Generation 2020: Peter J. Oswald - der Netzwerker

Ludwig Scharinger, Veit Sorger, Christian Konrad und viele mehr: Der heimischen Wirtschaft steht 2012 ein einmaliger Generationenwechsel bevor. Wer wird in den kommenden Jahren das entstehende Vakuum füllen? Wer sind die Jungen, die das Potenzial haben, bis 2020 an die absolute Spitze vorzustoßen? Wo die High Potentials unter den TOP-1000 Industriemanagern des Landes stehen. Von Maike Seidenberger

Gerade Kaderschmieden wie Fontainebleau verleihen den Netzwerken der Nachwuchs- Industriekapitäne Struktur. Die brauchen sie mehr denn je, meint Harald Katzmair. „Die Netzwerke sind aufgrund der diskontinuierlicheren Karriereverläufe stärker Deal- und Interessen-getrieben als früher.“ Es reicht nicht mehr aus, nur im eigenen Soziotop trittfest zu sein: „Sie müssen mit möglichst vielen verschiedenen Stakeholdern verbunden sein – mit zivilgesellschaftlichen Organisationen genauso wie mit politischen und privatwirtschaftlichen. Wer mit den großen NGOs nicht kann, bekommt schnell Probleme.“ 
 
Einer, der das schon verinnerlicht hat, ist Mondi-Chef Peter J. Oswald. Er betreibt einen intensiven Dialog mit den Stakeholdern abseits des Unternehmens. Sein Engagement – Oswald ist Präsident der CSR-Plattform „RespAct“ – ist zutiefst persönlich motiviert: „Ich hatte das ungeheure Privileg, viele Chancen bekommen zu haben. Ich möchte, dass die Generation meiner Kinder die gleichen Chancen hat.“ Das übersetzt sich auch in geldwerte Leistung: Mondi-Mitarbeiter werden einige Halbtage pro Jahr freigestellt, um in Lerncafés mit benachteiligten Jugendlichen zu pauken oder in der Wiener Obdachlosenhilfseinrichtung „Gruft“ zu arbeiten; in Russland werden Wälder auf Konzernkosten aufgeforstet.
Die zupackende Art, die man ihm nachsagt, kam dem gebürtigen Oberösterreicher nie abhanden. In der Krise restrukturierte er, verkaufte und schloss Werke. Zeigte Härte, aber mit Abfederung: „In Bulgarien, wo die soziale Absicherung lückenhaft ist, haben wir für Mitarbeiter, die wegen der Werksschließung ein Jahr arbeitslos waren, und ihre Angehörigen die Werkskantine offen gelassen und sie finanziell unterstützt.“ 
Verantwortung zu übernehmen war für den Mondi-Chef immer Karriereziel Nummer eins. Auf Initiative von Josef Taus werkte er eineinhalb Jahre bei KTM („dort habe ich viel über Sanierung gelernt“), bevor er zum Papierkonzern Frantschach wechselte. Als dieser in der südafrikanisch- britischen Mondi-Gruppe aufging, war Oswald Chef der Verpackungsdivision und für die Integration zuständig, 2008 kam der Papierbereich dazu. Heute verantwortet er das gesamte Mondi-Geschäft außerhalb Südafrikas mit 4,8 (von 5,6) Milliarden Euro Umsatz. 
Auf die Frage, ob man „alte“ Industrien neu erfinden könne, lacht Oswald: „Es gibt keine alten Industrien, nur Manager ohne Fantasie. Wichtig ist, Rückgrat zu haben, nicht einfach Trends zu folgen, sondern das zu tun, was für das Unternehmen am besten ist.“ Die Beharrlichkeit, an etwas für richtig Befundenem festzuhalten, ist für ihn charakteristisch. Gegen den Strom schwamm Oswald in den 90er Jahren, als viele Papierhersteller große Maschinen auf die grüne Wiese setzten: Er kaufte in Zentral- und Osteuropa Unternehmen mit älteren Maschinenparks auf, die nach und nach modernisiert wurden. „Es stellte sich heraus, dass Standortvorteile, wie die Verfügbarkeit von Holz oder niedrigere Personalkosten, in Summe wichtiger waren als die Produktivität einer einzelnen Maschine.“ Den Mut, sich eingefahrenen Regeln zu widersetzen, wenn es der Firma gut tut, verlangt er auch Mitarbeitern ab. „Ich möchte, dass Manager ohne Handbuch arbeiten, stattdessen nachdenken, worauf es wirklich ankommt, und dazu eigene Vorschläge entwickeln.“

Fortsetzung auf Seite 5: F. Peter Mitterbauer - der Internationalist.

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