Produktvergleich

Handmade: Der große Handschuh-Test

Produkttest: Was muss ein Arbeitshandschuh können? Für jeden Zweck etwas anderes. Die INDUSTRIEMAGAZIN-Schwester Werk und Technik testete und verglich die besten Exemplare.

Es war eine Sintflut. Als wir vor zwei Monaten ankündigten, Arbeitshandschuhe testen zu wollen, wussten wir noch nicht, was wir damit anrichten. Am Ende quollen die Redaktionsräume über, überall stapelten sich Handschuhe, auf Schreibtischen, am Boden und am Drucker sowieso. Aus diesem Grund gab es bei diesem Test eine Vorausscheidung. Hätten wir nämlich alle eingelangten Muster besprochen, wäre ein Sonderheft fällig geworden. Und das obwohl wir schon in der Ausschreibung das Feld der möglichen Kandidaten eingegrenzt haben.

Als mögliche Teilnehmer haben wir ausschließlich Handschuhe der Schutzklasse 2, die die Norm EN 388 erfüllen, definiert. Das sind Handschuhe, die für den Schutz vor mittleren Risiken geeignet sind und ihren Nutzer vor mechanischen Verletzungen schützen.

Dreizehn Paare – nein, wir sind nicht abergläubisch – haben es letztlich 
ins Finale geschafft. Allein das adelt sie alle und hebt sie von den Mitbewerbern ab. Dass es aber auch unter den Besten Bessere und nicht ganz so Gute gibt, liegt dennoch in der Natur der Sache. Und hängt auch vom Einsatzzweck ab.

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Denn obwohl sie alle die Anforderungen der Schutzklasse 2 erfüllen, weisen die getesteten Modelle doch beträchtliche Unterschiede auf. Da gibt es Leichtgewichte, mit denen zur Not auch ein Zahnarzt arbeiten könnte, und schwere Kaliber, die perfekt zum Aufstemmen von Luftschutzbunkern taugen. Und dazwischen eine Reihe von mehr oder minder ausgeprägten Allroundtalenten. Klar ist auch, dass die leichteren Exemplare nie die Schutzwerte der ganz dicken Jungs erreichen können. Umso mehr beeindruckt hat uns daher die Performance des Gebol Mulitflex, der sehr geschmeidig ist, die problemlose Ausführung von Präzisionsarbeiten erlaubt und dennoch für seine Klasse gute Werte beim Schutz gegen Schnittverletzungen und gegen Verletzungen mit spitzen Gegenständen bietet. Abriebfest ist er außerdem. Er bekommt daher von uns den Allroundtipp verliehen.

Allrounder und Spezialisten

Freilich: Er ist dennoch ein Allrounder und steht damit per Definition
in der Mitte. Sowohl rechts als auch links von ihm gibt es Spezialisten, die auf ihrem Gebiet besser sind. Wenn es um Präzision allein geht, bzw. genauer gesagt: um einen Handschuh, der maximale Präzision beim Arbeiten erlaubt und dennoch die Anforderungen der Schutzklasse 2 erfüllt, ist die Wahl einfach. Würden wir einen solchen Handschuh suchen, wir würden uns für den Honeywell Perfect Poly Skin entscheiden. Gerade 18 Gramm bringt er auf die Waage und ist von der Genauigkeit her, mit der man arbeiten kann, unschlagbar – fast wie mit bloßen Händen. Ein klarer Fall für den Präzisionstipp.

Und auf dem anderen Ende der Skala? Dort, wo wir uns richtig um unsere Finger fürchten müssten und dennoch noch einigermaßen vernünftig arbeiten wollten, würden wir zum Erba HPPE Feinstrick Nitril greifen. Er erreicht nach Norm EN 388 Bestwerte in allen Sicherheitsklassen: Schnittfestigkeit, Reißfestigkeit, Durchstichkraft, Abriebfestigkeit. Und gegen niedrig konzentrierte Säuren schützt er auch noch, obwohl das eigentlich bereits eine Aufgabe von Handschuhen einer höheren Schutzklasse ist. Federleicht kann er auf diese Art natürlich nicht sein, aber die 108 Gramm, die er wiegt, erscheinen uns für so viel Leistung akzeptabel. Und: Gemessen an seinem Schutzvermögen ist der Erba HPPE Feinstrick Nitril dennoch recht flexibel. Viele Arbeiten, die im Produktionsalltag anfallen, lassen sich damit gut erledigen. Einen Faden in eine Stecknadel einfädeln möchten wir mit ihm trotzdem nicht. Was uns nicht daran hindert, an ihn den Schutztipp zu vergeben.

Fast wie echtes Leder

Neben den Allroundern, den ganz präzisen und den ganz festen Modellen fielen einige Handschuhe mit zusätzlichen Besonderheiten auf. Zum Beispiel der Tegera Pro 9105 durch eine kaum zu toppende Ergonomie. Der passt wirklich wie eine zweite Haut, fanden unsere Tester übereinstimmend. Und dabei fühlt er sich auch noch sehr gut an. Hauptverantwortlich dafür ist das Lederimitat Microthan, das bei der Verarbeitung dieses Handschuhs verwendet wurde – vom Griff her fast nicht vom echten Leder zu unterscheiden. Auch die ergonomisch vorgeformten Finger beeindruckten die Tester. Die Norm EN 388 erfüllt der Tegera Pro 9105 natürlich auch, doch hier fallen die Werte etwas schwächer aus als bei ähnlich schweren Modellen. Den Ergonomietipp bekommt er von uns trotzdem.

Viel Tragekomfort

Sehr gut gefallen hat vielen Testern auch der LeikaFlex H-Plus 1467 von Haberkorn, auch er ein Super-Allrounder, der vor allem durch viel Beweglichkeit, aber auch durch großen Tragekomfort überzeugt. Überzeugend ist bei dieser Qualität auch sein Preis, weshalb wir ihn als eine sehr gelungene Preis-Leistungs-Synthese betrachten und ihn in dieser Kategorie auszeichnen wollen.

Und dann gibt es noch viele, viele andere Modelle, die wir nicht alle mit einzelnen Auszeichnungen kennzeichnen können, die aber dennoch spannend sind. Der Top Grip II von Engelbert Strauss zum Beispiel überrascht mit einer Optik, die direkt aus der Formel 1 entlehnt zu sein scheint. Sehr cooles Tigerdesign bietet der Würth Tigerflex. Für Arbeiten an Maschinen, wo die Hände teilweise verdeckt sein können und deshalb besonders verletzungsgefährdet sind, bietet sich der Haberkorn Neon 1446 an – weil er mit seiner Farbe regelrecht herausleuchtet. Sehr überzeugenden Kälteschutz für Arbeiten im Freien gibt es beim Erba Acryl Feinstrick Latex. Konstant wiederum bringt mit dem CutTex
PU einen Allrounder, der gerade durch Verzicht auf jeglichen Schnickschnack punktet und überdies in drei der vier Schutzkategorien Bestwerte aufweist. Kurz und gut: Bei manchen Produkten mag es die Qual der Wahl mangels Angebot nicht geben, bei Arbeitshandschuhen gibt es sie auf jeden Fall. Dafür lässt sich aber auch für jeden nur erdenklichen Zweck das richtige Exemplar finden.

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