Luftfahrt

Hartes Ringen um wertvollste Teile von Air Berlin

Das Rennen um die attraktiven Landerechte aus der Konkursmasse von Air Berlin ist in vollem Gange. Lufthansa will bis zu 80 weitere Maschinen und Slots - während der Chef von Ryanair sich wie üblich medienwirksam dagegen positioniert.

Die insolvente Air Berlin verhandelt mit drei Interessenten über eine Übernahme von Teilen ihres Geschäfts. "Neben der Deutschen Lufthansa stehen wir mit zwei weiteren Interessenten aus der Luftfahrt in Kontakt", sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Gespräche liefen schon seit Wochen.

Alle Unternehmen seien "in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren". Namen wollte Winkelmann noch nicht nennen. Alle Interessenten seien börsennotiert.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hatte kürzlich Insolvenz angemeldet, weil Großaktionär Etihad die Verluste des Unternehmens nicht mehr ausgleichen will. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert. Außer der Lufthansa soll Ryanair-Konkurrent Easyjet Branchengerüchten zufolge an Teilen von Air Berlin interessiert sein. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor hat Interesse angemeldet.

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Theatralische Sätze von Michael O'Leary - wie üblich

Der irische Billigflieger Ryanair will die Aufteilung der Start- und Landerechte der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft unter den Rivalen Lufthansa und Easyjet nicht einfach hinnehmen. Vorstandschef Michael O'Leary legte Beschwerde bei der EU-Kommission ein. O'Leary: "Das ist ein völlig abgekartetes Spiel." Das gehe alles zu schnell.

Ryanair habe kaum eine Chance, sich attraktive Start- und Landerechte (Slots) aus der Konkursmasse zu sichern. Der Ire spricht von einem "Komplott" zwischen der deutschen Regierung, der Lufthansa und Air Berlin. Die Anteile von Air Berlin würden "unter Ausschluss der größten Wettbewerber zerstückelt" und dabei würden EU-Wettbewerbsregeln sowie Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen ignoriert, kritisierte Ryanair. Der Billigflieger sprach von einer "künstlich erzeugten Insolvenz".

Doch auch seitens der Wettbewerbsexperten gibt es Kritik an den Plänen der Lufthansa. "Air Berlin und Lufthansa sind auf vielen Flugstrecken direkte Konkurrenten", sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der "Rheinischen Post". Die Monopolkommission agiert in Deutschland als ein unabhängiges Beratergremium.

"Lufthansa müsste für eine Genehmigung der Fusion mit strengen Bedingungen und Auflagen rechnen", sagte Wambach. Dazu zähle der Verzicht auf einen großen Teil der Start- und Landerechte von Air Berlin.

Bundeskartellamt prüft

Das deutsche Bundeskartellamt will die Pläne der Lufthansa prüfen. Bisher sei keine Übernahme angemeldet, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, der "Süddeutschen Zeitung". "Klar ist aber, dass man sich das als Wettbewerbsbehörde gegebenenfalls sehr genau ansehen muss." Der österreichische Air-Berlin-Ableger Niki ist von der Insolvenz vorerst nicht betroffen.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt will die Abwicklung von Air Berlin zur Stärkung der deutschen Luftfahrtwirtschaft nutzen. Deutschland müsse ein bedeutender Luftverkehrsstandort bleiben, sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Wir brauchen starke deutsche Flughäfen und Luftverkehrsunternehmen. Jetzt sollte die Chance ergriffen werden, die 140 Maschinen, Kapazitäten und Mitarbeiter von Air Berlin strategisch aufzustellen, um die Stellung der deutschen Luftverkehrswirtschaft im internationalen Markt zu stärken."

(APA/Reuters/dpa/dpa-AFX/AFP)