Ab 1. Oktober ist es soweit: Die Deutsch-österreichische Stromzone wird getrennt

Die Einschränkung des Stromhandels zwischen Österreich und Deutschland, die sogenannte Trennung der Strompreiszone, ist ab 1. Oktober wirksam. Dabei wird die Kapazität im Handel verknappt, technisch bleiben die Leitungskapazitäten unverändert. Dies führt in Österreich mit bereits gestiegenen Großhandelspreisen zu etwas höheren Strompreisen. Einzelne Anbieter erhöhen bereits.

Rückschritt im gemeinsamen Europäischen Markt: Ab 1. Oktober wird die gemeinsame Stromhandelszone zwischen Deutschland und Österreich getrennt.

Durch die seit langem bekannte Kapazitätsverknappung an der deutsch-österreichischen Grenze werde es lediglich geringe verteuernde Preiseffekte bei uns geben, im niedrigen einstelligen Prozentbereich, meinte zu Wochenbeginn der Vorstand der Energieregulierungsbehörde E-Control, Wolfgang Urbantschitsch. Es sei noch die Frage, wie sich das dann auf die Endkundenpreise auswirke, denn nur rund ein Drittel der Stromrechnung entfalle ja auf die Energiekomponente.

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Die Großhandels- und Börsenpreise für Strom in Österreich und Deutschland steigen seit einiger Zeit, auch schon vor der Trennung der beiden Preiszonen. "Wir werden aber sehen, wie die Richtung wirklich weitergeht. Im Augenblick ist es so, dass man eben diese Preissteigerungen erkennen kann, aber in Wahrheit kann es niemand sagen, wie stark die Richtung nach oben weist", so Urbantschitsch heute im "ORF-Morgenjournal". Durch einen Wechsel des Stromlieferanten könne man die Kosten senken, diese Preisersparnis, gehe dann auch über diese Preissteigerungen vielfach hinaus.

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In technischer Hinsicht betrage die Leitungskapazität an der deutsch-österreichischen Grenze weiterhin 9 bis 10 Gigawatt (GW), von denen aber nur noch 4,9 GW für Langfristprodukte von Stromhändlern vorgesehen seien, so E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer zu Wochenbeginn. Die 4,9 GW entsprechen in etwa der Hälfte des österreichischen Stromverbrauchs in Spitzenzeiten.

Die Kontingente werden künftig versteigert. "Sie müssen sich das so vorstellen, wie wenn Sie einen Kauf in Deutschland im Internet machen und dann bei der Lieferadresse halt jetzt Österreich statt Deutschland eingeben und dann aufgrund dieser Lieferadresse Österreich eine zusätzliche Transportkomponente entsteht", so Eigenbauer kürzlich im "ORF-Radio".

Bisher war der bilaterale Stromhandel zwischen Österreich und Deutschland vertraglich gesehen unbegrenzt möglich. Auf den Kompromiss zur Auftrennung der seit 2002 bestehenden gemeinsamen Strompreiszone haben sich der österreichische und deutsche Regulator (Bundesnetzagentur) Mitte Mai vergangenen Jahres nach langen Diskussionen geeinigt. Basis dafür war eine Entscheidung der europäischen Regulatoren (ACER), die nach Beschwerden aus Polen und Tschechien aktiv wurden. Die E-Control hat die EU-Gerichte angerufen, eine Entscheidung gibt es noch nicht.

Deutschland bekommt wegen fehlender Stromleitungen Windstrom vom Norden nicht in den Süden zu den Verbrauchszentren. Er fließt in sogenannten Ringflüssen (Loop-Flows) über Polen und Tschechien nach Süden. Die Leitungen in Tschechien und Polen glühen, wenn der Strom aus Windkraft im Norden Deutschlands über ihre Netze nach Süddeutschland fließt. Zu Kosten führen auch die dadurch notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Stromnetze durch die Übertragungsnetzbetreiber.

Vertreter der österreichischen E-Wirtschaft und Experten weisen daher darauf hin, dass Preiszonentrennung eigentlich innerhalb Deutschlands - an der Nordgrenze Bayerns - verlaufen müsste. Österreich und auch Länder wie Slowenien oder Kroatien haben günstigen Wind- und Solarstrom aus Deutschland importiert.

Der Branchenverband Oesterreichs Energie sieht die Trennung der Preiszone nach wie vor als falschen Weg, die Unternehmen hätten sich aber intensiv auf die neue Situation vorbereitet. Der Vorteil der gemeinsamen Preiszone sei gewesen, dass man auf einem relativ großen und transparenten Marktplatz gesichert Geschäfte habe machen können, hieß es aus dem Verband zur APA. Möglichst große Preiszonen mit sauberer, transparenter und nachvollziehbarer Preisbildung müssten daher eines der Ziele künftiger Energiepolitik sein.

Berechnungen der Österreichischen Energieagentur zeigten, dass sich die Mehrkosten der Haushalte in einem moderaten Rahmen bewegen dürften, da nur der Energieanteil der Stromrechnung betroffen sei, so Geschäftsführer Peter Traupmann Anfang September. Zudem hätten in den vergangenen Monaten die Stromgroßhandelspreise deutlich angezogen.

Einzelne Landesenergieversorger haben für ihre Haushaltskunden Preiserhöhungen angekündigt bzw. bereits durchgeführt. Begründet wird dies neben höheren Beschaffungskosten auch mit der Trennung der Strompreiszone. Die Strom- und Gasrechnung besteht aus drei Komponenten: Dem reinen Energiepreis - nur hier ist ein Anbieterwechsel möglich -, den standortabhängigen Netzgebühren sowie Steuern und Abgaben. Der Energiepreis macht rund ein Drittel des Gesamtpreises aus. Fast 30 Prozent entfallen laut Oesterreichs Energie auf die Netzkosten und fast 40 Prozent auf Steuern und Abgaben wie beispielsweise Ökostromförderkosten oder die Umsatzsteuer.

Für Kunden der EnergieAllianz Austria - Wien Energie, EVN und Energie Burgenland - wird Strom ab 1. Oktober teurer. Die Stromrechnung für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) steigt um rund 3 Euro im Monat. Betroffen von den Preisänderungen sind knapp eine Million Stromkunden.

Bei der Salzburg AG ist Strom bereits seit 1. Juli teurer. Ein Durchschnittshaushalt muss um 2,69 Euro mehr pro Monat für Strom bezahlen. Die Energie Steiermark erhöht den Strompreis per Anfang kommenden Jahres. Die Mehrkosten für einen durchschnittlichen Haushalt werden mit rund 2 Euro pro Monat beziffert.

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