Generation 2020: Karin Exner-Wöhrer - die Resiliente

Ludwig Scharinger, Veit Sorger, Christian Konrad und viele mehr: Der heimischen Wirtschaft steht 2012 ein einmaliger Generationenwechsel bevor. Wer wird in den kommenden Jahren das entstehende Vakuum füllen? Wer sind die Jungen, die das Potenzial haben, bis 2020 an die absolute Spitze vorzustoßen? Wo die High Potentials unter den TOP-1000 Industriemanagern des Landes stehen. Von Maike Seidenberger

Karin Exner-Wöhrer mutet wie die Verkörperung der Resilienz an. Die Finanzchefin der Salzburg Aluminium (SAG) und mit 40 Jahren eine der jüngsten Alphafrauen des Landes, erweckt nicht den Eindruck, als ließe sie sich leicht aus der Bahn werfen. Dabei hat sie hat eine Krise des Familienunternehmens hinter sich (ihr Vater ist CEO der Holding, ihre Mutter und ihre Schwester sitzen im Aufsichtsrat), die es in sich hatte: 2009 brach der Umsatz des Automobilzulieferers um 70 Prozent ein, ein Drittel der Belegschaft musste gehen. Die Familie schoss frisches Geld ins Unternehmen ein, nachdem die Hausbanken unruhig geworden waren. „Es gab eine steile Lernkurve – das Ausmaß des Falls war einfach nicht vorhersehbar.“ Um die Stammbeegschaft zu halten, arbeiteten die Exners mit Aussetzungsverträgen. Der krasse Auftragsmangel ließ sie erfinderisch werden: Statt LKW-Tanks wurden kurzerhand Wasserspeicher für Passivhäuser gebaut. 
Jetzt ist eine Neuausrichtung im Laufen, die Exner-Wöhrer mit einer Mischung aus Fingerspitzengefühl, Härte und Pragmatismus vorantreibt. „Wir gehen inhaltlich mehr in die Breite.“ Das Ziel: Die Abhängigkeit von der Nutzfahrzeugindustrie zu reduzieren – durch Diversifikation und die Erschließung neuer Märkte, die der von klein auf international orientierten Exner-Wöhrer (geboren in Zürich, verbrachte sie einen Großteil ihrer Kindheit in Sierra Leone) ein zentrales Anliegen ist.
Ihr eigener Karrierepfad war früh klar: Vater Josef übernahm 1992 die Firma, deren Geschäftsführer er zuvor gewesen war – einer der ersten MBOs in Österreich. „Ich wollte immer Unternehmer werden, war bei der Übernahme dabei. Es hat sich einfach angeboten.“ Die Holding leitet ihr Vater, die beiden operativen Gesellschaften führt Exner-Wöhrer. „Ich teile mir ganz bewusst die Ressorts mit einem familienfremden Manager. Diese 360 Grad tun uns gut.“ Ungeduld wird ihr zuweilen nachgesagt – unternehmerisch selbstständig müssten ihre Mitarbeiter schon sein, sagt Exner-Wöhrer: „Wir definieren gemeinsam das Ziel, wie sie dorthin kommen, ist ihnen selbst überlassen. Es ist bei Mitarbeitern wie bei Kindern: Der Freiraum ist wichtig, dass sich jeder entfalten kann.“ 
Abschalten kann sie beim Lego- und Playmobil-Spielen mit ihren beiden Kindern (drei und fünf Jahre alt). Die Vereinbarkeit von Spitzenjob und Familie stellt sie selber her: „Ich habe beschlossen, das Modell ganz bewusst vorzuleben. Es gibt ‚Kinderzeiten‘, da bin ich ansprechbar, wenn’s brennt, aber für Dinge, die warten können, erst danach oder am nächsten Tag. Das gestehe ich auch meinen Mitarbeitern zu. Nur weil ich um 11 Uhr abends Mails schreibe, heißt das nicht, dass ich sofort eine Antwort erwarte.“ Wert legt sie drauf, „dass Termine mit unseren ‚Working Mums‘ zu Zeiten stattfinden, zu denen diese können – und nicht um 18 Uhr. Wir als Unternehmer haben die Pflicht, das so einzurichten.“ 

Fortsetzung auf Seite 3: Gerald Prinzhorn - der Generalist.

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