Waffen

Granate aus Österreich im Einsatz in Nahost - Medienbericht

Laut einem Bericht des deutschen Magazins "Spiegel" sollen Sondereinheiten in Saudi-Arabien Splittergranaten des Waffenherstellers Rheinmetall MAN verwendet haben - aus oberösterreichischer Produktion.

Eine in Österreich hergestellte Splittergranate ist offenbar in Saudi-Arabien aufgetaucht. Sondereinheiten des Königreichs hätten sie im Dezember 2014 bei einem Einsatz gegen eine Protestbewegung bei sich getragen, berichtete der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Splittergranate stammte demnach aus der Produktion einer Tochterfirma des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall in Österreich.

Die Fotos, auf die sich das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" beruft, würden darauf hinweisen, dass die Demonstration in der Stadt Awamiya stattfand. Der Wohnort des erst im Jänner hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr wurde demnach Ende 2014 von Spezialeinheiten Saudi-Arabiens nach Protesten wegen des Todesurteils gegen Oppositionelle gestürmt. Nimr galt als entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses der Saud.

Neben zwei nicht tödlichen Blend-und Knallgranaten - "wie sie der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern" produziere -, sei auf den Bildern auch eine "ungenutzte Splittergranate vom Kaliber 40 Millimeter" zu sehen, berichtet der "Spiegel" weiter. Letztere soll von der Tochterfirma des deutschen Rüstungskonzerns in Österreich, Rheinmetall Waffe Munition ARGES GesmbH, hergestellt worden sein.

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Oberösterreichischer Hersteller: Eine alte Lieferung

Das Unternehmen mit Sitz in Rüstdorf/Schwanenstadt (Bezirk Vöcklabruck, OÖ) produziert nach eigenen Angaben ausschließlich Munition, darunter auch Splittergranaten. Dass welche aus österreichischer Produktion nun auf Bildern aus Saudi-Arabien auftauchten, erklärte Johann Stögermüller von Rheinmetall Waffe Munition ARGES GesmbH auf APA-Anfrage damit, dass diese aus einer alten Lieferung in das Land stammen könnten. Der Mutterkonzern in Düsseldorf teilte in einer Aussendung mit, dem "geschilderten Sachverhalt auf den Grund zu gehen".

Der Sprecher des Innenministeriums in Wien, Karl-Heinz Grundböck, erklärte auf APA-Anfrage, es habe diesbezüglich "keine Genehmigung für den Export nach Saudi-Arabien" gegeben. Auskunft über Lieferungen nach Deutschland könne er aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht geben. Grundböck betonte jedoch, bei einem Waffenexport - auch innerhalb der Europäischen Union - müsse der Käufer eine Bestätigung vorlegen, die garantiert, dass die Waffen im Land behalten werden. Zudem würde jede Anfrage für einen Waffenexport individuell geprüft werden.

Splittergranaten eine "Standardausrüstung seit dem Ersten Weltkrieg"

Der Export von Kriegsmaterial muss laut österreichischem Gesetz vom Innenministerium in Absprache mit Verteidigungs- und Außenministerium genehmigt werden. Der Waffenhandel in kriegsführende Staaten bzw. in Staaten, in denen das exportierte Kriegsmaterial zur Unterdrückung von Menschenrechten verwendet werden kann, ist laut Gesetz verboten. Saudi-Arabien kämpft derzeit mit Luftschlägen im Nachbarland Jemen gegen die Houthi-Rebellen, auch soll die Regierung in Riad Regimegegner in Syrien bewaffnen.

Der Export von Splittergranaten - auch in ein friedliches Land - ist laut Verteidigungsministerium nichts Ungewöhnliches. "Sie gehören zur Standardausrüstung jeder Armee der Welt seit dem Ersten Weltkrieg", erklärte Sprecher Michael Bauer gegenüber der APA. Auch in Österreich würden sie bei Bundesheer-Übungen ausschließlich auf Schießplätzen zum Einsatz kommen.

Wiederholte Berichte von Waffen aus Österreich in Kriegsregionen

Eine Splittergranate besteht aus einem Sprengstoffkern umhüllt von Stahl. Eingesetzt wird die potenziell tödliche Munition gegen ungeschützte Personenziele. Explodiert der Sprengstoff, werden die Stahlsplitter mit hoher Geschwindigkeit und entsprechend viel Kraft innerhalb eines gewissen Radius - je nach Stärke der Granate - geschleudert.

Immer wieder berichten Medien von Waffen und Munition aus österreichischer Produktion in Kriegs- und Krisengebieten. Waffenhersteller wie Steyr Mannlicher GmbH - dessen Sturmgewehr laut dem Nachrichtenmagazin "Profil" im syrischen Bürgerkrieg auftauchte - betonen dann stets, ihre Waffen seien in die falschen Hände geraten. (APA)