Papierindustrie

Gutes Jahr 2015 für die heimische Papierindustrie

Die Papierindustrie in Österreich meldet ein "gutes Geschäftsjahr 2015" - trotz der stagnierenden Umsätze. Die Produktion stieg trotz Rückgängen beim inländischen Verbrauch um zwei Prozent. Der Fachverband Austropapier wiederholt zugleich seine Kritik an Ökostromkosten und Biomassekraftwerken.

Das Match zwischen der Papierindustrie und Biomassekraftwerken um den Rohstoff Holz geht in die nächste Runde. Der Verband Austropapier warnte diese Woche vor einer Explosion der Ökostromkosten auf 1,35 Mrd. Euro im Jahr 2017. Zwischen 2010 und 2015 haben sich die von Unternehmen und privaten Haushalten zu bezahlenden jährlichen "Vergütungen" nahezu auf 1 Mrd. Euro verdoppelt.

Wiederholte Kritik an Biomasse

Die Papierindustrie ist schon seit Jahren scharfer Kritiker der geförderten und "ineffizienten" Biomassekraftwerke, weil sie den Holzmarkt beeinflussen und die Holzpreise steigen lassen. "Wir fordern nichts anderes als gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer", sagte der Vizepräsident der Austropapier, Christian Skilich, bei der Papierindustrie-Branchenbilanz in Wien. "Die Tarifförderung lenkt immer mehr Holz in Richtung Verbrennung und unsere Betriebe müssen diese Situation auch noch über ihre Stromrechnung mitfinanzieren", kritisierte Skilich.

Laut Austropapier wird heuer Ökostrom mit einem Marktwert von 377 Mio. Euro über das Ökostromgesetz mit 1,2 Mrd. Euro gefördert. Wie bereits mehrmals gefordert, wünscht sich die Papierindustrie für Ökostromanlagen (Wind, Photovoltaik und Biomasse) Investitionsförderungen statt "teurer Einspeisetarife". Der Verband fordert einen "Umbau" des Ökostromgesetzes, bei dem unter anderem auch Effizienzkriterien für geförderte Biomasseanlage enthalten sind. Auch soll nur jenes Holz für die Verbrennung in Biomassekraftwerken verwendet werden, das stofflich nicht verwertbar ist.

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Als "gutes Jahr" trotz der stagnierenden Umsätze bewertet die Papierindustrie das Geschäftsjahr 2015 . "Wir haben es geschafft, trotz Rückgängen im inländischen Verbrauch die Papierproduktion um 2,0 Prozent zu steigern", zeigte sich der Präsident der Papierindustrie, Alfred Heinzel, zufrieden. Der Exportzuwachs sei hauptsächlich auf die umliegenden EU-Staaten, Südamerika und den Nahen und Mittleren Osten zurückzuführen, so Heinzel. Die Exportquote der Branche lag 2015 bei 87 Prozent.

Umsatz steigt trotz Rückgängen beim Verbrauch

Der Umsatz der österreichischischen Papierindustrie erhöhte sich 2015 im Vergleich zum Jahr davor nur leicht um 0,8 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro. Die gesamte Papierproduktion von 24 Betrieben mit knapp 8.000 Beschäftigen stieg um 2 Prozent auf 5 Mio. Tonnen, davon waren 2,7 Mio. Tonnen grafische Papiere (+0,2 Prozent), 1,9 Mio. Tonnen Verpackungspapiere (+4,9 Prozent) und 280.000 Tonnen Spezialpapiere (+1,5 Mio. Tonnen).

Die Zellstoffproduktion ging aufgrund von zwei umbaubedingten Anlagenstillständen um 6,8 Prozent auf 1,8 Mio. Tonnen zurück, soll aber 2016 wieder deutlich ansteigen. Aufgrund einer großen Menge Schadholz durch Borkenkäfer im Hitzesommer 2015 ging die Importquote der Papierindustrie beim Rohstoff Holz auf 28 Prozent zurück, sie soll heuer aber wieder auf rund 35 Prozent steigen.

Künftige Positionierung als "Bioraffinerie"

Der Präsident der Papierindustrie will seine Branche in der Öffentlichkeit stärker als "Bioraffinerie" präsentieren. Es gehe darum, den Rohstoff Holz möglichst umfassend zu nutzen und wiederzuverwerten, betone Heinzel. Die Branche produziere nicht nur mehr Papier und Zellstoff, sondern auch Ökostrom, Faser- und chemischen Produkte, etwa Textilgarne, faserverstärkte Kunststoffkomponenten und Lebensmittelzusatzstoffe. (apa/red)

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