Hintergrund

Historische Seidenstraße: Güter, Kulturen und die Beulenpest

Die Verbindungen der historischen Seidenstraße bestehen seit 2000 Jahren, aber der Begrifff selbst stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ganze Tour von China ans Mittelmeer und zurück dauerte mehrere Jahre. In diesem frühen Phänomen des Welthandels waren unterschiedlichste Güter, aber auch Kulturen und Krankheiten unterwegs.

Neue Seidenstraße China Europäische Union Hintergrund

China drängt im Rahmen der "Neuen Seidenstraße" auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nach Europa und Afrika. Das Reich der Mitte knüpft dabei an eine über 2000 Jahre alte Tradition an. Schon 200 vor Christi Geburt machten sich Karawanen auf den langen Weg zum Mittelmeer. Die Reise hin und zurück dauerte allerdings mehrere Jahre, sodass nur wenige die ganze Tour machten.

Ein Geflecht vieler Verkehrswege

Wobei es nicht "eine Seidenstraße", sondern ein Geflecht von Verkehrswegen gab. Ausgangspunkt der Handelswege war die Stadt Chang'an (heute Xi'an), Hauptstadt des Han-Imperiums. Von dort aus führte der Weg zwischen der Wüste Gobi und dem Hochland von Tibet, dann nördlich oder südlich der Wüste Takla-Makan nach Kaschgar, weiter über Samarkand und Teheran nach Aleppo. Die Hauptroute soll etwa 10.000 Kilometer lang gewesen sein. Die Händler machten deshalb meist nur Teilstrecken und tauschten unterwegs ihre Waren mit anderen Händlern aus. Der Begriff der "Seidenstraßen" wurde erst 1877 vom deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen geprägt.

Seide gegen Gold

China exportiere insbesondere Seide, die bis ins fünfte Jahrhundert nur dort hergestellt wurde. In der Gegenrichtung kamen Gold, Metalle und Edelsteine. Der Reichtum, den der Handel brachte, führte zu heftigen Kämpfen und forderte viele Opfer, sodass die Seidenstraße im Laufe der Jahrhunderte immer unsicherer wurde und an Bedeutung verlor - auch im Vergleich zum Seeweg. Ausgerechnet unter den Mongolen kam es im 13. Jahrhundert zu einer Wiederbelebung, weil sie für Sicherheit der Handelsleute sorgen konnten.

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Seidenstraße brachte im 14. Jahrhundert auch die Pest - ein Viertel der Europäer starb

Wobei die Verbindung zwischen China und Europa nicht nur für den Warenaustausch genutzt wurde. Das Wissen um die jeweiligen Religionen verbreitete sich hier, auch erfuhr der Westen wie Papier und Schwarzpulver hergestellt werden, China lernte Glas zu machen. Zugleich wurden auf den Handelswegen aber auch Krankheitserreger mittransportiert. So kam die Beulenpest nach Europa, die Mitte des 14. Jahrhunderts ein Viertel bis ein Drittel der europäischen Bevölkerung auslöschte.

Der große Erzähler Marco Polo

In Europa richtig bekanntgeworden ist die Verbindung nach China über die Erzählungen Marco Polos. Der junge venezianische Kaufmann schilderte in leuchtenden Farben den langen Weg nach China und seine Erlebnisse in Peking am Hof des Herrschers Kublai Khan. Auch wenn es Zweifel daran gibt, ob er überhaupt in China war, seine Erzählungen haben den Handel zwischen den Kontinenten stark belebt. (APA/red)