Fischer Edelstahlrohre Austria

Methoden-Kaiser

Die Methodenkompetenz von Fischer Edelstahlrohre Austria überzeugte die Wettbewerbsjury voll: Die Kärntner waren in der Kategorie Unternehmen siegreich.

Von &
Fabrik2013

Fischer Edelstahlrohre Austria überzeugte das Fraunhofer-Austria-Team voll: Geschäftsführer Heinz Paar (Mitte) bei der Evaluierung seiner vor Methodenkompetenz strotzenden Fertigung (rechts: Fraunhofer-Austria-Produktionsexperte Daniel Palm).

Als Heinz Paar vor knapp fünfzehn Jahren bei Fischer Edelstahlrohre Austria als Geschäftsführer an Bord ging, erlebte er einen Kulturschock. Paar kam von der hochtechnisierten Magna, wo er als Vice President Corporate Planning & Development werkte. Bei Fischer in Griffen war zu dieser Zeit noch Mittelalter angesagt: verrostete, kaum gewartete Anlagen, Verkaufskonzepte auf Greißlerniveau, ein Insolvenzfall. „Wir haben damals nicht bei null angefangen, sondern weit darunter. Das Unternehmen produzierte zu Unkosten ein langweiliges Standardprodukt, das keiner haben wollte“, erzählt Paar. Heute werden bei Fischer Edelstahlrohre Austria, dem Fabrik2013-Sieger in der Kategorie Unternehmen, Präzisions-Edelstahlrohre in einer Vielfalt gefertigt, die auch Fachleute beeindruckt: Die minimale Wandstärke der in Griffen produzierten Rohre beträgt 0,5 Millimeter, die Außendurchmesser reichen von 6 bis 120 Millimeter, die größte mögliche Rohrlänge kommt auf beeindruckende 28 Meter.

Managementbücher als Hobby

Doch das technische Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist damit noch nicht benannt. Bei Fischer Edelstahlrohre Austria werden auf selbst entwickelten Anlagen längsnahtgeschweißte und „In-Linie-geglühte“ Präzisionsedelstahlrohre gefertigt. Damit ist das Kärntner Unternehmen ein absoluter Technologieführer in der Branche. Und wächst dadurch auch deutlich kräftiger als andere. Während das durchschnittliche jährliche Marktwachstum für Edelstahlrohre in den letzten 15 Jahren mit 6,8 Prozent erhoben wurde, legte Fischer im gleichen Zeitraum durchschnittlich um 16,1 Prozent pro Jahr zu. Dass man mit einer hochtechnisierten, sehr diversifizierten Produktion derart erfolgreich ist, liegt nicht zuletzt am Bildungsdrang des Chefs. „Lektüre von Fachliteratur und Managementbüchern“ nennt Heinz Paar als sein Hobby. Das eigentlich für variantenarme Massenfertigungen konzipierte Kanban-Prinzip, bei dem es nur ein minimales Kommissionierungslager gibt, hat Paar erfolgreich für die überaus variantenreiche Beschaffung von Ersatz- und Verschleißteilen in Griffen adaptiert.

Generalstabsmäßige Planung

Die unglaubliche Akribie, mit der man bei Fischer Edelstahlrohre Austria zugange ist, fiel auch dem Evaluierungsteam von Fraunhofer Austria auf: „Es gibt wenige Unternehmen, die sich derart stark an aktueller Forschungsliteratur ausrichten“, sagt Fraunhofer-Austria-Mann Daniel Palm und benennt auch die vom Unternehmen erfolgreich umgesetzte Strategie: „Man hat sich für ein Laufmeterprodukt in innovativer Weise das Konzept eines Stückfertigers angeeignet.“
 

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Zur generalstabmäßigen Planung bei Fischer passt auch, dass sich die fünf Topleute des Unternehmens jeden Tag zwischen 14.00 und 14.30 Uhr in einem sogenannten „war room“ zur Lagebesprechung treffen. Grundlage sind Daten, die eine OEE-Kaskade liefert. Den Zweck der Kaskade beschreibt ihr Name: Overall Equipment Effectiveness, die Gesamtanlageneffizienz. Die von der Kaskade gelieferten Daten sind derart genau, dass sie jede Maschinenstörung, jeden Bandausfall auf die Minute genau rückverfolgbar machen. Nachjustieren ist dann einfach. Die Stehtische, an denen die Manager und Ingenieure bei der täglichen Lagebesprechung stehen, sind übrigens so oval – und nicht kreisrund – gestaltet, dass darauf exakt fünf DIN-A4-Notizblöcke oder Tablets Platz finden. Effizient eben.

Hauptschlagader für Material

Effizient durchorganisiert ist auch die Produktion selbst. Entlang der Aorta, der Hauptschlagader, auf der sich das Material bewegt und zum fertigen Produkt wird, sind U-förmige Zellen angeordnet, in denen Zwischenschritte, etwa weitere wertschöpfende Arbeitsfolgen oder Qualitätskontrollen, vorgenommen werden. „Wenn einzelne Arbeitsfolgen nicht voll ausgelastet sind, können wir über erfolgreich umgesetzte Ein-Mann-versus-mehr-Maschinen-Konzepte die Produktionsabläufe glätten und eine quasi hundertprozentige Auslastung simulieren“, sagt Paar.
 

Die Suche nach Effizienz beschränkt sich in Griffen allerdings nicht auf die Führungsmannschaft. Der KVP, der kontinuierliche Verbesserungsprozess, wird in starkem Maße davon angetrieben, dass jedes Dreierteam in der Fabrik verpflichtet ist, zumindest einen KVP-Vorschlag pro Monat zu machen. Prämiert werden die besten Vorschläge im Rahmen einer Tombola am Jahresende.