Stahlindustrie

Harte Kritik von Eurofer am Kauf von Zelezara Smederevo durch Chinesen

Der europäische Stahlverband Eurofer geht mit der geplanten Übernahme des größten serbischen Stahlproduzenten Zelezara Smederevo durch den chinesischen Stahlkonzern HBIS hart ins Gericht. Und mit den Forderungen Pekings nach dem Status als Marktwirtschaft ebenfalls.

Der europäische Stahlverband Eurofer geht mit der geplanten Übernahme des größten serbischen Stahlproduzenten Zelezara Smederevo durch einen chinesischen Stahlkonzern hart ins Gericht. Wie berichtet soll Zelezara Smederevo an das staatliche chinesische Stahlunternehmen Hebei Iron & Steel (HBIS) verkauft werden. Die EU hat dem Deal bereits zugestimmt. Diese Woche war die Übernahme auch Thema beim Besuch des chinesischen Präsidenten in Belgrad.

Die Übernahme eines Stahlwerks in einem Land, das zu den EU-Beitrittskandidaten gehöre, ausgerechnet von einem chinesischen Staatskonzern, sei ein Grund für ernsthafte Sorgen über fairen Wettbewerb am Stahlmarkt, heißt es bei Eurofer. Der Kauf werfe auch ein schiefes Licht darauf, dass im Kurs von China, die Bedingungen der Welthandelsorganisation WTO zu erfüllen, bisher keine Fortschritte erkennbar seien.

"Chinas Regierung bestärkt chinesische Unternehmen zu Übernahmen im Ausland. Das ist eine Praxis, die im Mai 2016 von den Staatschefs auf dem G7-Gipfel kritisiert worden ist. Ausländische Investitionen sind in der EU und in den Nachbarstaaten der EU ausdrücklich willkommen, aber nur unter fairen und nicht verzerrten Marktbedingungen", so Axel Eggert, Chef von Eurofer, hier in einer Stellungnahme des Branchenverbands.

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Eurofer-Chef Eggert: "In China herrschen keine Marktbedingungen"

Die Übernahme von Zelezara Smederevo untergrabe sowohl die Bekämpfung von Überkapazitäten der Stahlindustrie als auch das Bestreben, freie und faire Bedingungen am Stahlmarkt herzustellen - so, wie das die G7-Chefs gefordert hätten, so Eggert weiter.

In China herrschten keine Marktbedingungen, so Eggert. Das Land schirme seine führenden Industriebetriebe vom harten Wettbewerb am Markt ab - während genau dieser Wettbewerb die privaten Investoren am freien Markt davon abhalte, vergleichbare Übernahmen zu tätigen.

China erfülle vier von fünf EU-Kriterien für eine Marktwirtschaft nicht, so der Chef des europäischen Stahlverbands. Dieser gravierende Mangel bleibe bestehen, wenn das Land weiterhin an seinen Überkapazitäten in Höhe von 400 Millionen Tonnen Stahl festhalte.

Die EU müsse so lange den Forderungen widerstehen, China den Status einer Marktwirtschaft zuzuordnen, bis die chinesische Regierung nicht intensiv in ihrem Wirtschaftssektor interveniere, Verzerrungen am Markt beseitige und sich freien und fairen Marktbedingungen im internationalen Handel öffne.

(pm)

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