Kunststoffe

Greiner kann mit Umsatzplus der Flaute trotzen

Für das vergangene Geschäftsjahr meldet der oberösterreichische Kunststoffkonzern ein deutliches Umsatzplus. Derzeit sind die einzelnen Sparten sehr unterschiedlich ausgelastet - trotzdem werde Greiner das entgangene Geschäft wieder hereinholen, meint Konzernchef Axel Kühner.

Im Bild das Gebäude C auf dem Areal des Unternehmens.

Der Kunststoffkonzern Greiner mit Sitz in Kremsmünster in Oberösterreich hat seinen Umsatz 2019 um 3 Prozent auf 1,68 Mrd. (2018: 1,63 Mrd.) Euro gesteigert. Auch wenn man 2021 die Auswirkungen der Krise noch deutlich spüren werde, ist Konzernchef Axel Kühner optimistisch, dass Greiner "den ganz großen Teil" des entgangenen Geschäfts wieder aufhole.

Trotzdem verzichtet der Hersteller aktuell auf eine Prognose für heuer: "Die Auswirkungen des Virus auf die Weltwirtschaft und auf Greiner sind noch nicht im Detail abschätzbar. Ein belastbarer Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr ist aus heutiger Sicht nicht möglich", heißt es bei Greiner.

Konzernchef Kühner: Greiner wird "den ganz großen Teil" wieder aufholen

Die stärksten Sparten des Konzerns waren 2019 mit rund 690 Mio. Euro Umsatz Packaging und der Medizintechnik-Bereich Bio-One (509 Mio. Euro). Diese konnten auch ein Umsatzplus von 2 (Packaging) bzw. 8 Prozent (Bio-One) verbuchen, während Foam (401 Mio. Euro) und Extrusion (78 Mio. Euro) jeweils um 2 Prozent rückläufig waren.

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Bei Extrusion sei bereits im Vorjahr eine gewisse Zurückhaltung beim Kauf weltweit zu bemerken gewesen, erklärte Kühner, bei Foam ist der niedrigere Umsatz eher auf geringere Rohstoffpreise zurückzuführen, man habe deswegen nicht weniger Geschäft gemacht, betonte er. Ergebniszahlen nennt der Konzern traditionell nicht.

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Sehr unterschiedliche Auslastung

Heuer sei diese "Zweiteilung" noch viel deutlicher zu spüren, berichtete Kühner: Der Bereich Foam, der u.a. Bauteile für Pkw und Flugzeugsitze herstellt, und die Technologie-Sparte Extrusion, spüren die Corona-Krise direkt, bereiten sich aber derzeit auf das Wiederanlaufen des Geschäftes vor. Beide Bereiche haben Kurzarbeit. Packaging und Bio-One nicht.

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Deren Produkte sind momentan gefragt, sie sind besser ausgelastet als die anderen beiden Sparten. Die Belieferung der Autoindustrie und der Luftfahrtindustrie sowie die Nachfrage nach Investitionsgütern sind bei den Sparten Greiner Foam und Greiner Extrusion dagegen aktuell rückläufig.

Greiner, AG, Schaumstoff, kunststoff, verpackung © Foto WEINFRANZ / Greiner AG

Greiner hat die Übernahme von Eurofoam im April 2020 beendet.

Diversifikation bewährt sich in Zeiten von Corona

Bio-One, das sich im Vorjahr auch aufgrund einiger neuer Produkte gut entwickelt hat, spüre nun zwar auf der einen Seite einen zwischenzeitlichen Nachfragerückgang, der auf die Schließung der Ordinationen und den Notbetrieb in den Krankenhäusern zurückzuführen sei, so Kühner. Andererseits sei die Nachfrage nach Produkten im Zusammenhang mit Covid-19 - etwa Röhrchen für Tests, Abstrichbestecke, Masken, Gesichtsschilder etc. - stark gestiegen. "Aber wir wissen noch nicht, wie sich diese beiden Effekte über das Jahr verhalten werden", so Kühner. Er könne noch nicht abschätzen, wie sich das aktuelle Geschäftsjahr für Bio-One entwickeln werde.

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Packaging profitiere derzeit davon, dass seine Verpackungen etwa für Waren aus dem Supermarkt "im Lock-down und im Home Office" stark nachgefragt seien. Verpackungen für den von der Krise eher betroffenen Food-Service-Bereich wie beispielsweise Styroporbehälter etc. mache Greiner kaum, so Kühner.

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Eckdaten zum Hersteller - 1.450 Menschen in Österreich in Kurzarbeit

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 beschäftigte Greiner 10.745 Mitarbeiter an 34 Standorten in 140 Ländern weltweit, 2.543 davon in Österreich. Von jenen in Österreich sind derzeit 1.450 in Kurzarbeit. International sind ca. 2.720 Greiner-Mitarbeiter von Arbeitszeitreduktion betroffen. Auf das Home Office - das derzeit etwa 40 Prozent des Büropersonals betreffe - sei man gut vorbereitet gewesen, weil man heuer unabhängig von Corona eine Home-Office-initiative gestartet habe, die sich nun auszahle, so der CEO. Die Erfahrungen seinen gut und man werde einiges aus der Corona-Zeit wie Home Office, Videokonferenzen etc. auch künftig beibehalten.

Forschungseinheit "Innoventures" gestartet

Zum Start der Forschungseinheit "Innoventures", die skalierbare Geschäftsmodelle und den Aufbau eigener Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten zum Ziell hat, meint Finanzvorstand Hannes Moser, mit dem Start dieser Einheit habe der Konzern "Voraussetzungen für Innovationen, die nicht am Kerngeschäft von Greiner gelagert sind, sowie für die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche geschaffen."

(red mit apa)

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Greiner, Vorstand, v.l., Hannes, Moser, Axel, Kühner © SILVIA WITTMANN_WWW.MARTINUNDSILVIA.AT / Greiner AG

Von links: Finanzvorstand Hannes Moser und Vorstandsvorsitzender Axel Kühner.

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