Stahlindustrie

Gewerkschaft warnt Thyssen vor einem Abschied vom Stahl

Die deutsche Gewerkschaft IG Metall warnt den einstigen Stahlriesen vor einer Abkehr vom angestammten Geschäft: "Wenn man den Stahl herausnimmt, zerfällt der Konzern".

Die IG Metall warnt Thyssenkrupp vor einer Abkehr vom angestammten Stahl-Geschäft. "Wenn man den Stahl herausnimmt, zerfällt der Konzern", sagte IG-Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner, der auch im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp sitzt, im Club Wirtschaftspresse in München.

Er stellte sich damit gegen Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz, die das konjunkturanfällige Stahlgeschäft durch Partnerschaften stärken will, aber auch einen Verkauf der Mehrheit ins Ausland nicht ausschließt.

"Sonst wird es ein Blutbad geben"

Kerner pocht dagegen angesichts der Überkapazitäten auf eine Konsolidierung der deutschen Stahlindustrie mit dem kleineren Rivalen Salzgitter. "Wir erwarten, dass das unter Federführung von Thyssenkrupp passiert." Bei einer Fusion mit einem ausländischen Konkurrenten drohe der Essener Konzern zum Juniorpartner zu werden. Dazu brauche die Stahlindustrie aber finanzielle Hilfe aus der Politik, um Massenentlassungen zu vermeiden. "Sonst wird es ein Blutbad geben", sagte Kerner. Die deutsche Bundesregierung hat bereits Milliarden-Hilfen für einen Umbau der Branche auf dem Weg zur Klimaneutralität signalisiert.

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Finanzfirma Cevian will Fusion

Der zweitgrößte Thyssenkrupp-Aktionär, der Finanzinvestor Cevian, favorisiert nach Reuters-Informationen ein Zusammengehen mit der schwedischen SSAB, der Nummer sechs in Europa. Eine Fusion mit dem Europa-Geschäft von Tata Steel Europe war am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. (reuters/apa/red)

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