Stahlindustrie

Größter Wirtschaftsskandal Japans: Kobe Steel fälscht seit 50 Jahren

Beim angeschlagenen japanischen Stahlkonzern Kobe hat Konzernchef Hiroya Kawasaki einem Nachfolger Platz gemacht. Rund um den Hersteller tobt der größte Wirtschaftsskandal des Landes. Offenbar gibt es seit fast 50 Jahren Fälschungen mit Produktdaten. Unter den Kunden sind Autokonzerne weltweit sowie etwa Boeing.

Der skandalgeschüttelte japanische Stahlkonzern Kobe Steel hat einen neuen Chef. Mitsugu Yamaguchi, bisher Leiter des Maschinengeschäfts, wird den Chefposten übernehmen und damit Hiroya Kawasaki ersetzen, der vergangene Woche wegen der Tricksereien bei Produktdaten seinen Abgang als Vorstandschef angekündigt hatte.

Untersuchungen externer Prüfer hatten ergeben, dass die Ursache für die Datenfälschungen bei Japans drittgrößtem Stahlkonzern auch in der Führungsstruktur gelegen waren.

Kobe Steel steht für einen der größten Skandale in der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Das Unternehmen hatte vergangenen Herbst zugegeben, über Jahre falsche Angaben zu Festigkeit und Haltbarkeit von Aluminium-, Kupfer- und Stahlprodukten gemacht zu haben. Diese werden weltweit in Autos, Zügen, Flugzeugen und anderen Erzeugnissen eingesetzt. Konkrete Sicherheitsprobleme sind bis jetzt nicht bekannt.

Gefälscht wird offenbar seit fast 50 Jahren

Fünf Monate nach Auffliegen des Skandals um gefälschte Produktangaben beim japanischen Stahlkonzern Kobe Steel hat der Chef seinen Rücktritt angekündigt.

Externe Prüfer haben weitere Tricksereien bei dem von einem Skandal um gefälschte Produktdaten erschütterten japanischen Stahlkonzern aufgedeckt. Konzernchef Hiroya Kawasaki nimmt per 1. April deshalb seinen Hut, teilte der drittgrößte Stahlkonzern Japans mit.

Skandal kam im Oktober ins Rollen

Anfang Oktober hatte Kobe Steel erklärt, Angestellte hätten Angaben über Produkte "geschönt" oder einfach erfunden, um die ehrgeizigen Vorgaben ihrer Vorgesetzten zu erfüllen. Nach und nach kam heraus, dass dies nicht nur in einer Abteilung der Fall war, und nicht nur in einem begrenzten Zeitraum: Die "schlechten Praktiken" habe es "an zahlreichen Stellen" gegeben, erklärte der Konzern, und sie seien "tief verankert".

Geschädigt wurden fast 700 Kunden weltweit

In einigen Fällen würden Produkte bereits seit den 70er Jahren mit gefälschten Angaben ausgeliefert; mit einigen Kunden habe sich der Konzern diskret auf Entschädigungen geeinigt.

Externe Ermittler haben nun einen Untersuchungsbericht vorgelegt. Demnach habe es bei der Mooka Aluminium Anlage mindestens seit den 1970er-Jahren Fälle von gefälschten Daten gegeben, heißt es darin. Kobe Steel habe die Kunden bereits über den neuen Fall informiert. Die Beteiligung des Managements an den Fälschungen beschränke sich auf das Aluminium-und Kupfergeschäft.

Autokonzerne, aber auch Boeing unter Großkunden

Insgesamt sind nach ersten Angaben von Kobe Steel über 500 Kunden betroffen - eine unabhängige Untersuchungskommission fand aber 163 mehr, so dass sich die Gesamtzahl mittlerweile auf fast 700 beläuft. Beliefert wurden vor allem Unternehmen in Japan wie Toyota, Honda und Mazda, aber auch im Ausland wie General Motors oder Boeing.

Noch vor seinem Rücktritt sagte Konzernchef Kawasaki, der Vertrauensverlust der Kunden sei "zutiefst bedauernswert". Kobe Steel beliefere seine Kunden seit mehr als 112 Jahren. Neben dem Chef treten auch mehrere hohe Manager zurück, manche verzichten auf Teile ihres Gehalts.

Die finanziellen Folgen des Skandals beziffert das Unternehmen bisher auf 10 Milliarden Yen (77 Mio. Euro). Trotz des Skandals steht Kobe Steel gut da: Anfang Februar erhöhte der Konzern sogar aufgrund der "stabilen Nachfrage" seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Kobe Steel erwartet einen Nettogewinn von umgerechnet 346 Mio. Euro.

Der Aktienkurs des Stahlkonzerns war nach Bekanntwerden des Skandals um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Mittlerweile hat er sich erholt, das Minus liegt noch bei 19 Prozent.

(reuters/afp/apa/red)