Maßnahmen gegen die Coronakrise

Hier vernetzen sich Start-ups und Konzerne gegen die Coronakrise

Die Plattform startupsagainstcorona.com hat sich zum Ziel gesetzt, Konzerne und Start-ups zusammenzuführen, um aktuelle Herausforderungen im Zuge der Coronakrise zu adressieren. Ein heimisches Start-up bietet etwa einen Echtzeit-Einblick in die Auswirkungen des Coronavirus auf die globalen Lieferketten.

40 Konzerne und Organisationen haben sich auf der Plattform startupsagainstcorona.com mit ihren Problemen und Herausforderungen angemeldet, die sich im Zuge der Coronakrise für sie ergeben haben. Gleichzeitig bieten rund 300 Start-ups aus 29 Ländern - darunter einige aus Österreich - ihre Lösungsansätze zur Bekämpfung der Auswirkungen der Krise an, die sie entweder als Antwort auf konkrete Problemstellungen oder allgemein als Hilfsangebot eingereicht haben.

Das in den teilnehmenden Start-ups akkumulierte Venture Capital beträgt nach Berechnungen von 27pilots rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Rechnung: Setzen die Start-ups ihr Know-how, ihre Entwicklungskapazitäten und finanziellen Ressourcen dank der Plattform nun gezielt für die Bekämpfung von Problemen in der Corona-Krise ein, entsteht ein Effekt, der für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt sehr positiv sein kann. "Dass qualitativ hochwertige und extrem schnell verfügbare Lösungen von Start-ups zum Gamechanger in der Krise werden können, zeigt das Potenzial, das hinter den Start-ups steht. Das dort schon investierte Risikokapital kann durch die strategische Vernetzung gezielt eingesetzt werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abzuschwächen”, meint Gregor Gimmy, Co-Founder und Managing Director des Venture-Client-Service-Unternehmens 27pilots.

Bosch, Airbus oder Infineon suchen Unterstützung

Anfragen und Lösungsansätze werden von einer Taskforce von 27pilots geprüft, die Start-ups und Unternehmen miteinander vernetzt.Einige bekannte Unternehmen mit in Summe mehr als zwei Millionen Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Industrien, darunter Airbus, Bayer, die BMW Gruppe, BSH Hausgeräte, Bosch, ZF, Dräxlmaier, Infineon oder Lafarge Holcim, suchen auf der Plattform nach Lösungen in den Bereichen Personaleinsatzplanung, Lieferkettenmanagement oder für die digitale Vernetzung von Mitarbeitern, Partnern und Kunden. Anfragen und Lösungsansätze werden dabei von einer Taskforce von 27pilots geprüft, die Start-ups und Unternehmen miteinander vernetzt.

White Paper zum Thema

Sechs heimische Start-ups bieten Lösungsansätze

Konzerne aus Österreich sind derzeit noch nicht auf der Plattform vertreten, dafür bieten sechs heimische Start-ups Lösungen für aktuelle, durch die Coronakrise entstandene Herausforderungen: Prewave, Viewpointsystem, Chatvisor, 360kompany, Grape.io, und ToolSense.

Prewave etwa hat bereits Ende Januar auf die Ausbreitung des Coronavirus in China reagiert und eine Coronavirus-Disruption-Map entwickelt, die einen Echtzeit-Einblick in die Auswirkungen des Coronavirus auf die globalen Lieferketten gibt. Diese KI-generierte Karte zeigt an, welche Produktionsstätten und Zulieferer weltweit momentan noch aktiv oder bereits geschlossen sind. Auch von der Schließung gefährdete Standorte werden eingezeichnet. 

Die Technologie basiert auf fünfjähriger Forschung an der TU Wien. Durch Machine-Learning-Technologie analysiert Prewave Daten aus sozialen Medien und Nachrichtenmedien, um Vorhersagen über Risiken in der Lieferkette von Unternehmen zu treffen. Dabei durchsucht die künstliche Intelligenz von Prewave sämtliche öffentlich verfügbare Medienkanäle weltweit nach Hinweisen auf über 60 verschiedene Risikokategorien. Das beinhaltet u.a. Naturkatastrophen, politische Unruhen, Blockaden, Arbeiterstreiks, oder unternehmensstrategische Änderungen wie Fusionen. 

Als Anfang des Jahres China immer mehr vom Coronavirus betroffen war, erweiterte Prewave seine Technologie um die Risikokategorie “Coronavirus-Risiken”. Dabei überwacht Prewave nicht nur direkte Auswirkungen des Coronavirus, wie Infektionen bei Mitarbeitern, sondern auch sekundäre Risikofaktoren wie Standortschließungen, Kurzarbeit und Insolvenz. So soll auch die Wiedereröffnung und Inbetriebnahme von Produktionsstätten prognostiziert werden, um bei Unternehmen für etwas mehr Planungssicherheit zu sorgen. 

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Chatbot für Lafarge Holcim

Als eine der ersten Kooperationen, die aus der Plattform entstanden sind, ist jene zwischen dem Schweizer Baustoffhersteller Lafarge Holcim und dem KI-Start-up Leena AI. Der COVID-19-Chatbot nutzt linguistische Datenverarbeitung, um Mitarbeiter globaler Unternehmen mit Antworten rund um das Coronavirus zu versorgen. Der Chatbot greift dabei auf Veröffentlichungen der WHO und UNICEF zurück. Das Start-up stellte diese Lösungen innerhalb von Tagen zur Verfügung. Eine Neuentwicklung würde mehrere Monate dauern.

Welchen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen gegenüber?

Wie hart trifft Ihr Unternehmen die aktuelle Coronakrise? Haben Sie Probleme mit dem Sourcing? Müssen Sie Kurzarbeit in Anspruch nehmen? Um ein genaueres Bild der Herausforderungen, denen heimische Industriebetriebe aktuell gegenüberstehen, zu zeichnen, wollen wir mehr darüber wissen. Wir würden Sie deshalb bitten, sich fünf Minuten Zeit für unsere Umfrage zu nehmen!

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