Hafen Wien

Hafen Wien steigt ins Zustellgeschäft ein

Doris Pulker-Rohrhofer ist seit drei Jahren Technikchefin beim Wiener Hafen. Drei große Projekte stehen in diesem Jahr an - unter anderem soll ihr auch der Einstieg ins Zustellgeschäft gelingen.

Hafen Wien Logistik Doris Pulker-Rohrhofer Logistik Frauen im Management

Drei ist offenbar die dominierende Ziffer am Wiener Hafen. Dieser besteht aus den drei Häfen: Freudenau, Albern und Lobau. Insgesamt agiert der Wiener Hafen auf einer Fläche von drei Millionen Quadratmetern. Und der Hafen ist verkehrstechnisch trimodal aufgestellt: Hier fließen also Straße, Bahn und Schiff zusammen. Darüber hinaus liegt der Hafen Wien an den drei TEN-T-Korridoren (Akronym für: Trans European Networks Transport). Am größten Donauhafen Ostösterreichs werden etwas mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Und seit drei Jahren ist überdies Doris Pulker-Rohrhofer in der Geschäftsführung. Sie verantwortet, neben dem kaufmännischen Geschäftsführer Fritz Lehr, die Bereiche Logistik, Facility Management, Bau und Instandhaltung.

Transport im Blut

Die studierte Logistikerin (Wirtschaftsuniversität Wien) hat ihren Karriereweg immer schon über Transportfirmen beschritten. Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), wo sie 1994 begann, wurde sie 1999 Leiterin des Qualitätsmanagements. Und 2005 übernahm sie zudem noch die Geschäftsführung des City Air Terminal (CAT). So war klar, als vor drei Jahren der Hafen-Job ausgeschrieben wurde, dass sie sich dafür bewerben wird. Ihre bisherige Bilanz zu den drei Jahren: „Ich kann eigentlich nur Lobeshymnen aussprechen. Das Team, die Zusammenarbeit mit meinem Geschäftsführerkollegen und mit der Stadt Wien sind einfach nur als ausgezeichnet zu bezeichnen.“

White Paper zum Thema

„Wir haben aber auch viel weitergebracht“, ergänzt sie. Auch das Jahr 2018 wurde durch die gute Konjunktur beflügelt. Der Erfolg ist aber weniger das Resultat von positiven Rahmenbedingungen als vielmehr das Ergebnis erledigter Hausaufgaben. Verweilen und auf erworbenen Meriten ausruhen, ist nicht die Art von Doris Pulker-Rohrhofer. Sie dreht das Steuerrad schon weiter und ist bereits bei den nächsten Herausforderungen. Und die haben es in sich. Heuer stehen drei Projekte an.

Hafen, Wien, Handel, Verkehr, Schifffahrt, Dienstleistung, Fracht © PEROUTKA Günther

Der Wiener Hafen
Umsatz: 58,1 Millionen Euro
Mitarbeiter: 306
Zwölf Millionen Tonnen an Gütern kommen pro Jahr per Schiff, LKW und Bahn
Umschlag von 400.000 TEU (Container) pro Jahr
Eigentümer: Stadt Wien (100 Prozent)
Hauptbeteiligungen: DDSG (50 Prozent), Marina (100 Prozent), WienCont (94 Prozent), Terminal Sped (100 Prozent)

Zustellservice vom Hub

Der Hafen Wien steigt nämlich ins Zustellgeschäft ein. Schon jetzt ist der Hafen ein wichtiger Hub, an dem Waren zusammenkommen, die von dort aus in die Stadt gebracht werden. Um das zu optimieren, wurde ein eigenes Konzept erarbeitet, das sich „Hubert – Die Stadtlogistik von morgen“ nennt. „Wir wollen Pakete bei uns zusammentragen und bündeln, um sie dann geordnet in die Stadt auszuliefern. Mit dem Ziel, dass wir weniger Verkehr haben, CO2-neutral sind und für die Kunden ein zuverlässiges Service anbieten“, sagt Doris Pulker-Rohrhofer. Es geht also um die Optimierung der letzten Meile bei Lieferungen. Das rasante Wachstum des E-Commerce-Geschäfts führt dazu, dass zig Lieferwägen pro Tag kreuz und quer durch Wien rasen. Durch die Zusammenführung an einem Hub sollen die Lieferrouten deutlich effizienter werden. Damit soll etwa vermieden werden, dass eine Firma fünf Mal am Tag eine Lieferung erhält, die auch mit einer erledigt werden könnte. Als B2B-Dienstleistung wendet sich der Hafen Wien an alle Unternehmen und Geschäfte im Wiener Stadtbereich, die laufend mit Waren beliefert werden. Die Lieferung wird über Partner absolviert, die Organisation dazu übernimmt aber der Hafen Wien. „Der Vorteil unseres Angebots ist der, dass die Unternehmen dann nur einen Ansprechpartner haben, nämlich uns, und nicht – wie bisher – mehrere. Es wird also verlässlicher und die Lieferungen trudeln im Laufe eines Tages nicht ständig ein, sondern kommen gebündelt und zum vereinbarten Termin. Die ersten Kunden haben wir schon“, sagt Pulker-Rohrhofer. Welche das sind, möchte sie noch nicht verraten. Denn das Projekt geht nun erst in die Durchführungsphase. Die ersten Lieferungen sollen aber schon im ersten Quartal durchgeführt werden.

App für den Fuhrpark

Das nächste Projekt widmet sich ganz der Sicherheit des Fuhrparks. Dazu geht der Wiener Hafen mit der App „Frasped“ nun in den Vollbetrieb. Die App wurde gemein- sam mit der Universität für Bodenkultur (Boku) im eigens gegründeten „Thinkport Vienna“, eine Art Logistiklabor auf 300 Quadratmetern, entwickelt. Damit erhalten LKW-Fahrer vor der Fahrt (je nach gewünschtem Intervall – bei jeder Fahrt, wöchentlich oder monatlich) eine eigene Checkliste auf das Smartphone. Die einzelnen Punkte müssen dann überprüft werden. Der Nachweis der Überprüfung erfolgt über SST (Smart Start Tags), die am Fahrzeug angebracht sind. Die Ergebnisse kann dann der Fuhrparkmanager sofort online einsehen. „Das gibt den Unternehmen die Sicherheit, dass die Fahrzeuge in Ordnung sind“, sagt Doris Pulker-Rohrhofer.

Und zu guter Letzt erhält der Alberner Hafen ein Tor. Nicht irgendein Tor. Sondern ein riesiges Stahltor. Und das schließt man, wenn Hochwasser zu kommen droht. Damit bleiben Güter, Flächen und Gebäude trocken. Ein wichtiges Asset für einen Hafen. Baubeginn ist heuer – in 30 Monaten soll die Stahlpforte stehen. Freudenau ist bereits seit 2013 hochwassersicher.

Aufgrund des ständigen Wachstums leidet der Wiener Hafen an chronischer Platznot. Dieser verfügt zwar über die stolze Fläche von drei Millionen Quadratmetern, was in etwa der Größe des Central Parks in Manhattan oder dem ersten Wiener Gemeindebezirk entspricht. Aber Grund ist rar und teuer. Daher wurde Wasser zu Boden gemacht. „Wir haben 2017, über das Projekt „Landgewinnung“, das Hafenbecken in der Freudenau verkleinert und dadurch dem Wasser mittels Aufschüttungen 70.000 Quadratmeter an Grundfläche abgerungen“, sagt Pulker-Rohrhofer. Das wurde in zwei Tranchen absolviert: 2013 und 2017. Kaum war der Asphalt trocken, sind die Flächen schon genutzt worden. Ebenfalls 2017 wurde ein neues Gelände gekauft, das „HQ7“ (in der 7. Haidequerstraße im elften Wiener Gemeindebezirk) genannt wird und sechs Hektar (60.000 Quadratmeter) groß ist. Das entspricht der Größe von acht Fußballplätzen. Platz für Büros, Werkstätten, Lagerhallen, Garagen und Parkplätze. Dieser Grundstückszukauf ist der größte seit der Gründung (1979) des Wiener Hafens. Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer: „Wir sind also ständig auf der Suche nach Flächen, die wir hinzunehmen können.“

Firmen liegen vor Anker

Der Wiener Hafen bietet neben seinen professionellen Logistikdienstleistungen auch die Vermietung von Gewerbeimmobilien an. Ein enormer Vorteil für Kunden: Der Hafen liegt nur wenige Autominuten vom Wiener Zentrum entfernt und den- noch gibt es keine Anrainerprobleme, die sonst in einem zentralen Industrie- gebiet lauern. Die Größe und Modernität des Hafens sind vielfach ein Grund, warum sich Unternehmen hier ansiedeln. Davon gibt es bereits mehr als 100 Firmen, überwiegend aus der Transport- und Speditionsbranche. Beim Wiener Hafen können vom Kleinbüro bis hin zu ganzen Stockwerken beziehungsweise Trakten Lagerflächen und Lagerhallen angemietet werden – je nach Bedarf. Sogar Superädikate (der Bau auf fremdem Grundstück) sind möglich. Hinzu kommt, dass am Standort auch sämtliche Dienstleistungen im Logistikbereich angeboten werden. Die Mieter goutieren das und mieten daher überwiegend langfristig. Manche Firmen verlegen sogar komplett ihren Standort zum Wiener Hafen. Das unterstreicht den Stellenwert des Unternehmens für die Wiener Region.

© PEROUTKA G?nther / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

„Ziel ist es, dass sich Frauen aus dem Logistikbereich kennenlernen, sich vernetzen und austauschen. Frauen sollen sichtbarer werden.“
Doris Pulker-Rohrhofer über den kürzlich gegründeten DamenLogistikClub

Club für Logistikerinnen

Und wenn Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer mit ihrer Arbeit am Hafen fertig ist, dann kümmert sie sich um den weiblichen Nachwuchs. Denn der Logistikbereich ist größtenteils noch eine Männerdomäne. Daher hat sie, gemeinsam mit drei weiteren hochrangigen Logistikerinnen, einen eigenen Verein im Vorjahr gegründet: den DamenLogistikClub. „Ziel ist es, dass sich Frauen aus dem Logistikbereich kennenlernen, sich vernetzen und austauschen. Es geht darum, dass Frauen sichtbarer werden.“ Der Verein hat bereits für gehörige Aufmerksamkeit gesorgt. Knapp 100 Mitglieder zählt der DamenLogistikClub bereits. Und wenn auch das erledigt ist, dann widmet sie sich ihrer großen außerberuflichen Leidenschaft – Afrika. Gemeinsam mit ihrem Ehemann war sie bereits 13 Mal auf dem schwarzen Kontinent, zuletzt in Angola. Es sind fast immer längere, also etwa zweiwöchige Reisen. Und wenn sie nicht dort ist, dann schnappt sie sich auch gerne ein Buch und liest über die Länder, die sie schon bereist hat oder bereisen wird. Dabei lässt sie aber eine andere Leidenschaft nie los: Denn auch bei der Länderlektüre oder bei ihren Reisen achtet sie immer auf die Infrastruktur und die ökonomischen Gegebenheiten.

>> Hier geht's zu weiteren wichtigen Frauen Österreichs: Das sind die 100 wichtigsten Frauen des Landes

Verwandte tecfindr-Einträge