Generation 2020: Wie die jungen Industrie-Bosse ticken

Ludwig Scharinger, Veit Sorger, Christian Konrad und viele mehr: Der heimischen Wirtschaft steht 2012 ein einmaliger Generationenwechsel bevor. Wer wird in den kommenden Jahren das entstehende Vakuum füllen? Wer sind die Jungen, die das Potenzial haben, bis 2020 an die absolute Spitze vorzustoßen? Wo die High Potentials unter den TOP-1000 Industriemanagern des Landes stehen. Von Maike Seidenberger

„Nur das Lehrmädchen war noch jünger als ich.“ Peter J. Oswald startete seine Karriere schon im Chefsessel – mit zarten 23 Jahren: Eigentlich hätte der heutige Mondi-Europe-&-International- Chef nur ein paar Wochen lang den WUV Universitätsverlag führen sollen, bis zur Installierung eines neuen Geschäftsführers nach dem überstürzten Abgang des Vorgängers. Doch der jugendliche Oswald verschaffte sich unter den zwei Dutzend Mitarbeitern so rasch Respekt, dass sein Betriebswirtschaftsprofessor und Verlags-Aufsichtsrat, der ihn von der Sponsion weg engagiert hatte, die Suche nach einem Nachfolger bald abbrach. Aus einigen Wochen wurden drei Jahre – bis Oswald das Provisorium zu langweilig wurde und er bei der Deutschen Bank anheuerte. 
Mit größeren Altersunterschieden umzugehen, ist für Oswald bis heute kein Problem. Darf es auch nicht: Denn mit seinen 49 Jahren ist er unter den TOP 10 der tausend wichtigsten Industrielenker des Landes der Jungspund schlechthin. Wird doch die österreichische Wirtschaft immer noch von den alten Herren dominiert: Im INDUSTRIEMAGAZIN- Manager-Ranking finden sich ganze acht Firmenlenker, die jünger sind als 35 Jahre – neben neun Rüstigen aus der Altersgruppe 80+. Doch es tut sich Platz auf für die Nachfolgergeneration. Demnächst treten etliche Spitzenvertreter der ersten Nachkriegsgeneration ab, die über Jahrzehnte das Schicksal von Konzernen – und letztlich der Industrie dieses Landes – gelenkt haben: Voest-Retter Ludwig Scharinger (69, Platz 2 im Ranking) übergibt im März 2012 das Zepter bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich mit ihren gut 500 Beteiligungen an den 1960 geborenen Heinrich Schaller (derzeit Vorstand der Wiener Börse). Zeitgleich geht der Ziehvater der erfolgreichen Raiffeisen-Ostexpansion, Christian Konrad (67, Platz 4), in Pension. Auch der blendend vernetzte Veit Sorger (69, Platz 3) wird nach zwei Amtsperioden den Präsidentensessel der Industriellenvereinigung räumen. 
 
Tougher Nachwuchs.
Doch wer kann in das 2012 entstehende Vakuum aufrücken? Wer sind die Jungen, die das Potenzial haben, im kommenden Jahrzehnt an die absolute Spitze vorzustoßen? INDUSTRIEMAGAZIN beauftragte die Netzwerk- Spezialisten von FAS.research, das Firmenbuch nach ihnen zu durchforsten. Gesucht wurden aber nicht nur Führungskräfte mit einer hohen Anzahl der Funktionen, sondern bewertet wurden auch die „Qualität“ und die „Exklusivität“ ihrer Kontakte. Auf Basis dieser Analyse (das vollständige Ranking finden Sie hier) wurden auch die jungen High-Potentials identifiziert, die wir Ihnen hier vorstellen wollen. Auffallend: Die jungen Chefs (auch in der Generation unter 50 ist nur jede zehnte Spitzenposition mit einer Frau besetzt) haben einiges mit den Silberrücken gemeinsam, die sie ablösen. Exzellent ausgebildet und vernetzt, sind sie oft jung ins Familienunternehmen eingestiegen.
Doch eine Kaminkarriere im (Familien-)Betrieb ist nicht mehr das einzige Ticket in die heimische Industrieelite – einige junge Mächtige eroberten ihre Position nicht von einer familiären Startrampe aus, sondern im Windschatten wirkmächtiger Mentoren. Was die Chefs der Generation 2025 von ihren Vorgängern unterscheidet: Sie haben oft längere Zeit außerhalb Österreichs gearbeitet und Internationalisierungserfahrung aus erster Hand gesammelt. Ihre Karrieren verlaufen keineswegs immer geradlinig – sie haben gelernt, herbe Rückschläge wegzustecken. „Wenn man einen Fehler macht, dann hat man einen Fehler gemacht – den gibt man zu und denkt nicht nach, wie man sein Gesicht wahrt, sondern wie man ihn wieder ausradiert“, beschreibt Mondi-Chef Peter J. Oswald diese Einstellung. Tough sein müssen die jungen Industriechefs – Resilienz, die „Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen Wert zu produzieren“, hält Harald Katzmair, Geschäftsführer von FAS.research, dessen Netzwerkspezialisten das Managerranking erarbeitet haben, für deren Schlüsselqualität schlechthin. 

Fortsetzung auf Seite 2: Karin Exner-Wöhrer - die Resiliente.

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