Logistik

Grenzsperren: Speditionen nehmen Umwege über halb Europa

Die deutschen Grenzschließungen zu Tirol und Tschechien behindern die Wirtschaft und gefährden die Lieferketten. Speditionen müssen lange Umwege fahren: für Transporte aus Italien über Slowenien und die Karawanken, für Transporte aus Tschechien teilweise über Polen.

Die Grenzschließungen Deutschlands zu Tirol und Tschechien behindern die Wirtschaft und lassen sie Umwege und Mehrkosten in Kauf nehmen, um den Betrieb aufrecht zu halten. So schildert die Hegelmann Group in einer Aussendung, dass sie teilweise Transporte aus Italien über das Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und Slowenien in den Karawanken umleitet, tschechische Importe teilweise über Polen schickt. Wo das nicht geht, müssten die Fahrer Warteschlagen in Kauf nehmen.

Deutsche Speditionen: Situation für Fahrer "alarmierend"

Die Situation der Fahrer sei "alarmierend", so das deutsche Unternehmen. Es fehle an Testkapazitäten für die Fahrer, obwohl sie an der Grenze einen aktuellen Test vorlegen müssen, auch würden die Kosten auf die Speditionen abgewälzt. Es gebe "kilometerlange Staus". "Bedarfsgerechte Lieferzusagen sind unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich, sodass es erneut zu Stillständen in der Produktion und leeren Regalen in den Supermärkten kommen könnte", sagt Siegfried Hegelmann, Managing Shareholder bei der Hegelmann Group.

Parallel dazu kämpfen "stationäre" Unternehmen in Bayern mit den Beschränkungen für ihre pendelnden Mitarbeiter. Grenzgänger aus Tirol und Tschechien brauchen für ihre Einreise inzwischen eine Bescheinigung der deutschen Behörden.

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Bayerns Innenministerium hatte rund 2.500 systemrelevante Betriebe gemeldet, die weiter Grenzgänger beschäftigen dürfen. Nachmeldungen sind zwar möglich, aber erst mit der amtlichen Bescheinigung können die Pendler dann über die Grenze. Einige Betriebe versuchen nun laut Brunner, für ihre Mitarbeiter aus Tirol Hotelzimmer in Deutschland zu organisieren. "Es ist unglaublich, was die Unternehmen, aber vor allem die Pendler alles auf sich nehmen", so Brunner. (apa/red)