Transport

Gigaliner dürfen weiter auf deutschen Straßen fahren

Umweltverbände protestieren gegen Monster-Lkw auf deutschen Straßen. Doch das Berliner Verwaltungsgericht hat jetzt eine Klage gegen sie zurückgewiesen.

Die umstrittenen Gigaliner dürfen vorerst weiter auf bestimmten deutschen Straßen fahren. Das Verwaltungsgericht Berlin wies eine Klage von Umweltschutzverbänden gegen die Zulassung der überlangen Lkw zurück. Die entsprechende Verordnung des Bundesverkehrsministeriums verstoße nicht gegen EU-Recht, urteilte das Gericht. Es ließ Berufung als auch Sprungrevision gegen das Urteil zu.

Gigaliner sind bis zu 25,25 Meter lang und damit rund 6,5 Meter länger als normale Lkw. Sie dürfen auf bestimmten Straßen in Deutschland fahren, überwiegend auf Autobahnen. Mehrere Fahrzeugtypen hatten zunächst eine mehrjährige Testphase durchlaufen, die Ende Dezember 2016 ausgelaufen war. Das deutsche Verkehrsministerium erlaubte anschließend per Verordnung den Regelbetrieb für einige Arten von Gigalinern auf bestimmten Straßen, für andere wurde der Feldversuch bis Ende 2023 verlängert. (Az. VG 11 K 216.17)

Umweltschützer verweisen auf EU-Recht

Gegen beide Aspekte wandten sich die klagenden Verbände, darunter neben der Allianz pro Schiene auch die Deutsche Umwelthilfe und der BUND. Sie argumentierten mit EU-Recht: Die dazugehörige Richtlinie habe einen Umweltbezug und erlaube den Einsatz der Lang-Lkw nur für bestimmte Tätigkeiten, nicht aber im Regelbetrieb, sagte Anwalt Remo Klinger. Außerdem sei die Verlängerung der Testphase bis 2023 gewissermaßen ein "Regelbetrieb durch die Hintertür", denn so würden bereits Abschreibungsfristen für die Lkw erreicht.

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Das Bundesverkehrsministerium hielt dagegen: Deutschland verhalte sich konform mit EU-Recht, weil die Richtlinie keine genauen Vorgaben zu Einschränkungen mache, erklärten die Vertreter vor Gericht. Mit Gigalinern könnten zum Beispiel große Blechteile, die viel Platz benötigten, aber nicht viel Gewicht hätten, außerdem praktischer transportiert werden als mit normalen Lkw. Auch Lebensmittel wie Kartons mit Chipstüten fielen in diese Kategorie.

Das Verwaltungsgericht befand die Klage zwar für zulässig, sah jedoch in der Sache keine Erfolgsaussichten und wies sie daher ab. Die Zulassung der Gigaliner in Deutschland verstoße nicht gegen die EU-Richtlinie, da diese "in ihren Vorgaben unbestimmt und offen" sei, urteilte das Gericht. Der Gesetzgeber habe deshalb "einen weiten Umsetzungsspielraum", und dieser werde nicht überschritten. Das betreffe auch die Verlängerung der Testphase.

"Riesenschlag ins Gesicht für den Klimaschutz in Europa"

Die Allianz pro Schiene reagierte enttäuscht. Das Urteil sei ein "Riesenschlag ins Gesicht für den Klimaschutz in Europa", sagte Geschäftsführer Dirk Flege nach der Urteilsverkündung. Gigaliner führten dazu, dass Fracht von der "umweltfreundlichen Schiene auf den Lkw verlagert wird". Außerdem ergäben sich Sicherheitsrisiken im Verkehr durch die überlangen Lkw. Ob die Kläger Berufung einlegen, ließ Flege zunächst offen. Das werde gemeinsam mit den anderen Verbänden zeitnah entschieden, sagte er.

Auch die Regierung hatte für die überlangen Lkw den Umweltschutz als Argument vorgebracht. Es sei nicht erwiesen, dass sich der Verkehr durch die Gigaliner tatsächlich von der Schiene weg verlagere, erklärten die Vertreter vor Gericht. Vielmehr könnten zwei Gigaliner die Fracht von drei Lkw übernehmen - das sei letztlich ein Vorteil für die Umwelt. (afp/apa/red)