Kunststoffindustrie

Greiner konzentriert sich auf Brics - und engagiert Joschka Fischer

Negative Währungseffekte bescheren dem oberösterreichischen Kunststoffverarbeiter einen Umsatzrückgang auf 2,4 Prozent. Für heuer erwartet Greiner ein organisches Wachstum von bis zu sieben Prozent. Für Beratungen engagiert die Gruppe politische Prominenz: Den ehemaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer.

Die kunststoffverarbeitende Greiner Holding mit Sitz in Kremsmünster im Bezirk Kirchdorf hat den Konzernumsatz 2016 um 2,4 Prozent auf 1,475 Mrd. Euro gesteigert. Währungseffekte hätten sich negativ auf die Zahlen ausgewirkt, bedauerte der Vorstandsvorsitzende Axel Kühner kürzlich in Linz. Für heuer peilt er fünf bis sieben Prozent organisches Wachstum an.

Joschka Fischer wird jetzt Plastikberater

Im Rahmen des Projekts "Plastics for Life" will Greiner die Behauptung kommunizieren, dass Kunststoff und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sei. Dazu hat sich der Produzent unter anderem die Beratung durch "Joschka Fischer & Company" gesichert.

Negative Währungseffekte drücken auf das Ergebnis

2015 war betrug das Umsatzplus noch neun Prozent. Damals begründete das Familienunternehmen den Anstieg mit 134 Standorten in 30 Ländern damals unter anderem mit positiven Kurseffekten.

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Genau diese seien 2016 negativ gewesen. Sie hätten den Erlös um 2,5 Prozent gedrückt, rechnete Finanzvorstand Hannes Moser vor und verwies auf Auswirkungen der politischen Entwicklungen auf US-Dollar, Britisches Pfund und Polnische Zloty. Das organische Wachstum habe knapp 5 Prozent betragen.

Von den einzelnen Geschäftsbereichen legten Greiner Packaging (Anteil am Gesamtumsatz der Gruppe 39 Prozent) beim Umsatz um 4 Prozent zu, Greiner Bio-One (31 Prozent Anteil) um 6 Prozent. Greiner Foam (25 Prozent) verlor 4 Prozent.

Aufträge aus der Autoindustrie steigen wieder

Das wird darauf zurückgeführt, dass 2013 ein später abgeblasener Verkauf der Produktpalette für die Automobilindustrie geplant war, was die Abnehmer verunsichert und zu Auftragsrückgängen geführt habe. Mittlerweile würden sie wieder hereinkommen. So würden erneut die Hutablagen für alle BMW-Modelle von Greiner produziert. Der Umsatz der Greiner Extrusion Group (5 Prozent Anteil) blieb gleich.

Die Greiner Gruppe macht 75 Prozent ihres Umsatzes in Europa, dieser Anteil ist jedoch rückläufig (2014: 82 Prozent). "Auch wenn wir in Europa zulegen, andere Regionen wachsen noch stärker", vergleicht Kühner. Deshalb liegt der Fokus der Globalisierungsstrategie von Greiner neben den USA auf den BRICS-Staaten.

Aktuell haben Nordamerika und Asien je 10 Prozent Anteil, Südamerika 3 der Rest der Welt 2 Prozent. 2016 gründete Packaging ein Joint Venture mit einem indischen Unternehmen, womit man sich mit Lebensmittelverpackungen für die Molkereiindustrie in Stellung brachte.

Konzentration auf Brics - Erweiterung in Brasilien abgeschlossen

Die Erweiterung des Produktionsstandortes von Greiner Bio-One in Brasilien wurde im Herbst abgeschlossen. Ein langjähriger Vertriebspartner für Bio-One in Italien wurde übernommen, ein Vertriebsbüro in der Türkei gegründet.

Um global zu bedienende Aufträge von großen Automobilherstellern auch künftig optimal abwickeln zu können gründete Greiner Foam International Joint Ventures in China und Mexiko.

Anzahl der Mitarbeiter in Österreich stabil bei 2.500

Der Cashflow nahm 2016 gegenüber dem Jahr davor um 12 Prozent auf 148 Mio. Euro zu. So konnten sämtliche Investitionen in der Höhe von 101 Mio. Euro (plus 7 Prozent) daraus finanziert werden.

Das Geld wurde für die Erweiterung von Standorten sowie Erneuerung von Maschinen und Anlagen ausgegeben, darunter 41 Mio. Euro in Österreich. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 9.299 auf 9.722 gewachsen. In Österreich ist sie mit rund 2.500 so gut wie stabil geblieben. Die Steigerung kommt hauptsächlich aus den Überseemärkten.

Übernahme eines Herstellers in Schweden

Im Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr gaben die Chefs die Übernahme von 67,75 Prozent der Anteile an der Vigmed Holding AB in Helsingborg in Südschweden bekannt.

Das ist ein Patentinhaber, Entwicklungs- und Handelsunternehmen von Venenverweilkanülen - genau das Gegenteil von den Blutentnahme-Kanülen von Bio-One. Die Firma mit 11 Mitarbeitern und Lohnproduktion Schweden und Indien setzte zuletzt 400.000 Euro um.

Niederösterreicher tätigen mehrere weitere Übernahmen

Weiters hat Packaging ein Joint Venture mit Plastic System in Noginsk, rund 40 Kilometer östlich von Moskau gegründet. Es ist mit 230 Mitarbeitern und 17 Mio. Euro Umsatz im Bereich Eimer für Farben und Chemikalien tätig. Darüber hinaus wird ab Herbst die Zentrale in Kremsmünster um 17 Mio. Euro zu einem Campus mit unter anderem einem neuen Ausbildungszentrum ausgebaut - Fertigstellung Anfang 2019.

Weiters hat Bio-One einen langjährigen Handelspartner mit Niederlassungen in Spanien und Portugal übernommen, und baut seinen Standort in Frickenhausen in Deutschland zur Maximalkapazität aus.

Greiner aerospace übernahm Cartrim Aircraft mit Werken in Deutschland und Bosnien-Herzegowina, um nicht nur Sitzkissen, sondern auch Überzüge für Flugzeugsitze liefern zu können. (apa/red)

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