Kraftwerksbau

General Electric trennt sich von John Flannery nach weniger als einem Jahr

Nachfolger des Unternehmens, das sich in schweren Turbulenzen befindet, wird H. Lawrence Culp, ehemals CEO von Danaher.

Nach weniger als einem Jahr gescheitert: John Flannery

Die Krise beim US-Traditionskonzern General Electric spitzt sich weiter zu. So soll sich GE übers Wochenende von dem erfolglosen Vorstandschef John Flannery getrennt haben. Nachfolger als CEO und Chairman werde mit sofortiger Wirkung Lawrence Culp, teilte das Unternehmen am Montag mit. Zugleich kündigt der Mitbewerber von Siemens eine Milliarden-Abschreibung in der Kraftwerkssparte an und senkt seine Gewinnprognosen. GE hat bei Investoren in den vergangenen Quartalen bereits mit einer Reihe von Gewinnwarnungen für Aufsehen gesorgt. Eine Aufspaltung des Unternehmens, das kürzlich aus dem Dow Jones geflogen ist, steht ebenfalls an. Der nunmehr ausgeschiedene Flannery wollte sich auf wenige Kerngeschäfte konzentrieren und die Medizintechnik an die Börse bringen. Operativ hat GE die größten Probleme in der Kraftwerkssparte. Der Markt für große Gasturbinen ist weltweit eingebrochen. Die Gasmotorensparte, bei GE in Jenbach domiziliert, wird derzeit an das Finanzunternehmen Advent verkauft, INDUSTRIEMAGAZIN berichtete. Als Weltmarktführer leiden die Amerikaner besonders unter der schwindenden Nachfrage nach Turbinen für traditionelle Kraftwerke, die auch dem Erzrivalen Siemens zu schaffen macht. Dazu kamen noch technische Probleme mit einer neuen Generation von Gasturbinen. Als Konsequenz schreibt GE die Kraftwerksparte, die mit einem Wert von 23 Mrd. Dollar (19,9 Mrd. Euro) in der Bilanz steht, fast vollständig ab.

Flannerys überraschender Abgang trieb die GE-Aktie am Montag vorbörslich um 15 Prozent nach oben. Seit seinem Amtsantritt hat sie fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Noch vor zwei Jahren hatte GE zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, im Juni stieg der Konzern aus dem Dow-Jones-Index ab, dem es seit 1907 angehört hatte. Flannery, der aus der Medizinsparte von GE kommt, hatte vor 14 Monaten den langjährigen Konzernchef Jeff Immelt abgelöst. Flannery versprach, GE zu verschlanken, vor allem mit dem Verkauf und der Abspaltung von Firmenteilen im Volumen von 20 Mrd. Dollar. Doch das brauche einige Zeit, hatte er gesagt - Zeit, die ihm die Aktionäre offenbar nicht mehr zubilligen wollten.

Ob sein Nachfolger an den Plänen festhält, blieb zunächst offen. "Wir halten daran fest, die Bilanz zu stärken, auch indem wir Schulden abbauen", sagte Culp. Finanzexperte Thomas Horton, ehemals Chef der Fluggesellschaft American Airlines, soll ihm dabei als "Lead Director" zur Seite stehen. Auch Horton war im Frühjahr zu GE gekommen. "Wir haben viel Arbeit vor uns, um den Wert von GE aufzuschließen, erklärte Culp. "Wir werden das mit Dringlichkeit angehen."

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Im vergangenen Jahr hatte GE sechs Mrd. Dollar Verlust geschrieben, auch 2018 drohen wegen der Abschreibungen rote Zahlen. In den anderen Sparten laufe es wie geplant, hieß es in der Mitteilung vom Montag. Von der Prognose eines Gewinns von 1,00 bis 1,07 Dollar je Aktie rückte GE ab, ohne eine neue zu nennen. Auch das bereits im Juli auf sechs Mrd. Dollar zusammengestrichene Ziel für den operativen Mittelzufluss (Cash-flow) sei nicht mehr zu halten.

Die Kraftwerkssparte bereitet auch Siemens Sorgen. Der Münchner Technologiekonzern, weltweit die Nummer zwei in dem Markt, hat die Streichung von mehr als 6.000 Arbeitsplätzen in der Sparte beschlossen, die unter der Energiewende leidet. Große Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke sind nicht mehr gefragt, viele Energieversorger setzen auf Wind, Sonne und dezentrale Erzeugung.

Flannery wollte GE auf das Geschäft mit Flugzeugantrieben, Kraftwerken und erneuerbaren Energien konzentrieren, um wieder auf die Beine zu kommen. Das Medizintechnik-Geschäft sollte an die Börse gebracht werden, das Geschäft mit Gasmotoren und Stromaggregaten um die österreichische Tochter Jenbacher wird an den Finanzinvestor Advent abgegeben. Auch von der erst vor gut einem Jahr übernommenen Mehrheitsbeteiligung am Öl- und Gas-Dienstleister Baker Hughes wollte sich GE unter Flannery in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder trennen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Die Zug-Sparte soll Anfang 2019 mit dem Rivalen Wabtec fusionieren. Das Licht-Geschäft mit der Autoindustrie in Europa ist verkauft, der Rest der Sparte soll bis Ende des Jahres folgen.

Nachfolger Flannerys wird H. Lawrence Culp, ehemals CEO von Danaher. Culp erklärte in einer ersten Stellungnahme, fundamental bleibe GE ein starker Konzern. Man wolle weiterhin die Bilanz stärken und die Verschuldung reduzieren. Der 55-Jährige war bis 2014 Vorstandschef des Mischkonzerns Danaher. Seit April gehörte er bereits dem GE-Board an. Die US-amerikanische General Electric (GE, General Electric Company) ist einer der größten Mischkonzerne der Welt. Der Stammsitz befindet sich seit 2016 in Boston (Massachusetts). Das Unternehmen war über 80 Jahre in Schenectady im US-Bundesstaat New York und anschließend ab 1974 in Fairfield (Connecticut) beheimatet.

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