Hintergrund

Grasser-Prozess: Ernst Plech als großteils Abwesender beim Prozess

Der Immobilienmakler Ernst Karl Plech ist wohl der in der Öffentlichkeit unbekannteste der Angeklagten im Grasser-Prozess. Aus gesundheitlichen Gründen ist er, von Grasser einst an die Spitze des Aufsichtsrats der Buwog gesetzt, bei der Verhandlung meist nicht dabei.

Hintergrund Standort Österreich Buwog

Der Immobilienmakler Ernst Karl Plech ist wohl der in der Öffentlichkeit unbekannteste jener vier Angeklagten, die laut Anklage einen gemeinsamen Tatplan zur Bereicherung durch Korruption während der Amtszeit von Finanzminister Karl-Heinz Grasser schlossen. Plech selber weist alle Vorwürfe entschieden zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. Im fast drei Jahre langen Prozess war Plech nur am Beginn dabei, bald blieb er aus gesundheitlichen Gründen dem Gerichtssaal fern.

Gegen Ende des Prozesses sprach Richterin Marion Hohenecker von einem Gutachterstreit um die Verhandlungsfähigkeit bzw. -unfähigkeit des Angeklagten,. Der Gerichtsgutachter hatte Plech nämlich wieder Verhandlungsfähigkeit attestiert, dieser hat dem jedoch widersprochen und sieht sich aus gesundheitlichen Gründen weiter verhindert.

Der mittlerweile 76-jährige Steirer war jahrzehntelang als gut vernetzter Makler mit seiner Firma "Plech & Plech" in einem repräsentativen Innenstadtbüro am Wiener Graben tätig. Er galt als FPÖ-Sympathisant, hielt sich aber selber meist im Hintergrund. Eine Ausnahme war wohl der Innsbrucker Parteitag 1986, wo er laut Medienberichten den jungen Jörg Haider, der gerade den bisherigen FPÖ-Chef Gerhard Steger gestürzt hatte, auf seinen Schultern durch den Saal trug.

White Paper zum Thema

Plech sponserte Hubschrauberflüge für Haiders Landtagswahlkämpfe, ging mit ihm auf Imagetour in die USA und stellte Haider ein Penthouse in Wien zur Verfügung, berichtete das "profil". In dieser Dachgeschoßwohnung in einem Plech gehörenden Jugendstilhaus im Prater-Cottage, in dem der Künstler Egon Schiele sein Atelier hatte, wohnte dann jahrelang Grasser, und zwar Tür an Tür mit Plech. Grasser bezeichnete Plech als seinen "väterlichen Freund".

Während der schwarz-blauen Koalitionsregierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) übernahm Plech auf Wunsch Grassers mehrere Aufsichtsratsfunktionen im öffentlichen Immobilienbereich: Plech war ab dem Jahr 2000 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bundeswohnungsgesellschaft (Buwog), nach der Privatisierung blieb er von November 2004 bis Februar 2009 als einfaches Mitglied im Gremium. Von 2001 bis 2004 war Plech auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Linzer Wohnungsanlagen GesmbH (WAG). Ab Jahresende 2001 bis 2007 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bundesimmobiliengesellschaft BIG.

Als ausgewiesener Immobilienexperte soll Plech hinter den Kulissen die Fäden gezogen haben, um die Geschäfte von Grasser, Peter Hochegger und Walter Meischberger mit dem entsprechenden Fachwissen überhaupt erst möglich zu machen, so der Tenor der Anklage. Eines der drei Liechtenstein-Konten, auf die die Buwog-Millionenprovision floss, wird von der Anklage Plech zugeordnet. Plech dementiert dies, er sei nur Zeichnungsberechtigter am Konto "Karin" gewesen, das Geld habe in Wahrheit Meischberger gehört.

Plech war jahrelang mit Meischberger geschäftlich verbunden: Er hielt über dessen Seitenblicke Verlagsgesellschaft m.b.H. eine Beteiligung an dessen Werbeagentur ZehnVierzig. Als die Ermittler den Verdacht auf Korruptionsgeschäfte hegten und daher Telefonate der nunmehr Angeklagten abhörten, geriet Plech unfreiwillig ins Rampenlicht: Er telefonierte mit Meischberger, der ihn am Vorabend eines Einvernahmetermins eindringlich zu einem der Immobiliengeschäfte mit hohen Provisionen fragte: "Wo woar mei Leistung?" (apa/red)