Rohstoffe

Greenpeace warnt vor dem zerstörerischen Bergbau in der Tiefsee

Große Industrienationen planen die massive Ausbeutung von Bodenschätzen auf dem Grund der Meere und Ozeane. Die Folgen des schweren Eingriffs in die empfindlichen Ökosysteme hätten verheerende Folgen, warnen Umweltschützer.

Die Umweltorganisation Greenpeace warnt vor dem aufstrebenden Tiefsee-Bergbau und fordert die deutsche Regierung auf, sich nicht daran zu beteiligen. In einem veröffentlichten Bericht heißt es, der schwere Eingriff in das Ökosystem auf dem Meeresboden hätte möglicherweise "katastrophale Folgen" für Tiere und Pflanzen. Zahlreiche Länder haben sich bereits Abbaulizenzen gesichert.

Rohstoffe für Elektroautos, Windräder und Spartphones werden knapp

Die Länder sind an sogenannten Manganknollen interessiert, die in tausenden Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegen. Sie enthalten große Vorkommen an Kobalt, Kupfer, Nickel und seltenen Erden, die in digitalen Geräten wie Handys, Computer oder Batterien verbaut werden. Die Nachfrage nach solchen Rohstoffen steigt weltweit. Das Freiburger Öko-Institut warnt bereits davor, dass Kobalt in drei bis fünf Jahren knapp werden könnte. Die unterseeischen Vorkommen übersteigen laut Schätzungen die Ressourcen an Land um ein Vielfaches.

Panzergroße Maschinen wälzen die Meeresböden um

Um die Knollen zu ernten, müssen laut Greenpeace panzergroße Maschinen sie mit Walzen aus dem Sediment ausgraben. Dabei trügen sie die gesamte mit Meereslebewesen bevölkerte Schicht des Bodens mit ab. Die so freigesetzten Sedimentwolken könnten die Nahrungskette im Meer empfindlich stören, zum Absterben von Plankton und Kleintieren führen und Fischen ihre Nahrungsgrundlage rauben. Das gesamte Ökosystem wäre demnach gefährdet.

White Paper zum Thema

Laut Greenpeace erforscht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe derzeit zwei Tiefseeregionen im pazifischen und Indischen Ozean. Insgesamt habe die zuständige Internationale Seebodenbehörde (ISA) bis jetztg 29 Lizenzen für eine Fläche größer als Spanien erteilt. Neben Deutschland planen demnach auch China, Korea, Großbritannien, Frankreich, Russland den Einstieg in den Tiefsee-Bergbau.

Greenpeace fordert ein Hochseeschutzabkommen der Vereinten Nationen, um die wenig erforschte Tiefsee vor den Schäden des Bergbaus zu schützen. (afp/apa/red)