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Hintergrund: Ende einer Epoche bei Fiat Chrysler

Mit dem Tod des langjährigen Chefs der Autobauer Fiat Chrysler und Ferrari geht bei der weltweiten Nummer sieben der Autoindustrie eine Epoche zu Ende. Sergio Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1. Hier nochmals einige Eckdaten.

Der langjährige Chef der Autobauer Fiat Chrysler (FCA) und Ferrari, Sergio Marchionne, ist tot. Der 66-jährige Topmanager, der Fiat 14 Jahre lang geführt und den Autokonzern vor der Pleite gerettet hat, starb auf der Intensivstation der Zürcher Universitätsklinik, in die er vor drei Wochen eingeliefert worden war. Der Tod wurde am Mittwoch von FCA bestätigt.

Nach einem chirurgischen Eingriff Ende Juni seien "plötzliche und unerwartete Komplikationen" aufgetreten. Marchionne war im Koma in die Schweiz geflogen worden. Der Tod sei auf einen Herzstillstand zurückzuführen, verlautete es aus Kreisen rund um die Familie Marchionnes. Das Unternehmen und die italienische Politik trauern um den bekanntesten Spitzenmanager des Landes.

Zu Marchionnes Amtszeit:
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Zur Personalie:
Schweigeminute für Sergio Marchionne >>

Die Unternehmerfamilie Agnelli, die über die Finanzholding Exor Mehrheitsaktionär von Fiat Chrysler (FCA) ist, sprach am Mittwoch ihr Mitgefühl aus. "Leider ist das passiert, was wir befürchteten. Unser Freund Sergio hat uns verlassen", sagte FCA-Verwaltungsratspräsident John Elkann. "Der beste Weg, um ihn zu würdigen, ist jene Werte von Menschlichkeit, Verantwortung und intellektueller Offenheit hochzuhalten, die typisch für Marchionne waren. Ich und meine Familie werden ihm immer für seine Leistungen dankbar sein", so Elkann.

Im italienischen Parlament wurde eine Schweigeminute zu Marchionnes Ehren gehalten. Die drei Fahnen mit dem FCA-Logo vor dem Eingang des Turiner Hauptquartiers der Autogruppe wurden als Zeichen der Trauer auf Halbmast gesetzt.

Italiens Staatschef Sergio Mattarella schrieb, dass Italien einen großen Industriekapitän verloren habe. "Marchionne hat eine wichtige Seite der italienischen Industriegeschichte geschrieben", so Mattarella. Auch Ex-Premier Paolo Gentiloni kondolierte der Familie. "Danke für die Arbeit, die Anstrengung und die Resultate", twitterte Gentiloni.

Marchionne starb am Tag des Debüts seines Nachfolgers, dem Briten Mike Manley. Der Italo-Kanadier Marchionne hätte eigentlich erst im April kommenden Jahres das Zepter an einen internen Nachfolger übergeben sollen. Fiat und Ferrari hatten dann aber bereits am Samstag bekannt gegeben, dass der Topmanager die Posten des Vorstandschefs beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und bei der Tochter Ferrari aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen kann.

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Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1. Mit markigen Sprüchen machte er sich weltweit einen Namen. Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen. Der Italiener mit kanadischem Pass war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Turiner Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte Marchionne die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein.

Seit der Fusion der beiden Autobauer im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent - und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen der Branche. Als wichtiges Vermächtnis Marchionnes gilt auch die Konzentration auf Nischenmarken. Zum Ende seiner Karriere bei FCA hatte der Manager sein letztes großes Ziel erreicht und die Schuldenfreiheit des Unternehmens für Ende Juni verkündet.

An der Spitze von Fiat steht nun der Chef der US-Geländewagen-Tochter Jeep, Mike Manley. "Marchionne war ein besonderer Mensch", sagte Manley vor der Vorstellung der Halbjahresergebnisse am Mittwoch. Neuer Ferrari-Chef wurde Louis Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

Nach dem Tod von Marchionne blickt der Konzern pessimistischer in die Zukunft. Das Unternehmen schraubte seine Prognose für den Umsatz im Gesamtjahr von bisher 125 Mrd. auf 115 bis 118 Mrd. Euro herunter. Die FCA-Aktie an der Mailänder Börse verlor nach Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse 10 Prozent auf 14,98 Euro. (APA/red)

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