Verpackungsindustrie

Heimische Wellpappe-Industrie profitiert nicht vom Boom im Onlinehandel

Trotz teils zweistelliger Wachstumsraten im Versandhandel stagniert die Produktion von Wellpappe in Österreich - damit sind die österreichischen Hersteller von Wellpappe-Verpackungen beim Onlinehandel tendenziell zum Zusehen gezwungen.

Die österreichischen Hersteller von Wellpappe-Verpackungen sind beim Onlinehandel tendenziell zum Zusehen gezwungen. Trotz teils zweistelliger Wachstumsraten im Versandhandel stagniert die Produktion von Wellpappe in Österreich bei jährlich rund 478.000 Tonnen. Der Grund: Hierzulande gibt es keine großen Versender wie Amazon oder Zalando, die in Deutschland für Marktdynamik bei Wellpappe sorgen.

Sieben österreichische Hersteller: Online-Bereich macht zehn Prozent aus

Der Onlinehandel, der vorwiegend auf Verpackungen aus Wellpappe setzt, macht für die sieben heimischen Hersteller einen Umsatzanteil von rund 10 Prozent aus, sagte Max Hölbl vom Forum Wellpappe Austria in einer Pressekonferenz. Die Branche hat vergangenen Jahr bei stagnierender Menge um 8,5 Prozent mehr Umsatz gemacht. Der Anstieg auf 564 Mio. Euro habe sich durch deutlich höhere Papierpreise ergeben, erklärte Hölbl.

Österreichische Firmen im eigenen Land im Nachteil

Die großen Onlinehändler verpacken die Bestellungen großteils in Deutschland. Weder Amazon noch Zalando betreiben hierzulande Versandlager. Das neue Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf für den Großraum Wien ist ein reiner Logistikstandort ohne Bedarf an Verpackungsmaterial. "Es ist in der Tat nicht das Wachstum, dass man beispielsweise in Deutschland oder Polen hat", räumte Hölbl ein. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Wellpappe-Werk meist einen Liederradius von rund 200 Kilometern hat. Bei Amazon sei es oft so, dass sich neben dem Versandlager ein Wellpappe-Hersteller niederlässt.

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Die heimische Branche geht heuer nichtsdestotrotz von einem stabilen Wachstumkurs aus. Die Abkühlung der Wirtschaft habe sich bisher noch nicht bemerkbar gemacht, Hölbl erwartet aber, dass sich das 2-prozentige Wachstum des ersten Quartals möglicherweise auf 1,7 Prozent abschwächt. Die Nachfrage sei jedoch nach wie vor hoch. Auch weil große Konsumgüterhersteller wie Henkel den Einsatz von Plastik reduzieren.

Branchenvertreter: Ein nachwachsender, ökologischer Rohstoff als Alleinstellungsmerkmal

Das Forum Wellpappe Austria hat in der Pressekonferenz die ökologischen Vorteile von Wellpappe betont. Die Fasern können bis zu 25 Mal verwendet werden und stammen zu 85 Prozent aus Altpapier. Dass der Rohstoff Holz nachwächst und biologisch abbaubar ist, sei ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Kunststoffen.

Das Start-up Hektar-Nektar, das einen Online-Marktplatz für Bienenzüchter betreibt, stellte die Versandbox Papernuc - eine Verpackung mit Lüftungsschlitzen - vor, in der Bienen per Spedition verschickt werden können. (apa/red)

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