Generation 2020: Gerald Prinzhorn - der Generalist

Ludwig Scharinger, Veit Sorger, Christian Konrad und viele mehr: Der heimischen Wirtschaft steht 2012 ein einmaliger Generationenwechsel bevor. Wer wird in den kommenden Jahren das entstehende Vakuum füllen? Wer sind die Jungen, die das Potenzial haben, bis 2020 an die absolute Spitze vorzustoßen? Wo die High Potentials unter den TOP-1000 Industriemanagern des Landes stehen. Von Maike Seidenberger

Das Quäntchen Extra- Flexibilität, die Exner-Wöhrer an den Tag legt, wird an der Unternehmensspitze immer wichtiger: „Erfolg hat, wer aus Irrtümern am schnellsten lernt“, meint FAS.research-Chef Harald Katzmair. Die Volatilität des Marktumfeldes bedeute auch, dass in der Chefetage wieder Generalisten gefragt sind: „Wenn hohe Unsicherheit herrscht, brauche ich mehr verschiedenartige Skills, Erfahrung in mehreren Branchen und muss die Firma breiter aufstellen können.“ Einen solchen Querbeet-Lebenslauf hat Gerald Prinzhorn vorzuweisen – er hat den 44-Jährigen im September in den Schmid- Konzern, den Ausgangspunkt seiner beruflichen Laufbahn, zurückgeführt. Als Geschäftsführer von Austrotherm ist er heute für die Internationalisierung verantwortlich; begonnen hatte er 1995 bei Wopfinger Zement im Vorzimmer der Geschäftsführung. Mit dem durchwachsenen Dazwischen hadert der Sohn des Papier-Paradeindustriellen Thomas Prinzhorn nicht. Von Wopfinger zog es ihn als Berater zu Boston Consulting, nach fünf Jahren wieder ins operative Geschäft – als Vorstand des Umwelttechnikunternehmens Ash Dec, das ein Verfahren entwickelt hatte, um aus Klärschlammasche Dünger zu produzieren. Einer der Risikokapitalgeber: Thomas Prinzhorn. Ash Dec kam aus den roten Zahlen nie heraus und rutschte 2010 in die Pleite. Da war Gerald Prinzhorn schon nicht mehr dabei – Kollateralschaden am Ruf gab es trotzdem. „Man setzt sich in Österreich als Start-up-Unternehmer einem gewaltigen finanziellen und persönlichen Risiko aus, und leider gibt es die Mentalität: Wenn du eine Pleite hinlegst, bist du nicht geeignet.“
Die nächste Chance bekam er im väterlichen Konzern: Prinzhorn senior berief ihn 2007 zum Geschäftsführer der Dunapack Spremberg. Das Wellpappewerk in der Lausitz kämpfte mit Anlaufverlusten. Mit Prinzhorns Führungsstil konnten die Brandenburger anfangs wenig anfangen. „Ich bin in die erste Sitzung gekommen, habe gesagt: Wir diskutieren das jetzt. Und habe in 20 ungläubige Augenpaare geschaut. Die Ostdeutschen waren gewohnt, dass der Chef hereinkommt und ihnen mitteilt, wo’s langgeht.“ 
Die Schuhe seines Vaters muss Gerald Prinzhorn nicht anziehen, dessen Einfluss leugnet er aber nicht. „Ich bin nicht mit ihm aufgewachsen, aber wenn wir zusammen waren, war die Firma ständig Thema.“ Das beeindruckte den Filius: „Ich wollte immer in der Industrie arbeiten, habe aber wahrscheinlich den gleichen Fehler gemacht wie mein Vater und etwas studiert – Technik –, wofür ich nicht geeignet war. Mit der Wirtschaft kratzt man aber die Kurve.“ Prinzhorn senior nahm die seine in Harvard, Prinzhorn junior in Fontainebleau. 

Fortsetzung auf Seite 4: Peter J. Oswald - der Netzwerker.

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