Insolvenzverwalter wurde der Linzer Rechtsanwalt Gerhard Rothner bestellt. Er wird unverzüglich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens analysieren und prüfen, ob eine Fortführung des Unternehmens ohne weitere Schädigung der Gläubiger möglich ist, kündigte der Gläubigerschützerverband KSV1870 an.

Die erste Gläubigerversammlung und Allgemeine Prüfungstagsatzung wurde mit 29. Oktober festgelegt. Die Tagsatzung und Beschlussfassung über den Sanierungsplanantrag wurde für 29. November anberaumt. (apa/red)