Automobilindustrie

Coronakrise brachte Renault massiven Umsatzeinbruch

Die Coronakrise setzt dem französischen Autobauer Renault massiv zu: Der Umsatz schrumpfte im Auftaktquartal um fast ein Fünftel auf 10,1 Mrd. Euro. Bei Daimler hat die Krise im ersten Quartal zu einem starken Gewinneinbruch geführt.

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Renault meldete, dass der Absatz im gleichen Zeitraum sogar um mehr als ein Viertel auf knapp 673.000 Fahrzeuge einbrach. Grund ist - wie bei allen anderen Autobauern auch - der Stillstand nahezu aller Geschäftsaktivitäten wegen der Pandemie. Die Barmittelreserven von Renault im Autogeschäft schmolzen in den ersten drei Monaten um ein Drittel auf 10,3 Mrd. Euro.

Angesichts der angespannten Liquidität habe der Verwaltungsrat bereits am 9. April beschlossen, der Hauptversammlung keine Dividende für das abgelaufene Jahr vorzuschlagen. Den Ausblick für das laufende Jahr hatte Renault bereits Ende März gekippt. Bis heute seien die Auswirkungen der Viruskrise auf die Ergebnisse nicht absehbar, erklärte das Management nun. Auch beim französischen Rivalen Peugeot waren Umsatz und der Absatz im Auftaktquartal eingebrochen.

Zur ohnehin schwierigen Lage in der Coronakrise kommen bei Renault die Turbulenzen beim japanischen Partner Nissan hinzu. Die hatten dem französischen Konzern im vergangenen Jahr den ersten Verlust seit zehn Jahren eingebrockt. Angaben zum Gewinn des ersten Quartals macht Renault nicht. 

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Daimler: Genaue Prognose unmöglich

Bei Daimler sieht es ähnlich aus. Hier hat die Coronakrise im ersten Quartal zu einem Gewinneinbruch geführt und macht eine genaue Prognose für das Gesamtjahr unmöglich. Von Jänner bis März brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 78 Prozent auf 617 Mio. Euro ein, gab der Dax-Konzern in einer Pflichtmitteilung bekannt.

Den ursprünglichen Jahresausblick kippte Daimler, nachdem das Unternehmen schon Mitte März auf die nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der Viruspandemie hingewiesen hatte. Die Auswirkungen auf Nachfrage, Lieferketten und Produktion könnten nicht sicher und detailliert eingeschätzt werden. Der Konzern gehe aber davon aus, dass Absatz, Umsatz und operatives Ergebnis heuer jeweils unter Vorjahresniveau liegen werden.

Autobranche leidet massiv unter Coronakrise

Die Autobranche trifft die weltweite Krise hart: Die Produktion musste zuerst im Corona-Ursprungsland China, dem wichtigsten Markt aller deutscher Hersteller, wochenlang stillstehen. In Europa und den USA wurden die Bänder seit der letzten März-Woche angehalten, um die Arbeiter keinem Ansteckungsrisiko auszusetzen und vor allem, weil die Nachfrage eingebrochen ist und die Autohäuser schließen mussten. Vorige Woche hatte bereits Volkswagen seine Jahresprognose gekippt. Der Betriebsgewinn sackte im ersten Quartal auf 900 Mio. Euro im Vergleich zu 4,8 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. VW führte neben Produktionsstopp und fehlender Nachfrage noch Belastungen über 1,3 Mrd. Euro durch Turbulenzen an Rohstoff- und Kapitalmärkten sowie durch Wechselkurse an. Am Donnerstag meldete auch der französische Rivale Renault einen Umsatzeinbruch um fast ein Fünftel.

Nach den vorläufigen Zahlen von Daimler sackte der Betriebsgewinn bei der Pkw-Tochter Mercedes-Benz wie auch im Nutzfahrzeuggeschäft um 55 Prozent ab. Der noch stärkere Rückgang des Konzernergebnisses rührt vom fast völligen Wegschmelzen des Geschäfts der Finanzierungstochter Daimler Mobility her, über die Kredit- und Leasingverträge für die Fahrzeuge laufen. Diese verdiente nur 58 Mio. Euro, nach 1,2 Mrd. Euro vor Jahresfrist. Zur Absicherung gegen Kreditausfälle traf sie eine Risikovorsorge von 400 Mio. Euro. Daimler-Chef Ola Källenius will die endgültige Quartalsbilanz am 29. April vorlegen. Vorbörslich notierten die Daimler-Aktien 0,5 Prozent im Plus.

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Der Ergebnisrückgang heuer werde auch die frei verfügbare Liquidität im Industriegeschäfts drücken, erklärte Daimler weiter. Im ersten Quartal verbrannte der Autobauer 2,3 Mrd. Euro. Finanzvorstand Harald Wilhelm hatte bereits Anfang April erklärt, angesichts der Krise habe das Absichern der Liquidität oberste Priorität. Die Nettoliquidität im Industriezweig sank von Januar bis März von 11 auf 9,3 Mrd. Euro. Kürzlich sicherte sich das Unternehmen eine Kreditlinie bei Banken über 12 Mrd. Euro. "Angesichts des Umstands, dass wir umfassende Maßnahmen zum Schutz unseres Barmittelbestands getroffen und unsere finanzielle Flexibilität erhöht haben, sind wir zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein", erklärte Daimler.

Absatz bricht ein

Tiefe Bremsspuren durch die Coronakrise hatten sich schon beim Absatz gezeigt: Die Pkw-Tochter Mercedes-Benz verkaufte im ersten Quartal weltweit 15 Prozent weniger, im Lkw-Geschäft brachen 20 Prozent Absatz weg. Nach vier Wochen Zwangspause fährt Daimler seit dieser Woche zunächst in den Komponentenwerken für Mercedes-Pkw und Lastwagen in Europa die Produktion in kleinem Umfang wieder an. Denn vor allem die schon wieder länger laufenden Werke in China brauchen Teile. Dafür wurden aufwendige Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz getroffen, damit die Beschäftigten Abstandsregeln einhalten und sich möglichst wenig begegnen. Ein großer Teil der Mitarbeiter von Automobilbauern und ihren Zulieferern in Deutschland ist allerdings noch in Kurzarbeit.

Der Premiumhersteller hat schon länger mit Gewinnschwund zu kämpfen, denn er muss zig Milliarden in neue Technologien wie Elektroautos und autonomes Fahren stecken. Der Diesel-Abgasskandal brockte Daimler Bußgelder und milliardenhohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ein. Der Absatz leidet seit bald zwei Jahren unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Außerdem kamen Produktionspannen und der Flopp eines Luxus-Pickups den Autobauer teuer zu stehen. So war im vergangenen Jahr das operative Ergebnis wegen etlicher Sondereffekte um 60 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro gesunken. Vor dem Ausbruch von Corona hatte Daimler für 2020 eine deutliche Steigerung des Ebit in Aussicht gestellt, obwohl der Absatz leicht sinken und der Umsatz stagnieren sollte. Mit dem im November angekündigten Sparprogramm will Daimler die Personalkosten um 1,4 Mrd. Euro drücken, indem mehr als 10.000 Beschäftigte freiwillig ausscheiden sollten.

Auch Volkswagen verbrennt Milliarden

Daimler-Chef Ola Källenius will die endgültige Quartalsbilanz am 29. April vorlegen. Am gleichen Tag will auch VW-Chef Herbert Diess die endgültigen Zahlen des Wolfsburger Konzerns präsentieren.

Auch Volkswagen verbrannte Milliarden, weil der Konzern während des Stillstands keine Einnahmen hat, die Kosten aber weiter laufen. Höchste Priorität hat für Hersteller und Lieferanten daher, das Geld beisammenzuhalten.

Ob sich die großen Autokonzerne die hohen Investitionen in die Elektromobilität, Vernetzung und neue Mobilitätsdienste angesichts der Krise noch leisten können, hängt davon ab, wie schnell die Nachfrage zurückkehrt und die Werke wieder laufen. Experten gehen davon aus, dass das mindestens mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern kann. (apa/Reuters)