Patentrecht

Gericht: Chinesen dürfen keine Vespa-Klone in Italien verkaufen

Ein Turiner Gericht hat dem legendären Motorroller Vespa den Status eines Kunstwerks anerkannt. Das ist insofern von besonderer Bedeutung, als dass die Marke jetzt dem Urheberrecht untersteht - und viel schäärfer vor Plagiaten geschützt werden kann.

Die Vespa ist ein industrielles Design-Kunstwerk und muss gesetzlich vor Plagiaten geschützt werden. Dies beschloss ein Gericht von Turin, das mit seinem Urteil erstmals dem Kultroller den Status eines Kunstwerks anerkennt. Dies gelte für alle Varianten der Vespa, die seit 1948 auf den Markt gekommen sind, beschlossen die Richter.

Das Gericht urteilte somit, dass die chinesische Gesellschaft Zhejiang Zhongneng Industry Group keine "Klone" der legendären Vespa in Italien verkaufen darf. Der chinesische Konzern produziert ein Modell mit dem Namen "Ves", der dem Original Vespa besonders ähnlich ist. Gegen die chinesische Gesellschaft war der Vespa-Hersteller Piaggio vor Gericht gezogen.

Zhejiang Zhongneng Industry Group hatte sich verteidigt und gemeint, dass der "Ves" kein Plagiat des Modells "Vespa LX" aus dem Jahr 2005 sei, wie Piaggio behauptete.

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Gericht: Die Vespa ist ein Kunstwerk

Laut dem Gericht sei Vespa ein industrielles Design-Kunstwerk und stehe daher unter Schutz des Urheberrechts. Die Richter verboten daher den Chinesen, den "Ves" in Italien zu vermarkten. Piaggio begrüßte den Richterspruch als "historisches Urteil" im Kampf gegen Produktpiraterie.

Mit dem Startschuss zur ersten Serienproduktion der Vespa 98cc begann 1946 ihre Erfolgsstory. Entworfen wurde der Kultroller vom italienischen Ingenieur Corradino D'Ascanio, der eigentlich Hubschrauber bauen wollte.

Als ehemaliger Konstrukteur von Kriegsflugzeugen wollte er ein einfaches, sparsames und leicht benutzbares Fahrzeug anfertigen und konstruierte auf einem vom Krieg zerstörten Fabrikgelände in Pontedera im Auftrag des Unternehmers Enrico Piaggio etwas Neuartiges. Es entstand ein für jedermann erschwingliches Transportmittel, ebenso simpel wie genial. "Das sieht ja aus wie eine Wespe", kommentierte Piaggio, als er den Prototyp erstmals sah. Die "Vespa" war geboren.

Siegeszug bis nach Hollywood

Bald begann ihr Siegeszug um die halbe Welt - bis nach Hollywood. Auf einer Vespa war das Traumpaar Gregory Peck und Audrey Hepburn in dem Erfolgsstreifen "Ein Herz und eine Krone" aus dem Jahr 1953 durch Rom geknattert - Fahrtwind in den Haaren, Lebenslust in den Augen.

Als Liebeserklärung an den italienischen Motorroller ging die Szene ins kollektive Gedächtnis Italiens ein. Noch heute ist es in Rom und Neapel leichter, mit dem Motorroller voran zu kommen als per Bus oder Auto. (APA/red)