Rechtstipp

Update Recht

OGH zur Geschäftsführerhaftung: Verschulden eines Mitarbeiters befreit den Geschäftsführer nicht.

Rechtstipp Recht Preslmayr Rechtsanwälte Günther Billes

In einer jüngeren Entscheidung zur Haftung des GmbH­-Geschäftsführers beschäftigte sich der Oberste Gerichtshof mit der Frage, ob sich der Geschäftsführer bei Inanspruchnahme durch die Gesellschaft darauf berufen kann, dass der Schaden auf ein Verschulden eines nachgeordneten Mitarbeiters zurückzuführen ist.

Im konkreten Fall ging es um eine GmbH, die im Auftrag ihrer Muttergesellschaft Immobilien verwertete und dafür eine vom Verkaufserlös abhängige Provision erhielt. Die Gesellschaft forderte vom Geschäftsführer Schadenersatz, weil eine Liegenschaft wegen unrichtiger Bewertung viel zu günstig verkauft wurde, wodurch auch die Provision zu niedrig ausfiel. Der Geschäftsführer berief sich darauf, dass nicht er, sondern ein Mitarbeiter die Liegenschaftsbewertung vorgenommen habe. Ohne Erfolg, denn die Sorgfaltswidrigkeit des Geschäftsführers liegt nicht in der unrichtigen Bewertung durch den Mitarbeiter, sondern in der Verletzung seiner Organisations­ und Überwachungspflichten. Als Geschäftsführer einer GmbH, die sich laufend mit der Verwertung von Immobilien beschäftigt, hätte ihm die unrichtige Bewertung auffallen müssen. Dass die GmbH allenfalls auch einen Anspruch gegenüber dem Mitarbeiter hat, ändert nichts an der vollen Haftung des Geschäftsführers (6 Ob 84/16w).

Vor einer Schadenersatzhaftung kann sich ein Geschäftsführer übrigens auch nicht durch eine interne Aufgabenverteilung schützen.