Mineralölindustrie

Harte Worte von Gerhard Roiss am heutigen Kurs der OMV

Der ehemalige Chef der OMV macht einige überraschende Ansagen zum heutigen Kurs des größten heimischen Industriekonzerns - darunter zu der vor einiger Zeit plötzlich einsetzenden Kritik an der Profitabilität des Unternehmens und dem tatsächlichen Wert des russischen Förderfelds Urengoj.

Der ehemalige OMV-Chef Gerhard Roiss hat in einem Interview mit der "Presse" nicht all zu viele gute Worte für die Entwicklung des Unternehmens, seit er als Vorstandschef zurückgetreten ist. Roiss hält nach eigenen Worten noch immer ein "beträchtliches Aktienpaket" am teilstaatlichen Konzern.

Zu der Kritik an der angeblich mangelnden Rentabilität des Konzerns sagt Roiss: "Auffällig war für mich, dass die Kritik erst begann, als das Russland-Engagement hier auf heftigen Widerstand stieß, also ein halbes Jahr nach meinem Ausscheiden aus der OMV. Die Taktik dahinter ist leicht erkennbar: Zuerst redet man das Unternehmen kaputt, um dann den Russland-Swap als Rettung für die OMV zu verkaufen."

"Eine faszinierend hohe Zahl"

Doch nur 200 von den insgesamt 600 Millionen Fass Gas aus der Beteiligung am russischen Gasfeld Urengoy (Urengoj) seien so werthaltig wie andere OMV-Reserven, so Roiss.

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Grund dafür sei, dass zwei Drittel der "faszinierend hohen Zahl" von 600 Mio. Fass (boe) russischem Inlandsgas zuzurechnen seien. 400 Mio. Fass seien also zum russischen Inlandspreis zu verkaufen - "und daher ist nicht der Weltmarktpreis relevant", sagt Roiss.

"Das Projekt in seiner gesamtwirtschaftlichen Bedeutung zu beurteilen ist nicht meine Aufgabe. Allerdings, den Ansatz, ohne einen Plan B oder Alternativen zu agieren, halte ich nicht für sehr verantwortungsbewusst", so Roiss gegenüber der Zeitung.

Was das Argument der schwindenden Reserven angehe, so verweist der ehemalige Konzernchef auf die Geschäftsberichten: Demnach hätten die sicheren Reserven 1,11 Mrd. Fass im Jahr 2012 und 1,09 Mrd. Fass zwei Jahre später betragen. "Das ist ein Minus von gerade einmal 1,8 Prozent", so Roiss.

Zwei Preise für dasselbe Gas

Wie mehrfach berichtet soll die OMV nach den Plänen des heutigen Konzernchefs Rainer Seele mit dem russischen Staatskonzern Gazprom einen Tausch von Vermögenswerten durchführen. Dabei soll sich die OMV bei Urengoj beteiligen. Im Gegenzug übernimmt Gazprom den Plänen nach Anteile der OMV an den Ölförderfeldern in Norwegen.

Anlässlich dieses Tauschs hatte Seele gesagt, dass "wir beim Gas (aus Urengoy) zwei verschiedene Verpreisungen vereinbart haben. Eine Verpreisung ist für die Mengen im Inland, eine für das europäische Ausland."

(red)


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